Google und Twitter: Wer von einer Übernahme profitieren würde

Google und Twitter: Wer von einer Übernahme profitieren würde

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Die Twitter-Aktie ist auf einem Höhenflug.

Ein Übernahme-Gerücht lässt die Twitter-Aktie auf ein Jahreshoch klettern. Google soll ernsthaft an dem Kurnachrichtendienst interessiert sein. Warum die Übernahme eine gute Idee wäre. Und welche Risiken sie birgt.

Was ist denn überhaupt los?

Die Twitter-Aktie ist seit Dienstag auf einem Höhenflug. Zwischenzeitlich kletterte sie bis auf 53,28 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit Oktober vergangenen Jahres. Auslöser waren Berichte der Finanzseite "Briefing.com" über ein mögliches Übernahmeinteresse an dem Internetunternehmen. "Zwei Bieter mit ernsten Absichten" seien an Twitter herangetreten heißt es, einer davon sei der Suchmaschinengigant Google. Und die Gerüchteküche brodelt weiter: Der Kurznachrichtendienst habe gar kein Interesse daran übernommen zu werden und hätte Goldman Sachs damit beauftragt, Kaufangebote abzuwehren. Mehr Details gibt’s eigentlich nicht. Die Unternehmen schweigen.

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Gab es die Gerüchte nicht schon vor Jahren?
Ja, mehrfach. 2009 verhandelte Google mit Twitter über eine Übernahme. Eine knappe halbe Milliarde Dollar soll Google damals geboten haben. 2011 wiederholte sich das Spiel. Und auch zu Beginn dieses Jahres hieß es aus der Gerüchteküche, Google wolle Twitter übernehmen. Wirklich. Übrigens war wohl nicht nur der Suchmaschinen-Riese an Twitter interessiert. Facebook und selbst Apple galten vor Jahren mal als potentielle Käufer. Ernsthafte, publik gewordene Offerten gab es freilich nicht.

Warum reicht schon ein Gerücht, um die Twitter-Aktie zu beflügeln?

Die Aktionäre hoffen darauf, mit Twitter endlich wieder Geld verdienen zu können. An der Börse legte der Kurznachrichtendienst 2013 einen starken Start und schraubte die Erwartungen hoch. Der Aktienkurs kletterte anfangs von 26 auf knapp 70 Dollar. Dann folgte der Abstieg. Zeitweise war die Aktie nur wenig mehr als 30 Dollar wert. Zuletzt pendelte sie irgendwo zwischen 35 und 50.

Zahlen und Fakten zu Twitter

  • Nebenprodukt mit Erfolg

    Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

  • Idee von vier Freunden

    Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

  • Intrigen und Machtkämpfe

    Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Seitdem lenkte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig, die Firma. Nach der Warnung des Unternehmens im ersten Quartal 2015, dass die angepeilten Umsätze nicht erreicht würden, und die Aktie weit unter den Ausgabekurs rutschte, war die Luft für ihn dünn geworden. Nach Monaten der Kritik von der Wall Street, Anteilseignern, Mitarbeitern und Kunden wurde Costolo am 1. Juli 2015 durch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey ersetzt.

  • Durchweg in den Miesen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal 2015 lag der Verlust bei unterm Strich 137 Millionen Dollar - immerhin 8 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor allem Vergütungen für Mitarbeiter in Form von Aktienpaketen und Optionen machen sich bemerkbar.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen. Im zweiten Quartal 2015 stammten von den 502 Millionen Dollar Umsatz fast 90 Prozent aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Die Werbeeinnahmen nahmen im vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu.

  • Mehr als 270 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter mehr als 316 Millionen Nutzer pro Monat.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Warum läuft es bei Twitter denn nicht rund?

Rund 578 Millionen Dollar Minus hat Twitter im vergangenen Jahr gemacht. Trotz deutlicher Umsatzsteigerungen ist es dem Kurznachrichtendienst noch nicht gelungen, sein werbefinanziertes Geschäftsmodell auf solide Füße zu stellen. Zudem wächst die Nutzerzahl immer langsamer. Mit diversen Neuerungen und Versprechen versucht Twitter in der breiten Masse anzukommen. Doch die Nische für Technikbegeisterter und Nachrichtenjunkies zu verlassen fällt dem Dienst sichtlich schwer. Facebook ist sehr viel stärker in der Mitte aller Internetnutzer verankert.

Was hätte Google denn von dem Deal?
Soziale Netzwerke sind Googles große Schwachstelle. Mit Google+ hat der Online-Gigant zwar einen eigenen Dienst aufgebaut, der eng mit den anderen Angeboten wie Gmail und der Suche verbunden ist. Eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Facebook und Twitter ist das Netzwerk nie geworden. Insbesondere die Zahl der aktiven Nutzer ist gering. Google+ gilt als tot.

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Macht doch nichts. Dann hat Google eben mit seinen anderen Produkten Erfolg.
Das Problem: Für die großen Online-Konzerne ist Social Media von immenser Bedeutung. Nicht nur, dass sie zu entscheiden Traffic-Lieferant für Websites geworden sind, weil sich immer Menschen auf die Empfehlungen und Verlinkungen ihrer Bekannten verlassen. Die Sozialen Netzwerke verfügen über riesige Menge an persönlichen Daten, die für Google von großer Bedeutung sind, um die eigenen Dienste weiterzuentwickeln und neue zu entwerfen. Ob Twitter dafür der richtige Kandidat ist, ist umstritten. Denn die Probleme, die den 140-Zeichen-Dienst derzeit plagen, müsste auch Google erstmal in den Griff bekommen.

Und die Risiken einer Übernahme?
Für Google dürfte es vor allem ums Geld gehen. Davon der Konzern eigentlich genug. Allein der Nettogewinn des Jahrs 2014 betrug immerhin 14,44 Milliarden US-Dollar. Doch die Übernahme eines Schwergewichts wie Twitter mit einem derzeitigen Börsenwert von 33 Milliarden, dürfte auch Google nicht ganz leicht fallen. Der Kaufpreis läge wohl bei grob 50 Milliarden Dollar rechnet der "Business Insider" vor.

Für Twitter sind die Risiken und Unabwägbarkeiten ungleich größer. Wenn Google die Zügel in die Hand nimmt, droht der vollständige Verlust der Eigenständigkeit. Im besten Fall bliebe der Kurznachrichtendienst als eigenständiges Netzwerk mit einem gesunden Finanzpolster für den Ausbau bestehen. Im schlimmsten Fall würde es mittelfristig in die Google-Welt intergiert und zum Daten- und Nutzer-Lieferanten degradiert werden.

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