Hauptversammlung am Donnerstag: Der Verdruss-Abschied von Telekom-Chef Obermann

Hauptversammlung am Donnerstag: Der Verdruss-Abschied von Telekom-Chef Obermann

von Jürgen Berke

René Obermann sollte der erste Telekom-Chef sein, der mit dem Beifall der Aktionäre aus dem Amt scheidet. Doch daraus wird nichts. Die Drosselpläne werden auch auf der Hauptversammlung einen Sturm der Entrüstung auslösen.

Die Zeremonienmeister der Telekom-Hauptversammlung hatten eigentlich alles für einen würdigen Abschied vorbereitet. Wenn der scheidende Vorstandschef René Obermann um kurz nach zehn Uhr in der Lanxess-Arena ans Rednerpult tritt und den T-Aktionären die Bilanz seines Wirkens an der Spitze der Deutschen Telekom in den vergangenen sechseinhalb Jahren vorstellt, sollten die T-Aktionäre zumindest höflichen Applaus spenden. Beifallstürme oder gar stehende Ovationen, das war allen Beteiligten schon länger klar, werde es nicht geben. Denn dafür fällt Obermanns Bilanz unter dem Strich viel zu mager aus. Freiwillig und erhobenen Hauptes wollte Obermann aber den Posten niederlegen und nicht wie seine Vorgänger Ron Sommer und Kai-Uwe Ricke mit einem Pfeifkonzert aus dem Amt gejagt werden.

Telekomliberalisierung: Die Meilensteine seit der Postreform

  • 30. Juni 1987

    Die EU-Kommission steckt mit dem sogenannten Grünbuch die Grundzüge eines neuen ordnungspolitischen Rahmens für die Öffnung der Telekommunikationsmärkte in Europa ab.

  • 1. Juli 1989

    Das Poststrukturgesetz tritt in Kraft. Mit der Postreform I werden insbesondere die Märkte für Mobilfunk und Endgeräte liberalisiert. Kunden können erstmals die Telefone, die sie an den Anschluss stöpseln, frei auswählen.

  • 15. Dezember 1989

    Mannesmann Mobilfunk gewinnt die Ausschreibung für die D2-Lizenz und tritt mit dem Bau des ersten privaten Mobilfunknetzes in Konkurrenz zur Bundespost.

  • 1. Januar 1994

    Die Postreform II wird mit dem Ziel verabschiedet, die Bundesunternehmen Telekom, Postdienst und Postbank in Aktiengesellschaften umzuwandeln.

  • 1. Januar 1998

    Das Festnetzmonopol der Deutschen Telekom fällt, Telekom-Kunden können erstmals über alternative Anbieter durch Eingabe von Netzvorwahlen (Call by Call) telefonieren.

  • 1. Juli 2004

    Die ersten alternativen Anbieter bieten DSL-Anschlüsse in Konkurrenz zur Deutschen Telekom an. Bis heute sind neun Millionen Kunden gewechselt.

  • 24. Februar 2007

    Die Telekom bekommt mehr Freiheiten für ihr neues Glasfasernetz VDSL, das sie für zwölf Millionen Haushalte in 50 Städten ausrollt. Konkurrenten können erst 2009 die ersten Produkte vermarkten.

  • 12. Juli 2012

    Die EU-Kommission kündigt erstmals eine „Digitale Agenda“ für die Neuordnung des Telekommunikationsmarktes an. Schneller Ausbau von Glasfasernetzen ist dabei wichtiger als weitere Preissenkungen.

  • 9. April 2013

    Die Bundesnetzagentur ändert das bisherige Regulierungsregime. Die Deutsche Telekom darf unter bestimmten Auflagen eine neue Technik (Vectoring) exklusiv einsetzen, um mit dem überlegenen Kabel-TV-Anschluss konkurrieren zu können.

Seit drei Wochen ist klar, dass dieser Plan nicht mehr so recht aufgeht. Denn die Protestwelle gegen die neuen Tarifmodelle, die Geschwindigkeit der Internetanschlüsse nach Überschreiten eines bestimmten Datenvolumens zu drosseln, wird bis in die Hauptversammlung schwappen. Schon morgens um 8.30 Uhr wollen Kritiker die T-Aktionäre mit einer Mahnwache begrüßen. Auch während der Hauptversammlung wollen Verfechter der Netzneutralität das Wort ergreifen und die Hauptversammlung in ein Tribunal verwandeln. Und um 16 Uhr soll sogar eine Demonstration mit Kundgebung vor Ort direkt an der Lanxess Arena stattfinden.

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Rene Obermann und Angela Merkel Quelle: dpa/Montage

Die Wut der Vielsurfer, die künftig zehn bis zwanzig Euro pro Monat mehr zahlen sollen, zeigt, in welchem Dilemma Obermann steckt. Bei seinem Amtsantritt im November 2006 hatte er das Ziel ausgegeben, mit Weltklasse-Netzen und Weltklasse-Service die Kunden so zu begeistern, dass das magenta-farbene T wieder zur Premium-Marke für Mobilfunk und Internet wird. Beim Service hat sich die Telekom tatsächlich gebessert, auch wenn sie von der versprochenen Weltklasse noch weit entfernt ist. Doch beim Ausbau ihres Festnetzes hat die Telekom in den vergangenen Jahren derart gespart, dass es schon bald Engpässe im Telekom-Netz gibt.

Mehr noch. Der traditionelle DSL-Anschluss mit seinen maximal 16 Megabit pro Sekunde ist derart stark den TV-Kabelnetzen mit Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr unterlegen ist, dass Marktforscher für die kommende Jahre eine stark steigende Wechselwelle vorhersagen.

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