Hollywood „Made in China“: Die neue Kooperation der Traumfabriken

Hollywood „Made in China“: Die neue Kooperation der Traumfabriken

, aktualisiert 15. Januar 2017, 14:01 Uhr
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Die Kooperation zwischen China und Hollywood mit Schauspieler Matt Damon (2. v. l.) soll ein weltweiter Erfolg werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Von „The Great Wall“ bis „Star Wars“: Chinas Rolle auf dem weltweiten Filmmarkt wächst – und damit seine Softpower. Kein Blockbuster kann heute noch erfolgreich sein, ohne das Reich der Mitte zu gewinnen.

PekingDer Abenteuer-Film „The Great Wall“ läutet eine neue Ära in der Kooperation zwischen China und Hollywood ein. Die 140-Millionen-Dollar-Produktion ist der erste Versuch chinesischer und amerikanischer Filmemacher, einen chinesischen Blockbuster international zu einem Erfolg zu machen. Umgekehrt ist das Reich der Mitte längst Hollywoods neues Eldorado und schickt sich an, bald die USA als weltgrößter Kinomarkt zu überholen. Die Kooperation der Traumfabriken wächst – ebenso die chinesische Einflussnahme.

Chinesische Filmexperten schwärmen von „The Great Wall“ mit Matt Damon („Jason Bourne“, „Marsianer“) und einem illustren chinesischen Staraufgebot als dem „Durchbruch“ für Chinas Filmindustrie. „Jetzt kann die Welt sehen, dass ein chinesischer Film auch Spitzenstars und Produzenten aus Hollywood anzieht“, sagt Liu Jun, Professor an der Pekinger Filmakademie.

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„The Great Wall“ läuft seit Donnerstag in den deutschen Kinos. Von Chinas berühmtestem Regisseur Zhang Yimou („Rotes Kornfeld“, „House of Flying Daggers“, „Hero“) atemberaubend inszeniert, stützt sich der Streifen allerdings weiter auf Hollywoods bewährte Drehbuchschreiber. Während Damon, Pedro Pascal („Game of Thrones“) und Willem Dafoe dem chinesischen Film die nötige ausländische Note geben, um ein weltweites Publikum anzusprechen, sind umgekehrt in US-Blockbustern immer prominenter chinesische Akteure und Schauplätze zu finden.

Kein Hollywood-Film kann heute international ein Kassenschlager werden, ohne auch in China erfolgreich zu sein: Im neuen Star Wars-Abenteuer „Rogue One“ spielen der chinesische Filmstar Donnie Yen als blinder Mönch sowie der bekannte Regisseur und Darsteller Jiang Wen als dessen feuerkräftiger Beschützer mit. Auch kämpfen in der Neuauflage von „Independence Day“ Amerikaner und Chinesen gemeinsam um die Rettung der Erde – mit dem chinesischen Star Yang Ying alias „Angelababy“ als hübsche Kampfpilotin.

In dem neuen Magier-Streifen „Die Unfassbaren 2“ (Now You See Me) bekommen nicht nur der taiwanesische Musiker Jay Chou und die chinesisch-britische Schauspielerin Tsai Chin („Joy Luck Club“) wichtige Rollen. Es wird auch fleißig Chinesisch gesprochen, selbst von Morgan Freeman und Mark Rufallo. Sie turnen durch Macao – ähnlich wie James Bond in „Skyfall“.


So frech wie „Iron Man“

Ob Tom Cruise in „Mission Impossible 3“ durch Shanghai rast oder die „Transformer“ durch Hongkong poltern – immer hat Hollywood das chinesische Publikum im Blick. Dreist wird mit Produktplatzierung versteckt Werbung für chinesische Milch oder Chinas Chat-Dienst QQ gemacht. In „Captain America 3“ telefoniert „Iron Man“ Robert Downey Jr. alias Tony Stark mit einem Handy der außerhalb Chinas wenig bekannten Marke Vivo.

Der Zugang zum chinesischen Massenmarkt ist aber steinig und begrenzt. Es gibt eine Quote von nur 34 ausländischen Filmen, die im Jahr in China gezeigt werden dürfen. Auch muss die Zensur passiert werden, was schon vorauseilenden Gehorsam auslöst. So wurde in der Comic-Adaption von „Dr. Strange“ der tibetische Mönch durch eine keltische Zauberin (dargestellt von Tilda Swinton) ersetzt, um China nicht zu provozieren.

Die Quote können ausländische Studios nur mit Kooperationen in China umgehen. In der Hafenstadt Qingdao baut der reichste Mann Chinas, Wang Jianlin, der Legendary Entertainment für 3,5 Milliarden US-Dollar gekauft hat, nach dem Vorbild Hollywoods für viele Milliarden eine Filmstadt, die auch ausländische Produzenten anziehen soll.

Der Chef des Wanda-Konzerns ist heute schon der größte Kinobetreiber der Welt und steckt auch hinter „The Great Wall“, der teilweise in Qingdao gefilmt wurde. „Wenn Hollywood-Studios hier drehen, wird die chinesische Filmindustrie davon ebenso profitieren wie chinesische Filmschaffende und ihre Mitarbeiter“, sagt der unabhängige Experte Jiang Yong. „Es wird Auswirkungen haben.“

Die Entwicklung ist durchaus auch politisch motiviert. „Das Land schenkt seiner „Softpower“ große Aufmerksamkeit“, sagt Jiang Yong mit Blick auf politische Machtausübung über Ideologie und kulturelle Attraktivität. Der Wanda-Konzern habe „starke Muskeln“, sagt der Experte. „Diese Investitionen werden dafür sorgen, dass die chinesische Kultur weiter verbreitet wird.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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