HomePod: Ein neues Tor in die Apple-Welt

HomePod: Ein neues Tor in die Apple-Welt

, aktualisiert 06. Juni 2017, 06:53 Uhr
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Der Konzernchef präsentierte auf der WWDC zahlreiche technische Neuerungen aus dem Apple-Universum.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Bei der Entwicklung virtueller Assistenten ist der Konzern vom Pionier zum Spätzünder geworden. Mit dem intelligenten Lautsprecher HomePod will sich Apple nun Marktanteile zurückholen.

San JoseTim Cook gibt sich an diesem Morgen besonders gut gelaunt. Beschwingt betritt der Apple-Chef in blauem Pulli und hellblauem Hemd die Bühne im San Jose Convention Center, dann hüpft er sogar. „Willkommen zur WWDC hier in San Jose, nur ein paar Schritte entfernt vom neuen Apple-Hauptquartier”, ruft er den 6000 Leuten im Convention Center des Städtchens im südlichen Silicon Valley zu. „Wir haben eine Menge zu besprechen. Eine Menge.”

Und er behielt recht. Cook präsentierte zahlreiche technische Neuerungen für das Apple-Universum, darunter das neue Betriebssystem iOS 11, neue Versionen des Tablet-Computers iPad und Desktop-Rechners iMac. Auf die wichtigste Innovation gewährte er jedoch erst gegen Ende seiner Keynote einen Blick.

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Es ist Apples erste große Hardware-Neuheit seit der der Apple Watch und das lang erwartete, neue Zuhause für Sprachassistentin Siri: der intelligente Lautsprecher HomePod. Das Gerät soll ein wenig Apple-Magie versprühen bis im September das iPhone anlässlich seines zehnjährigen Geburtstags in neuem Glanz erstrahlen soll.

Experten rechnen mit erlahmendem Smartphone-Boom

Dem Kultobjekt verdankt der Hersteller aus Cupertino seinen Aufstieg zum wertvollsten Unternehmen der Welt, mit einer Marktkapitalisierung von über 800 Milliarden Dollar. Analysten jedoch rechnen für die Zukunft damit, dass der Smartphone-Boom erlahmt. Laut des Internet Trend Reports von Mary Meeker, Partnerin bei der Investorenfirma Kleiner Perkins Caufield & Byers, der als die wichtigste Marktanalyse der Tech-Branche gilt, stiegen die Verkäufe 2016 nur noch um drei Prozent, im Vorjahr waren es noch zehn Prozent.

Neues Wachstum sieht die Studie hingegen bei den smarten Assistenten. Die Stimme beginne das Tippen bei der Suche zu ersetzen, 20 Prozent aller mobilen Anfragen im Jahr 2016 erfolgten bereits mittels Sprachsteuerung, so die Expertin. Kein Wunder also, dass auch der Apple-Chef in den neuen Markt investiert und sein Ökosystem an Geräten erweitert.

HomePod sei ein „bahnbrechender Lautsprecher für das Zuhause mit wahnsinnigem Sound und unglaublicher Intelligenz”, schwärmt Cook und zeigt in einem Video das etwa 17 Zentimeter große Gerät, das in den Farben weiß, grau und schwarz erhältlich sein wird. Der Verkauf startet im Dezember in Australien, Großbritannien und den USA. Der Preis des Geräts liegt mit 349 Dollar über dem des Amazon-Konkurrenzprodukts Echo Show, das 229,99 kostet und es ist teurer als Googles intelligenter Lautsprecher Home für 109 Dollar.


„Das größte Gehirn für einen Lautsprecher”

Doch nach Ansicht des Unternehmens sei der Preis durchaus angemessen. Es gebe viele Versuche, sagt Apple-Manager Phil Schiller und zeigt Bilder des Herstellers Sonos und von Amazons Echo. „Doch keiner hat es bisher perfekt hingekriegt”. Apples HomePod sei „das größte Gehirn für einen Lautsprecher”. Mithilfe integrierter Sensoren und sechs Mikrophonen passe sich der HomePod in Ton und Lautstärke an seine Umgebung an und könne Kommandos sogar vom anderen Ende des Raums aus empfangen.

Der von Apple selbst designte Chip namens A8 liefert die erforderliche Rechenleistung, ein nach oben ausgerichteter Basslautsprecher den richtigen Sound. Die integrierte Sprachassistentin Siri liefert neben den 40 Millionen Songs auf Apple Music auch Zusatzinformationen wie Songtitel, Bandname oder Musiker. Hinzu kommen Informationen zum Wetter und Weltgeschehen oder zu Aktienverläufen. Nutzer können einen Alarm setzen oder die Verkehrslage checken.

Erst wenn auf das Weck-Signal „Hey Siri” hin auf dem Kopf des HomePod ein bunter Kreis aufleuchtet, so ähnlich wie bei Google Home, sendet das Gerät Daten an Apple, betont der Hersteller. „Die Privatsphäre unserer Kunden ist uns wichtig”, verspricht Manager Schiller. Der Erfolg des neuen Geräts dürfte für Apple entscheidend sein, gerät der Konzern doch im Zukunftsmarkt mit smarten Assistenten inzwischen unter Druck.

Loyalität der Kunden soll gestärkt werden

Zwar brachte Apple als erstes Unternehmen überhaupt 2001 die virtuelle Assistentin Siri auf den Markt. Doch Amazon, Google oder Microsoft haben längst aufgeholt. Inzwischen dominiert Amazons Lautsprecher Echo das Geschäft mit einem Marktanteil von 70,6 Prozent laut E-Marketer. Google folgt auf Platz zwei mit 23,8 Prozent.

Der HomePod soll die Loyalität der Kunden stärken und das Produkterlebnis verbessern, wenn sich der Lautsprecher so komfortabel in Apples Ökosystem aus iPhone und Apple Watch einfügt, wie der Hersteller es verspricht. Der Lautsprecher und die mit ihm verbundenen Services werden zudem als neues Tor zur Apple-Welt das Wachstum von Apples Software-Sparte weiter antreiben und die Umsätze des App Stores, von Apple Music oder Apple News antreiben und dem Wachstum der Plattform HomeKit für das vernetzte Zuhause helfen.

In der Software-Sparte „Services” wuchs Apple in den vergangenen Quartalen besonders stark. Das Segment verzeichnete eine Umsatzsteigerung um 18 Prozent auf 7,04 Milliarden Dollar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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