IBM senkt Prognose: Konzern muss schrumpfen, um zu wachsen

IBM senkt Prognose: Konzern muss schrumpfen, um zu wachsen

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IBM-Weltchefin Rometty streicht beim IT-Riesen weltweit Stellen und setzt auf künstliche Intelligenz.

von Michael Kroker und Matthias Hohensee

Zum vierzehnten Mal in Folge hat IBM rückläufige Umsätze verzeichnet. Daher streicht der IT-Riese seit Jahren Stellen, auch in Deutschland. Big Data, die Cloud und künstliche Intelligenz sollen endlich die Wende bringen.

Als Virginia Rometty im Januar 2012 als Chefin des IT-Giganten IBM antrat, verkündete sie Visionäres. Das Fazit ihrer Antrittsbotschaften: „Big Blue“, wie der Konzern aus Armonk im US-Bundesstaat New York genannt wird, erwarte eine „radikale und beständige Transformation“. In gewisser Weise hat die Chefin ihre Ankündigungen von einst wahr gemacht – nur ganz anders als wohlmeinende Beobachter und wohl auch sie selbst das seinerzeit gedacht hatten.

Wenn es um IBM auch ruhiger bestellt sein mag als um den ständig mit Negativschlagzeilen kämpfenden Erzrivalen Hewlett-Packard (HP), so steckt der einstige IT-Pionier doch in der Krise. Die „beständige Transformation“ hat IBM bisher eher schwächer als stärker, kleiner und nicht größer gemacht. Erst Montag (Ortszeit) musste der Konzern einen Umsatzrückgang von 14 Prozent vermelden - das vierzehnte Quartalsminus in Folge. Weltweit baut IBM Stellen ab, auch in Deutschland. Seit die 58-jährige Rometty, Spitzname „Ginny“, den Konzern führt, ist der Umsatz um zwölf Prozent eingebrochen (siehe Grafik).

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Umsatz und Gewinn von IBM

Umsatz und Gewinn von IBM. (Für eine vergrößerte Ansicht bitte klicken).

Die Aktie hat seitdem gar 20 Prozent verloren, trotz Börsenbooms und milliardenschweren Aktienrückkäufen. Und die Analysten erwarten weitere Umsatzrückgänge. Denn IBM verabschiedet sich auch unter Rometty konsequent von Produkten, mit denen das Unternehmen einst mächtig wurde. Ihre Vorgänger hatten sich bereits von Hardware wie PCs, Festplatten und Druckern getrennt und stattdessen das Servicegeschäft ausgebaut. Rometty entledigte sich zusätzlich der günstigen Großrechner (Server) und bezahlte US-Auftragsfertiger Global Foundries rund 1,5 Milliarden Dollar, damit er die Chipfertigung übernimmt. Rometty sagt: „Wir müssen schrumpfen, um in Zukunft stärker zu sein.“Nur läuft ihr so langsam die Zeit davon. Immer deutlicher wird: Rometty plant die Zukunft nicht unbedingt strategisch, sie wettet auf sie. Und das gleich vier Mal: auf den Erfolg der Cloud Dienste, der Datenanalyse, der Computersicherheit und der Mobilanwendungen.

Diese vier Felder sollen IBM wieder zu Wachstum verhelfen. Dazu hat Rometty etwa eine Allianz mit Twitter zur Auswertung großer Informationsmengen, Big Data genannt, geschlossen. Und sie hat sich mit Apple verbündet, um gemeinsam Mobilanwendungen bei Geschäftskunden voranzutreiben (WirtschaftsWoche 26/2015). Die Bereiche haben im ersten Halbjahr etwa 30 Prozent an Umsatzwachstum verbucht und machen mittlerweile etwa ein Drittel von IBMs Gesamtumsatz aus.

Es geht also in die richtige Richtung – aber langsamer und beschwerlicher als gedacht. So wie beim Cloud Computing, übers Internet offerierte Software oder Speicherplatz. Ein gigantischer Wachstumsmarkt, der laut IT-Marktforscher IDC im Bereich Cloud-Infrastruktur – dem Segment von IBM – bis 2019 von heute 29 auf dann fast 48 Milliarden Euro wachsen soll.

Die wertvollsten Markennamen der Welt

  • Platz 10: Marlboro

    Markenwert 2015: 80,4 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 19 Prozent

    Rang 2014: 9.

    Quelle: BrandZ Millward Brown

  • Platz 9: McDonalds

    Markenwert 2015: 81,2 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: -5 Prozent

    Rang 2014: 5.

  • Platz 8: Coca-Cola

    Markenwert 2015: 83,8 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 4 Prozent

    Rang 2014: 6.

  • Platz 7: Verizon

    Markenwert 2015: 86 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 36 Prozent

    Rang 2014: 11.

  • Platz 6: AT&T

    Markenwert 2015: 89,5 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 15 Prozent

    Rang 2014: 8.

  • Platz 5: Visa

    Markenwert 2015: 92 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 16 Prozent

    Rang 2014: 7.

  • Platz 4: IBM

    Markenwert 2015: 94 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 0 Prozent

    Rang 2014: 3.

  • Platz 3: Microsoft

    Markenwert 2015: 115,5 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 28 Prozent

    Rang 2014: 3.

  • Platz 2: Google

    Markenwert 2015: 173,7 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 9 Prozent

    Rang 2014: 1.

  • Platz 1: Apple

    Markenwert 2015: 247 Milliarden Dollar

    Veränderung zu 2014: 67 Prozent

    Rang 2014: 2.

Das Problem für IBM: Anders als früher hat es der Konzern in diesem Geschäft mit starken Wettbewerbern wie etwa Amazon zu tun. Auch Microsofts neuer Chef Satya Nadella baut die eigene Cloud-Sparte aus. IBM liegt US-Marktforscher Synergy Research zufolge derzeit auf Platz drei mit 7 Prozent Weltmarkanteil – hinter Microsoft mit 11 und Amazon mit 29 Prozent.

Jahrzehntelang hat IBM das IT-Geschäft mit Behörden beherrscht. Doch damit ist es vorbei. Noch immer belastet den Riesen aus Armonk, dass ihm Amazon vor zwei Jahren einen schon sicher geglaubten Cloud-Vertrag mit dem US-Nachrichtendienst CIA im Wert von knapp 530 Millionen Euro wegschnappte. Der Protest gegen die Entscheidung machte alles noch schlimmer: Denn die Prüfer des US-Rechnungshofs bestätigen zwar, dass IBMs Angebot weitaus günstiger war. Doch Amazon punktete mit größerer Erfahrung und Flexibilität, was Risiken reduzierte und damit den Mehrpreis rechtfertigte. Die CIA ist hochzufrieden mit Amazon. Was sich unter den Behörden herumgesprochen hat: Die US-Luftverkehrsbehörde FAA überging jüngst ebenfalls IBM und beauftragte Amazon und Microsoft.

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