Ideenschmiede: Die Zukunft von SAP entscheidet sich in einer Rumpelkammer

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Ideenschmiede: Die Zukunft von SAP entscheidet sich in einer Rumpelkammer

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Rumpelkammer statt Rampenlicht: Im sogenannten App House lässt Technikchef Sikka die Zukunft von SAP erproben.

von Matthias Hohensee und Michael Kroker

Offiziell jubelt der Softwareriese über seine neue Datenbank Hana, die es jetzt auch im Internet gibt. Intern aber kämpft der Konzern gegen die eigene Schwerfälligkeit – vom Silicon Valley aus.

Das App House liegt in einer Seitenstraße der Innenstadt von Los Altos, einem beschaulichen Örtchen mitten im Silicon Valley, auf halbem Weg zwischen dem Hauptquartier von Google und Facebook. Eine steile Treppe führt in ein verwinkeltes Apartmentgebäude zu einer verkratzten Holztür mit Zahlenschloss. Dahinter erstreckt sich ein schlauchartiges Apartment, vollgestellt mit Schreibtischen, Sesseln, Stühlen und zwei roten Ledersofas. 25 Leute arbeiten hier, die meisten zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Für eine Empfangszone fehlt der Platz. Schränke sind in einen fensterlosen Aufbewahrungsraum verfrachtet. Alle Möbel haben Rollen, um schnell Platz schaffen zu können. Die Wände sind gepflastert mit weißen Tafeln, vollgekritzelt in grünem Faserstift, daneben hängen Plakate von den Beatles und Star Wars sowie Entwürfe für neue Smartphone-Apps.

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Kein Außenstehender würde auf den Gedanken kommen, dass eine solche Location zu SAP gehört, dem milliardenschweren Anbieter von Software zur Unternehmenssteuerung aus Walldorf. Wenn am Dienstag SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratsboss Hasso Plattner wieder einmal seinen großen Auftritt hat, wird er dazu in den SAP Labs in Palo Alto auf die Bühne treten. Dort und nicht im App House will er für das große Zukunftsprodukt von SAP, die Hochleistungsdatenbank Hana, eine Cloud-Version vorstellen. Damit sollen die Nutzer die Software aus dem Internet abrufen können.

Die Zukunft entscheidet sich in der Rumpelkammer

So groß die Hoffnung von Plattner auch ist, mit Hana Konkurrenten wie dem US-Riesen Oracle enteilen zu können: Die Zukunft der deutschen Paradesoftwareschmiede entscheidet sich nicht nur im Rampenlicht, sondern auch und gerade in der Rumpelkammer in Los Altos. Hier spinnen Entwickler im Verborgenen an Neuem, in Teams von nicht mehr als zehn Leuten und vernetzt mit acht weiteren Büros in Nordamerika, Europa und Asien.

Für sie zählt, dass SAP rasend schnell, also viel schneller als bisher, auf die heißesten Trends bei Smartphones und Tablets springt. Während herkömmliche SAP-Programmierer mitunter jahrelang an einer Software arbeiten, ist das App House eine Bude für Tempo-Junkies. Ihre Miniprogramme sind in weniger als 90 Tagen fertig. Und sie sind nicht nur für Businesskunden gedacht, sondern auch für Smartphone-Nutzer – etwas, was von SAP noch vor Kurzem niemand erwartete.

Die Entwicklung von SAP

  • 1972: Der Urknall

    Gründung als SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim; 1976 Umbenennung in Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung; 1977 Umzug nach Walldorf.

  • 1973: Der Startschuss

    Fertigstellung der ersten Finanzbuchhaltungssoftware namens System RF - Grundstein für das spätere Komplettpaket R/1 als umfassende betriebswirtschaftliche Standardsoftware.

  • 1988: Die Expansion

    Die 1979 erstmals angebotene Software R/2 boomt: Bis Jahresende setzt SAP 245 Millionen Mark um. Im Oktober geht das Unternehmen für umgerechnet 380 Euro je Aktie an die Börse.

  • 1991: Der Megaseller

    Auf der Computermesse Cebit zeigt SAP erstmals die Software R/3, an der die Entwickler seit 1987 arbeiteten. Für den Mittelstand konzipiert, erweist sich R/3 als Megaseller für Konzerne.

  • 1998: Die Globalisierung

    Zur Untermauerung der Auslandsexpansion und zur Eroberung des US-Marktes notiert SAP im August an der New York Stock Exchange. Umsatz 4,3 Milliarden Euro.

  • 2007: Die Beschleunigung

    SAP kauft für 4,8 Milliarden Euro den französischen Softwareanbieter Business Objects. 2010 folgt der Kauf des US-Softwarehauses Sybase für 4,6 Milliarden Euro. Die Basis für neues Wachstum ist geschaffen.

  • 2010: Der Neuanfang

    Nach weniger als einem Jahr muss Léo Apotheker als Chef seinen Hut nehmen. Oberkontrolleur Hasso Plattner beruft Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Nachfolger.

  • 2011: Der Angriff

    Dem Chefduo Snabe und McDermott gelingt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Ende 2011 kündigen sie die Übernahme des US-Anbieters SuccessFactors an. Damit schalten sie um auf neue Produkte im zukunftsträchtigen Mobil- und Cloud-Computing-Geschäft.

  • 2012: Das Durchstarten

    Mit der Milliardenübernahme des US-Anbieters Ariba verstärken die Co-Chefs Snabe und McDermott ihr neues Cloud-Geschäft weiter. Zugleich erhält SAP ein riesiges Internet-basiertes Beschaffungs-Netzwerk für Geschäftskunden.

  • 2013: Die Umwandlung

    Im Frühjahr gibt SAP bekannt, sich in eine europäische Aktiengesellschaft SE umwandeln zu wollen. In der Belegschaft weckt das Befürchtungen, der Konzern könne mittelfristig seinen Firmensitz weg von Walldorf verlagern.

  • 2014: Der Alleinherrscher

    Auf der Hauptversammlung im Mai wird McDermott alleiniger SAP-Chef. Sein bisheriger Kompagnon Snabe rückt in den Aufsichtsrat. McDermott will SAP noch schlanker und flexibler machen sowie das Unternehmen ganz auf die Cloud trimmen.

Einkaufsliste für modebewusste Shopper

Zum Beispiel eine Einkaufsliste für modebewusste Shopper: Die App gibt es momentan nur in China und ist dort sehr populär. Oder eine Liste mit aktuellen Rückrufaktionen von Herstellern: Die App heißt Recall plus und informiert Konsumenten über schadhafte Produkte. Und mit der App Photo Tribe können sich Nutzer die Betrachtung von Fotos mit Freunden oder Familienmitgliedern teilen.

Die Denke, die Mitarbeiter, die Softwaregestaltung – für SAP ist das App House wie ein ferner Stern in der Konzerngalaxie. „Wir wenden bei unseren Apps strikt die Sieben-Sekunden-Regel an“, sagt Sam Yen, weltweit für Design und Benutzerführung bei SAP zuständig. Wenn sich der Zweck einer App und ihre Bedienung nicht in ein paar Sekunden erschließt, habe sie keine Chance am Markt. Das sind Worte, die so manchem Anwender herkömmlicher SAP-Programme wie Botschaften eines Außerirdischen klingen.

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