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KommentarInfineon: Peter Bauers Abgang ist ein schwerer Verlust

von Michael Kroker

Der Vorstandschef des Halbleiterkonzerns tritt überraschend zurück - aus gesundheitlichen Gründen. Sein Abgang sorgt für neue Unruhe beim Chiphersteller aus München.

Scheidet zum 30. September aus gesundheitlichn Gründen aus: Der Infineon-Vorstandsvorsitzende Peter Bauer. Quelle: dpa
Scheidet zum 30. September aus gesundheitlichn Gründen aus: Der Infineon-Vorstandsvorsitzende Peter Bauer. Quelle: dpa

Diese Ankündigung hat für den Münchner Halbleiterkonzern weitreichende Folgen: Peter Bauer legt sein Amt als Vorstandschef aus gesundheitlichen Gründen zum 30. September nieder. Der 51-Jährige leidet unter der Knochenkrankheit Osteoporose; laut Unternehmensangaben habe sich das Krankheitsbild jüngst deutlich verschlechtert. „Wegen des ungewissen Verlaufes meiner Krankheit habe ich mich aus Verantwortung gegenüber meiner Gesundheit, meiner Familie und gegenüber dem Unternehmen zu diesem Schritt durchgerungen“, lässt sich Bauer in der Mitteilung zitieren.

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Der Rücktritt, so verständlich und richtig er ist, bedeutet einen schweren Verlust für Infineon. Denn die Rückkehr von Infineon in die Erfolgsspur ist maßgeblich Bauer zu verdanken: Als der Mitte 2008 seinen Job als Infineon-Boss antritt, sind die Münchner gleich auf mehreren Feldern stark angeschlagen. Die Mitte 2006 abgespaltene Speicher-Tochter Qimonda befindet sich bereits in dramatischer Schieflage und steuert auf die Insolvenz zu, die auch Infineon aufgrund eines 77,5-Prozent-Anteils mit in den Abgrund zu reißen droht. Gleichzeitig steuert die Weltwirtschaft im Nachgang der Lehman-Pleite auf eine Rezession zu, die Infineon als Frühzykliker stets besonders zusetzt. Und schließlich ist das Unternehmen von jahrelangen internen Querelen im Management gebeutelt. Auch bei Bauers Berufung schwingt – wie so oft zuvor – ein Intrigen-Verdacht mit.

Vom Pleitekandidat zum Dax-Rückkehrer

In einem wahren Husarenritt gelingt es Bauer in den Folgemonaten, das Unternehmen zu stabilisieren. Bis Ende 2008 gilt Infineon selbst als Pleitekanditat, insbesondere nach der Insolvenz von Qimonda im Januar 2009. Doch Bauer widersteht allen Forderungen von Arbeitnehmern und Politik, weiteres Geld in die gescheiterte Tochter nachzuschießen. Parallel dazu zieht der selbst eher bedächtig und ruhig auftretende Bauer intern ein hartes Sparprogramm durch und baut 3000 Stellen ab. Und schließlich peitscht er im ersten Halbjahr 2009 die Umschuldung und Rekapitalisierung von Infineon durch. Lohn des Blut-, Schweiß- und Tränen-Kurses: Noch im Dezember 2008 notiert die Aktie des Unternehmens weit unterhalb eines Kurses von einem Euro auf Penny-Stock-Niveau – neun Monate später, im September 2009, steigt Infineon wieder in die erste Börsenliga Dax auf.

Auch in der Folge hält Bauer das Tempo hoch bei den Münchnern. So verkauft er beispielsweise Mitte 2010 das Geschäft mit Mobilfunk-Chips für rund 1,4 Milliarden Dollar an Intel. Im bis September laufenden Geschäftsjahr 2010 kehrt Infineon schließlich in die schwarzen Zahlen zurück – der erste Gewinn des Chipherstellers nach einer Durststrecke von sechs Jahren. Dort verharrt der Konzern bis heute – auch weil die Nachfrage der Kunden nach Chips für Automobile und Industrieanlagen bis heute anhält.

An die Stelle von Bauer rückt nun Reinhard Ploss, bisher im Vorstand für das operative Geschäft verantwortlich. Für Ploss spricht, dass er Infineon von Grund auf kennt – er arbeitet seit mehr als 25 Jahren für das Unternehmen. Allerdings ist der 56-Jährige ein klassisches Ingenieursgewächs, das Zeit seines Lebens vor allem an Dingen wie Prozessoptimierung und Fertigungseffizienz tüftelt. Ob das reicht, um künftig einen Dax-Konzern mit mehr als 26.000 Mitarbeitern als Vorstandschef zu leiten, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber jetzt schon, dass die Unruhe bei Infineon erst mal zurück ist: Am Vormittag notierte die Aktie in einem freilich insgesamt schwachen Umfeld mit mehr als zwei Prozent im Minus.

Nicht vergessen werden soll aber noch etwas anderes: Die besten gesundheitlichen Wünsche auch von dieser Stelle für den scheidenden Peter Bauer.

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