Insolventer Stromanbieter: Aufklärung für Teldafax-Gläubiger

Insolventer Stromanbieter: Aufklärung für Teldafax-Gläubiger

, aktualisiert 05. November 2011, 11:02 Uhr
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Teldafax: Der Billigstromanbieter ist zahlungsunfähig.

Quelle:Handelsblatt Online

Warum und wie schlitterte Teldafax in die Zahlungsunfähigkeit? Diese und andere Fragen soll Insolvenzverwalter Biner Bähr den Gläubigern auf einer Versammlung erklären. Schon jetzt ist klar: Das meiste Geld ist futsch.

KölnWenn nur jeder zehnte Gläubiger des insolventen Billigstromanbieters Teldafax an diesem Dienstag zur Versammlung der Geldgeber nach Köln eilt, haben die Veranstalter ein logistisches Problem. Rund 700.000 Gläubiger, die meisten davon ehemalige Kunden des Energiedienstleisters aus Troisdorf bei Bonn, bangen um ihr Geld und wollen Gewissheit. Auf der Gläubigerversammlung an diesem Dienstag im Kölner Staatenhaus im Rheinpark, wo gut 10.000 Menschen Platz finden, will der Insolvenzverwalter Biner Bähr über den bisherigen Verlauf des Verfahrens berichten. „Wir wissen nicht, wie viele kommen werden“, sagt sein Sprecher.

Ob der Insolvenzrechtler der renommierten Kanzlei White & Case den Gläubigern schon klare Zahlen über Insolvenzmasse, Verbindlichkeiten und damit auch schon über die Insolvenzquote machen kann, ist unwahrscheinlich. Doch es wird erwartet, dass Bähr, der Mitte Juni durch das Amtsgericht Bonn zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden war, die Geldgeber darüber aufklärt, warum und unter welchen Umständen Teldafax in die Zahlungsunfähigkeit schlitterte und nicht in der Lage war, den Hebel umzulegen.

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Tatsächlich ist die Geschichte von Teldafax auch die Geschichte einer Energiebranche, in der vor wenigen Jahren mit der Marktöffnung bei Strom und Gass neue Spielregeln für die Wettbewerb geschaffen wurden. Hatten zuvor die großen Spieler und angestammten lokalen Stadtwerke, die zum großen Teil wiederum mit Oligopolisten der Strom- und Gasmärkte verbandelt waren, das Heft des Handels voll in der Hand, verschärften neue Anbieter mit der Liberalisierung den Wettbewerb. Teldafax war einer davon.

Das Troisdorfer Unternehmen, das sich zuvor schon in der Telekommunikation als Preisbrecher einen Namen gemacht hatte, wenig später aber zahlungsunfähig wurde, witterte neue Chancen und wagte 2007 Sprung in den Energiemarkt. Schnell positionierte sich das Unternehmen als Discounter, expandierte und nannte sich bald der „größte unabhängige Energiedienstleister“ in Deutschland. Als Trikotsponsor des Bundesligaclubs Bayer 04 Leverkusen gaben sich die Troisdorfer zudem eine seriösen Anstrich. Doch der Vorstand setzte auf eine höchst riskante Geschäftsstrategie: Das Vorkassemodell.

Gelockt wurden die Kunden mit Preisen, die je nach Abnahmemenge um bis zu 300, 400 und mehr Euro im Jahr niedriger waren, als bei anderen Anbietern. Verluste wurden dabei bewusst in Kauf genommen, um Marktanteile zu gewinnen. Strom und Gas wurden über weite Strecken zu Preisen angeboten, die zu einem niedrigeren Endkundenpreis verkauft wurden als sie im Einkauf gekostet hatten. Das Rad drehte sich immer schneller - und wurde zum Schneeballsystem.

Noch im Herbst vergangenen Jahres versprach der damalige Vorstandschef Klaus Bath für 2011 schwarze Zahlen. Gegen ihn und andere Manager ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung. Völlig unklar ist die Rolle, die der Sanierungsexperte Hans-Gerd Höptner spielte, der im März 2011 bei Teldafax antrat, um das Unternehmen aus dem Sumpf zu ziehen. Nach weniger als drei Monaten verließ er den schwer angeschlagenen Discounter.

Verbraucherschützer warnen die Verbraucher immer wieder vor Vorkassetarifen. Der große Nachteil: Sollte der Anbieter einmal ausfallen, wie jetzt bei Teldafax geschehen, zahlt der Kunde im Zweifel doppelt: Einmal für Lieferungen, die er nicht erhalten hat, und zweitens für den Ersatz, den der lokale Grundversorger bereitstellt - und das zu einem deutlich höheren Preis.

Im Juni hat Bayer 04 Leverkusen die Bande zu Teldafax gekappt. Aber die Sponsoring-Aktivitäten könnten ein Nachspiel haben. So wurde in den Medien berichtet, dass Bähr auf Rückzahlung der Gelder dringen könnte, weil dem Verein die Zahlungsunfähigkeit schon bekanntgewesen war. Dem Club lag im September noch keine Aufforderung zur Rückzahlung vor.

Branchenkenner gehen davon aus, dass sich das Verfahren um die Teldafax-Pleite lange hinziehen wird. Keine gute Aussichten für die Geschädigten. Im Schnitt liegt die Insolvenzquote in Deutschland lediglich bei fünf Prozent. So oder so, die Geldgeber von Teldafax müssen einen langen Atem haben: „Es dauert Jahre, bis alle Forderungen eingesammelt sind“, sagt ein Kenner. Die berühmte Herstatt-Pleite ist lange her - 1974. Aber die letzten Auszahlungen an die Gläubiger, die folgten erst 32 Jahre später.

Quelle:  Handelsblatt Online
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