Intel und Microsoft: Datenbrillen statt veralteter Hardware

Intel und Microsoft: Datenbrillen statt veralteter Hardware

, aktualisiert 17. August 2016, 11:00 Uhr
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Die vierte Welle der Computerplattformen rollt.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

In den 1980er-Jahren beherrschten die beiden IT-Urgesteine Intel und Microsoft den PC-Markt. Nun versuchen sie gemeinsam, die Computerlandschaft der Zukunft zu erobern. Und ihre Chancen stehen nicht schlecht.

Intel-Chef Brian Krzanich hat ein Problem und eine Hoffnung: Das Problem sind die wegbrechenden PC-Verkäufe; seine Hoffnung trägt den Namen „Merged reality“ – eine neue Art virtueller Realität (VR), die gezielt um Details aus der realen Umwelt angereichert wird. So kann der Träger einer entsprechenden Brille in der virtuellen Welt etwa seine Hände als digitale Abbilder sehen, sie bewegen und als Werkzeuge nutzen, um etwa digitale Türen zu öffnen.

Hardware für virtuelle Realitäten, wie etwa Brillen, werden als neue Computerplattformen gehandelt. Als PCs der Zukunft sozusagen. Und da will Intel wieder wie in der Vergangenheit Hoflieferant für Chips und Prozessoren sein. Die Wall Street jedenfalls gibt schon mal Vorschusslorbeeren: An einem schwachen Tag stieg die Intel-Aktie um 0,86 Prozent auf 35,21 Dollar.

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„Merged reality“, versprach Krzanich am Dienstag auf der jährlichen Entwicklerkonferenz in San Francisco, „wird eine dieser fundamentalen Veränderungen sein, die neu definieren wird, wie wir arbeiten, uns unterhalten lassen und wie wir kommunizieren“. Krzanich präsentierte das Project Alloy, eine Datenbrille für virtuelle Realität, die gleichzeitig mit Kameras, Mikrophonen und Sensoren die gesamte Umwelt in Echtzeit überwacht und analysiert. Da Alloy keine Kabel braucht und einen eigenen Computer eingebaut hat, bewegt sich der Nutzer frei im realen Raum, während er im virtuellen Raum agiert.

Virtual-Reality-Brillen

  • Taucherbrille fürs Virtuelle

    Ob Oculus Rift, Playstation VR oder HTC Vive: Alle Virtual-Reality-Brillen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Sichtfeld zeigt ein Bildschirm die virtuelle Umgebung an, Linsen sollen für einen Rundum-Effekt sorgen. Das Bild wird bei jeder Bewegung des Kopfes angepasst – Sensoren messen jede Veränderung, der Computer errechnet blitzschnell das neue Bild.

  • Oculus Rift von Oculus VR

    Gründer Palmer Luckey baute eine erste Datenbrille aus Smartphone-Komponenten zusammen. Inzwischen hat die Facebook-Tochter die Technik so verfeinert, dass 2016 eine erste Verbraucherversion von Oculus Rift fertig wird. Oculus hat den Preis für die lange erwartete 3D-Brille mit 699 Euro in Europa höher als von Experten erwartet angesetzt.

  • Gear VR von Samsung

    Samsung bietet die Datenbrille Gear VR bereits jetzt als Zubehör fürs Smartphone an – es wird in die Halterung geschoben und dient als Display, die zwei Linsen in der Brille sorgen für die 3D-Optik. Damit ist das System nicht so leistungsfähig wie Konkurrenzprodukte, aber mobil. Die Technik stammt übrigens von Oculus VR.

  • Vive von HTC und Valve

    Der Elektronikhersteller HTC entwickelt seine Virtual-Reality-Brille Vive gemeinsam mit dem Spielespezialisten Valve. Um die Position des Spielers möglichst genau zu ermitteln, werden im Raum zwei Lasersensoren montiert, die mit den Sensoren am Gerät permanent in Kontakt sind. Eine Besonderheit: Nutzer können sich damit im Raum bewegen. Einführung: Ende 2015.

  • Cardboard von Google

    Die virtuelle Realität muss nicht teuer sein: Mit Cardboard hat Google eine zusammenfaltbare Pappkonstruktion entwickelt, in die Nutzer ihr Smartphone schieben können. Eine App bereitet die Bilder passend auf. Technisch sind die anderen Systeme überlegen, Cardboard lässt aber erahnen, welche Möglichkeiten es gibt.

Alloy ist mit einer Sensortechnik von Intel ausgerüstet, die Hindernisse in der Umgebung der Nutzer erkennt. Bevor sie den Flachbildfernseher im Wohnzimmer umrennen oder in eine Glastür treten, warnt sie das System. Kommt ein Mensch in den Sichtbereich, erscheint er auch in der digitalen Welt. Mit Alloy sollen in Zukunft mehrere Nutzer vernetzt arbeiten oder spielen können.

Einen Markteintritt mit Wucht versprechen sich Intel und auch Microsoft von der Integration dieser Technik in Windows 10. Terry Myerson, Microsofts Windows-Chef, erschien auf der Bühne des Moscone Centers um mitzuteilen, Alloy werde auf der Windows Holographic-Plattform laufen. Mit diesem Betriebssystem betreibt Microsoft seine eigene „Hololens“, die Brille für augmented reality, eine Technologie, mit der die reale Umwelt um digitale Informationen angereichert wird.

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Mittendrin statt nur dabei: Per Datenbrille fühlen sich Computeranimationen fast so natürlich an wie das echte Leben. Sechs kühnen Ideen für die virtuelle Realität.

Kino, Fitness und Shopping: Die Virtual-Reality-Brille erobert die Freizeit-Branchen.g Quelle: Andreas Menn für WirtschaftsWoche

Die Verbindung von Windows 10 und Alloy hat das Potenzial, die aufkeimende VR-Branche dramatisch zu verändern. So wie Microsoft und Intel bereits 1975 zusammen die IT-Welt verändert haben, als Bill Gates mit Paul Allen und Monte Davidoff die Programmiersprache Altair Basic für den Prozessor Intel 8080 schrieben.

Nach heutigem Stand wird der Chiphersteller Intel Alloy nicht selbst produzieren und verkaufen, sondern macht sämtliche Pläne, Daten und Fertigungsanweisungen öffentlich zugänglich (Open Source). Das wird in der Branche als „Referenzdesign“ bezeichnet, eine Blaupause, die jeder nachbauen kann.

Das hat schon einmal prächtig funktioniert: Wer Motherboards für PCs mit Intel-Prozessoren bauen will, der kann sich ebenfalls an Referenzdesigns aus Santa Clara bedienen. Das versetzte Hersteller in den USA und Asien in den 80er-Jahren in die Lage, schnell und ohne großen Forschungsaufwand Intel-basierte PCs in Masse zu produzieren und den Markt zu überschwemmen.

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