Internet: Die Wildwest-Manieren der Vergleichsportale

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Internet: Die Wildwest-Manieren der Vergleichsportale

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Wer bei Vergleichsportalen von Speditionen auf den ersten Platz will, gibt nicht immer ein legales Angebot ab

von Andreas Macho

Internet-Portale spalten Möbelspediteure und Kunden, weil sie unlauteren Anbietern den Weg bereiten.

Es sollte ein gewöhnlicher Umzug innerhalb Berlins werden. Die Kisten waren gepackt, die Familie wartete auf den Möbelwagen. Der erschien aber erst einen Tag nach dem vereinbarten Termin. Sodann folgte eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Erst verlangten die Arbeiter mehr Geld, weil es mehr zu transportieren gebe als vereinbart. Die Auftraggeber fanden das nicht, willigten aber notgedrungen ein. Als der Umzug geschafft war, merkten die Umsiedler, dass die Helfer Türrahmen und Möbelstücke beschädigt hatten. Die Forderung nach Entschädigung wiesen die Beschuldigten ab. Mehr noch: Sie weigerten sich sogar, für ihre Dienste überhaupt eine Rechnung auszustellen.

Beschwerden wie diese häufen sich mittlerweile im Internet. Seit Online-Portale wie Immobilienscout24, Umzugsauktion.de oder Myhammer.de den Preisvergleich erlauben, regiert im Geschäft mit Umzügen Wildwest. Beständig sinkende Preise erhöhen den Druck auf die Anbieter in einem Maße, dass große Teile des Gewerbes im Schwarz- und Graubereich zu versinken drohen. Um sich dem Sog zu entziehen, gehen erste Spediteure auf Distanz zu den Portalen.

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Billigpreise mit illegalen Methoden

„Mit einer regulären Kalkulation sind die Billigpreise, die über die Portale ermittelt werden, nicht zu erzielen“, schimpft Dierk Hochgesang, Geschäftsführer beim Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ), der rund 1000 Unternehmen vertritt. Mit vielen der Niedrigangebote auf den Internet-Plattformen könnten die meisten Unternehmen keine Fuhrparks unterhalten und keine Tariflöhne bezahlen.

Zahlen zu Vergleichsportalen von Umzugsspeditionen

  • 250 Berliner Anbieter

    ... stehen im Verdacht, unseriös zu arbeiten.

  • Der Schaden durch Schwarzarbeit

    ... liegt bundesweit in dreistelliger Milliardenhöhe.

Wie die Billigpreise zustande kommen, weiß Christian Gollner, Rechtsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz: „Da werden auch krass illegale Methoden eingesetzt.“ Dass etwa Spediteure das Umzugsgut bei sich einlagern, um von den Kunden einen höheren als den vereinbarten Preis abzupressen, ist laut Gollner kein Einzelfall.

Dabei waren die Erwartungen an die Online-Umzugsportale insbesondere bei den Anbietern hoch. Der Blick ins Internet, so die Hoffnung, würde ihnen neue Kunden bescheren und An- oder Rückfahrten ohne Ladung ersparen. Nicht zuletzt sollten die Portale mehr Transparenz in eine Branche bringen, die dem Zoll als anfällig für Schwarzarbeit gilt.

Doch schon 2011 registrierte das Bundesamt für Güterverkehr: „Die Hemmschwelle zu unfairem Wettbewerb sinkt.“ Den Schaden, den die ehrlichen Spediteure haben, beziffert der Verband AMÖ auf einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr. Mehr als 250 Umzugsunternehmen hat er allein in der Hauptstadt Berlin im Visier.

Internet Die geheime Macht der Vergleichsportale

Banken und Versicherungen, Energie- und Reiseanbieter müssen sich mit Online-Portalen arrangieren. Goldene Zeiten also für König Kunde? Von wegen.

Quelle: Screenshot

Dazu trägt das eine oder andere Portal durchaus bei. „Der Markt ist extrem unübersichtlich, da ständig neue Anbieter kommen und alte verschwinden“, sagt Verbraucherschützer Gollner und rät Nutzern zur Vorsicht bei Billigstanbietern.

Nur die Plattformen profitieren

Die Transparenz im Internet schwankt. Umzugsauktion.de, ein Ableger des Verlagsriesen Axel Springer, gilt vielen in der Branche als sauber. Das Portal überprüft die Gewerbeerlaubnis sowie sämtliche vorgeschriebenen Dokumente. Indem Umzugsauktion.de von den Möbelspeditionen bei jedem Auftrag stattliche 25 Prozent des Umsatzes als Provision kassiert, hält das Portal Dumpinganbieter fern, die sich derlei hohe Sätze nicht leisten können.

Immobilienscout24, eine Tochter der Deutschen Telekom, begnügt sich dagegen mit der Angabe der Umsatzsteuernummer. Erst bei Umzügen von mehr als 65 Quadratmeter Wohnfläche prüft Immobilienscout24, ob das Unternehmen die vorgeschriebene Güterkraftverkehrslizenz besitzt.

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Immobilienscout24 wehrt sich gegen den Vorwurf, der Schwarzarbeit Vorschub zu leisten: Private Kunden würden bei Umzügen unter 65 Quadratmeter nur selten eine Spedition beauftragen, deshalb würden die weiteren Dokumente erst ab dieser Größe eingesehen. Viele kleinere Portale geben sich meist mit den Angaben zufrieden, die die Unternehmen ihnen zur Verfügung stellen.

Martin Roggan, Möbelspediteur in Berlin, hat sich von Umzugsportalen mittlerweile verabschiedet. „Die Portale drängen sich zwischen die Spediteure und die Kunden, davon profitieren aber nur die Plattformen.“

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