Intershop: Gelingt der Rückbau vom Service- zum Software-Anbieter?

Intershop: Gelingt der Rückbau vom Service- zum Software-Anbieter?

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Einer der weltweit ersten Anbieter von E-Commerce-Software: Intershop aus Jena.

von Michael Kroker

Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat der IT-Anbieter aus Jena den Software-Anteil am Umsatz gesteigert - allerdings bei schrumpfendem Gesamtumsatz und weiter roten Zahlen.

Intershop – da war doch was? Bei – Entschuldigung – sehr alten Lesern mit einer gewissen Ost-Affinität dürfte jenes Schlagwort vor allem Erinnerungen an die Handelskette in der früheren DDR auslösen, in denen man Westprodukte gegen harte Devisen einkaufen konnte.

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Mittelalte und eher börsenorientierte Leser dürften bei Intershop dagegen vor allem an eine der abenteuerlichsten Achterbahnfahrten in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte denken: Die 1994 von dem aus Jena stammenden Stephan Schambach gegründete Intershop Communications waren weltweit einer der ersten Anbieter von E-Commerce-Software – die Namensgleichheit zur DDR-Handelskette war also sogar ganz bewusst gewählt.

Mangels Alternativen bauten in den späten Neunzigerjahren beinahe alle hiesigen E-Commerce-Vorreiter wie etwa der Otto-Konzern oder der Kaffee- und Klamotten-Verkäufer Tchibo ihre ersten Einkaufsläden im Internet mithilfe der Intershop-Software. 1998 folgte der Börsengang im damaligen Startup-Wachstumssegment Neuer Markt. In den gut zweieinhalb Jahren bis zum Platzen der ersten Dotcom-Blase galt Intershop als eines der Vorzeigeunternehmen. In der Spitze war das Unternehmen, das im Jahr 2000 einen Umsatz von 123 Millionen Euro erzielte, satte elf Milliarden Euro wert.

Zur Jahreswende 2001 platzte der Traum vom ewigen Intershop-Wachstum – seinerzeit brach die Aktie wegen einer Gewinnwarnung an nur einem Tag um mehr als zwei Drittel ein. Inzwischen rangiert die Aktie um 99,9 Prozent unter ihrem Allzeithoch: Heute bewerten die Börsianer den Anbieter aus Jena gerade mal mit einem Marktwert von gut 37 Millionen Euro.

Grund: Eine ähnliche Achterbahnfahrt wie an der Börse hat Intershop in den vergangenen fünfzehn Jahren bei der Geschäftsstrategie hingelegt. Mal wollte sich der Anbieter mehr auf IT-Dienstleistungen verlegen und Unternehmen beim Bau ihrer Internet-Shops unterstützen. Aus diesem Grund vernachlässigten die Jenaer lange die Weiterentwicklung der eigenen E-Commerce-Software.

Top 10 der Softwareunternehmen nach Umsatz 2013

  • Salesforce.com

    Umsatz: 3,8 Milliarden Dollar

    Wachstum: 33,3 Prozent (gegenüber dem Vorjahr)

    Quelle: Gartner, März 2014

  • CA Technologies

    Umsatz: 4,2 Milliarden Dollar

    Wachstum: -2,6 Prozent

  • VMware

    Umsatz: 4,8 Milliarden Dollar

    Wachstum: 14,1 Prozent

  • HP

    Umsatz: 4,9 Milliarden Dollar

    Wachstum: -2,7 Prozent

  • EMC

    Umsatz: 5,6 Milliarden Dollar

    Wachstum: 4,9 Prozent

  • Symantec

    Umsatz: 6,4 Milliarden Dollar

    Wachstum: -0,8 Prozent

  • SAP

    Umsatz: 18,5 Milliarden Dollar

    Wachstum: 9,5 Prozent

  • IBM

    Umsatz: 29,1 Milliarden Dollar

    Wachstum: 1,4 Prozent

  • Oracle

    Umsatz: 29,6 Milliarden Dollar

    Wachstum: 3,4 Prozent

  • Microsoft

    Umsatz: 65,7 Milliarden Dollar

    Wachstum: 6,0 Prozent

Mittlerweile soll bei Intershop der Fokus aber wieder stärker auf dem Produktgeschäft liegen – das jedenfalls betonte das Unternehmen bei der heutigen Vorlage seiner Zahlen für das erste Halbjahr 2015: Zwar fiel in den ersten sechs Monaten der Umsatz um zwölf Prozent auf nunmehr 21 Millionen Euro. Bei den Software-Lizenzen – ein wichtiger Indikator bei Software-Firmen, die eigene Produkte verkaufen – wuchs der Umsatz dagegen laut Intershop „kräftig“, und zwar um 43 Prozent auf 3,4 Millionen Euro. Inklusive von Wartungsumsätzen erhöhte sich der Anteil des Produktgeschäfts am Gesamtumsatz von 26 auf 35 Prozent.

Ach ja, profitabel ist das Unternehmen weiterhin nicht – wie so oft in seiner nunmehr zwei Dekaden langen Geschichte. Immerhin gelang es Intershop, die Verluste von -4,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nunmehr -0,5 Millionen Euro zu reduzieren.

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„Die Entwicklungen im ersten Halbjahr machen Mut und bestärken uns darin, den Umbau von Intershop vom Serviceunternehmen zu einem ganzheitlichen Omni-Commerce-Lösungsanbieter weiter voranzutreiben“, lässt sich Intershop-Chef Jochen Moll in dem Geschäftsbericht zitieren.

Bleibt bloß die Frage, wie lange der Markt dem Unternehmen überhaupt noch Zeit für jenen Umbau einräumt – denn der Markt für E- und Mobile-Commerce-Lösungen ist stark umkämpft.

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