iPad, Kindle Fire und Playbook: Wer ist der lachende Dritte im Tablet-Krieg?

iPad, Kindle Fire und Playbook: Wer ist der lachende Dritte im Tablet-Krieg?

, aktualisiert 15. Dezember 2011, 17:25 Uhr
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Das iPad von Apple hat den Markt für Tablets begründet - und beherrscht diesen noch unangefochten.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Der Krieg um den Markt mit Tablet-Computern scheint entschieden: Apples iPad und Amazons Kindle Fire sind der Konkurrenz enteilt. Aber ein Großteil des Marktes ist noch nicht vergeben: Der Platz in der Mitte ist frei.

San FranciscoApple hat den Markt für Tablet-Rechner geschaffen, aber Amazon hat ihn revolutioniert. Der Einstieg des Web-Händlers mit seinem Kindle Fire für 199 Dollar hat zwei Dinge gezeigt. Erstens, es gibt Bedarf für günstige Rechner zum kleinen Preis. Und zweitens, die zwei Pole des Marktes sind nun besetzt. Apple dominiert den Premiumbereich und niemand ist in Sicht, der das ändern kann. Amazon hat sich den Billigmarkt gekrallt und hat momentan ebenfalls wenig Konkurrenz zu fürchten. Im kommenden Jahr wird es für deshalb für alle anderen Anbieter nur noch einen Platz geben, um den es sich lohnt zu kämpfen: die Mittelklasse um 300 bis 400 Dollar. Doch wie sollen diese Geräte aussehen und will sie überhaupt jemand?

Der frühe Ausstieg der Computerriesen HP und Dell aus dem Markt der beliebten Handflächencomputer mit Berührungsbildschirm war nur konsequent. Sie mussten erkennen, dass ihre Strategien nicht mehr aufgehen können und haben gehandelt. Tablets auf dem Technik-Niveau des Kindle-Fire, aber zum doppelten Preis, sind nicht mehr abzusetzen. Geräte – zumeist mit Android-Betriebssystem von Google - auf Preisniveaus des iPad haben ebenfalls kaum Chancen. Warum soll ich zur Kopie greifen, wenn ich das Original haben kann? Eine Lektion, wie sie grausamer auch Blackberry mit seinem Playbook nicht lernen konnte.

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Doch wie muss ein Konkurrent aussehen, um mehr verlangen zu können als ein Amazon-Billigrechner und wann ist es attraktiv genug, um ein iPad auszustechen? Wenn im Januar die Elektronikmesse CES in Las Vegas ihre Tore öffnet, wird sich alles um diese Frage drehen.

Die Antwort kann nur in der Offenheit der Systeme liegen. Perfekt abgestimmte Tablets, in der Hard- und Software ineinandergreifen und damit auch massiv die Wahlfreiheiten der Nutzer beschneiden, die haben wir jetzt. Wer das mag, der findet, was er sucht. Offene, PC-artige Tablets für den unabhängigen Nutzer, der sich nicht vorschreiben lassen will, welchen Shop er zu benutzen hat, die fehlen noch. Viele Kunden wären sicher bereit, dafür einen – angemessenen – Aufpreis zu zahlen.

Microsoft hätte mit einem offenen Windows 8 eine Chance gehabt - die aber offenbar schon verpasst. Während laut dem Marktforschungsinstitut Forrester Reseach im ersten Quartal 2011 noch 46 Prozent der potenziellen Käufer gerne auf ein Windows 8-Tablet gewartet hätten, waren es im dritten Quartal nur noch 25 Prozent. Wenn Microsoft nicht schnellstens handelt, ist das Rennen verloren.

Der Phoenix aus der Asche könnte dann tatsächlich das abgeschriebene webOS von Hewlett Packard sein, der Untote der Softwareindustrie. Es ist modern, internet-orientiert und wird als Open-Source-Software ein neues Leben beginnen. Das Beste: es ist deshalb weitgehend unbelastet von Limitierungen und Eigeninteressen des ehemaligen Herstellers. So weit ist der gar nicht mehr gekommen. Findet sich eine mutige Schar von Hardware-Herstellern, die attraktive webOS-Tablets auflegen und stürzen sich Entwickler auf die jetzt offene Plattform, ist der Champion des Mittelstands geboren.

Eine Chance liegt hier sogar für die Medienkonzerne in der Zwickmühle zwischen Apples iTunes und Amazons Kindle. Sie suchen Alternativen und müssten das junge Pflänzchen schon alleine aus Gründen des Selbstschutzes schnell und konsequent unterstützen. Eine dritte Kraft muss her und sie sollte offen sein für alle und jeden. Sonst droht das Duopol der Media-Plattformen aus den USA. Das sollte sich auch die nicht existierende europäische Tablet-Industrie überlegen – die letzte Chance für den Einstieg ist da, das Spielfeld ist bereitet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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