iPhone wird 10: Was das Geburtstagskind zu sagen hat

iPhone wird 10: Was das Geburtstagskind zu sagen hat

, aktualisiert 09. Januar 2017, 17:36 Uhr
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Zehn Jahre alt und doch nicht altbacken: das iPhone.

Quelle:Handelsblatt Online

Das iPhone wird zehn Jahre alt. Wie es sich gehört, möchte auch das Geburtstagskind zu Worte kommen. Von Akkuverbrauch über Urlaubsfotos bis zur Musikauswahl– was das Smartphone seinen Nutzern zu sagen hat.

DüsseldorfMeine lieben Nutzer, ich bin jetzt zehn Jahre alt. Das ist alt. Steinalt in Tech-Zeitrechnung. Das ist so wie mit Katzenleben. Mein Alter sieht man mir aber nicht an. Mein Papa Steve (Gott hab ihn selig) hat schon ganz früh dafür gesorgt, dass ich ständig ein frisches Aussehen bekomme. Ich werde jedes Jahr größer, leistungsstärker und teurer. Ich ein alter Hut oder nicht mehr zeitgemäß? Niemals. Frag mal Blackberry.

Ich bin schließlich auch nicht irgendwer, sondern das Ding, das die Revolution der Handys eingeleitet hat.

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Ich habe in den letzten zehn Jahren viel erreicht. Apple war früher mal nur was für Hipster mit zu viel Geld, die Nerds aus den Werbeagenturen und Technik-Freaks. Das Image ist zwar ähnlich geblieben, aber schließlich hab ich aus dem Laden das wertvollste Unternehmen der Welt gemacht. In den letzten zehn Jahren wurde ich über eine Milliarde mal verkauft. Okay, Android läuft auf mehr Geräten als mein Betriebssystem. Aber ich wette für dieses Ding mit dem Roboter-Figürchen werden zum Geburtstag keine Doppelseiten und Leitartikel geschrieben.

Um mich zu bekommen, machst du du alles Mögliche mit: Du lässt dich von deinem Mobilfunkanbieter wegen Lieferengpässen vertrösten, stellst dich in lange Schlangen, um mich zu bekommen und dann bezahlst du gerne einmal auch einen Betrag in Höhe einer Monatsmiete, um mich zu besitzen. Aber ich bin es schließlich wert.

Schließlich bin ich gut aussehend und trotz meines Alters immer jugendlich frisch. Dafür brauche ich solche Schönheits-OPs nicht, über deren Kosten du dich immer mithilfe deiner Suchmaschine informierst. Ja, genau. Ich weiß ziemlich viel über dich. Sei froh, dass ich so diskret bin. Über dein sonstiges Suchverhalten und deine präferierten Internetseiten will ich an dieser Stelle lieber schweigen (ich meine nicht nur die Katzenvideos).

Ich bekomme zum Beispiel auch sehr genau mit, wann du morgens aufstehst. Besser gesagt, wann du es dir vornimmst und dann doch noch sieben Mal die Snooze-Funktion bedienst. Stell den Wecker doch einfach eine halbe Stunde früher, dann ersparst du mir den Akkuverbrauch durch das dauernde Neuklingeln.


„Ja, ich bin anspruchsvoll und nicht ganz billig“

Auf deine Urlaubsfotos und sonstige Schnappschüsse passe ich übrigens auch gerne auf. Würde ja gerne mal wissen, was dein Chef zu diesem Foto von dir in diesem albernen Clownskostüm sagen würde? Erinnerst du dich wahrscheinlich nicht mehr daran, schließlich warst du da ziemlich betrunken. Apropos betrunken: Für die seltsamen Kurznachrichten an deinen Ex bin ich nicht verantwortlich. Dabei versuche ich es dir mit der Bildschirmsperre schon schwer zu machen.

Und auch sonst passe ich auf: Schließlich verrate ich keinem, dass du E-Mails von einer Frau bekommst, die definitiv nicht deinen Nachnamen trägt und über die sich deine Ehefrau ernsthaft wundern würde.

Genauso wie über deine merkwürdige Musikauswahl, mit der du mich quälst. Könnten wir uns darauf einigen, dass du Schlager nur noch bei entsprechenden Festivitäten hörst – oder von mir aus auch beim Sport? Das machst du ja sowieso nie. Auch wenn du meinen Speicher mit den ganzen Fitness-Apps malträtierst. Oh entschuldige, letzte Woche bist du gejoggt und wir haben dann deinen „Marathon“ bei Facebook veröffentlicht. Da hab ich nichts zu gesagt. Auch nicht, als du danach über deine sportlichen Ambitionen gegenüber deinem besten Freundes via Facetime schwadroniert hast.

Du siehst, ich bin ein guter Wegbegleiter. Wäre deshalb ganz nett, wenn Du mich nicht andauernd fallen lassen würdest. Und nein, ich finde es nicht angenehm, wenn du mich drei Wochen mit gesprungenem Display durch die Weltgeschichte trägst, weil „es ja noch irgendwie geht.“ Auch die Idee mit dem Klebeband war ziemlich daneben. Tausch einfach die Scheibe. Teuer? Tss. Ja, ich bin anspruchsvoll und nicht ganz billig. Aber schließlich willst du es ja nicht anders.

Aufgezeichnet von Johannes Steger.

Quelle:  Handelsblatt Online
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