Jahresbilanz: Vodafone spart bis zum Umfallen

Jahresbilanz: Vodafone spart bis zum Umfallen

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Der Pro-Kopf-Umsatz pro Mitarbeiter liegt bei der Deutschen Telekom bei gut 220.000 Euro, dagegen erwirtschaftet jeder deutsche Vodafone-Mitarbeiter den Pro-Kopf-Spitzenwert von rund 800.000 Euro.

von Jürgen Berke

Wer sich die Jahresbilanz des Mobilfunkers näher anschaut, reibt sich verwundert die Augen. Weltweit sanken die Umsätze um 4,2 Prozent auf 44,4 Milliarden britische Pfund. Verantwortlich dafür sind die zum Teil drastischen Einbußen im Süden und Osten Europas. Aber ein Land trotzt der Krise im Euro-Raum: Deutschland.

Der Gesamtumsatz stieg leicht um ein Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Und mit einem operativen Gewinn (Ebitda) von 3,4 Milliarden Euro steuert die deutsche Tochter mehr als jede andere Landesgesellschaft zum Wohlergehen von Vodafone bei. Die Gewinnmarge beträgt 34,8 Prozent und liegt damit weit über den von Konzernchef Vittorio Colao verkündeten Vodafone-Durchschnitt von 29,9 Prozent. Und Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum vollbrachte sogar das Kunststück, mit rund vier Millionen Mobilfunkkunden weniger als die Deutsche Telekom den Erzrivalen beim Mobilfunkumsatz zu überholen.

Ab in die Billiglohnländer

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Kaum noch nachvollziehbar sind aber für viele Vodafone-Mitarbeiter die Pläne der deutschen Geschäftsführung, die operativen Kosten in den kommenden Monaten noch stärker zu kappen. Schulte-Bockum will offenbar im laufenden Geschäftsjahr trotz der tollen Marge noch mehr Milliarden an die Londoner Konzernzentrale überweisen – und diskutiert gerade mit den Sozialpartnern die Auflage weiterer Sparprogramme. Dabei spielt die Verlagerung in Billiglohnländer eine wichtige Rolle. Teile der Informationstechnologie wandern nach Indien, Teile des Mobilfunknetzes werden bereits von Rumänien aus überwacht und die ersten Callcenter-Dienste für deutsche Kunden werden bereits in Ägypten erbracht. In diesen Ländern ist Vodafone mit eigenen Tochtergesellschaften aktiv, die ihre Kostenvorteile stärker als in der Vergangenheit dem gesamten Konzern anbieten und diese Aufgaben nun auch übertragen bekommen.

Es geht kaum rentabler

In Deutschland droht Vodafone dem Betriebsrat damit, mehr als bisher selbst betriebene Bereiche an Geschäftspartner auslagern. "Bedingt durch die schwierige wirtschaftliche Lage in Südosteuropa schwimmt der Konzern nicht gerade in Geld", kündigte Schulte-Bockum kürzlich im Interview mit der Mitarbeiterzeitung weitere Sparrunden in den kommenden zwei Jahren an. So will Vodafone durch eine neue Service-Gesellschaft die Einstiegsgehälter für Callcenter-Agenten absenken. "Wir haben uns mit der Gehaltsentwicklung in der Kundenbetreuung über die Jahre immer weiter vom Marktniveau entfernt."

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Doch die Verhandlungen mit den Betriebsräten sind so festgefahren, dass nun die Auslagerung wieder auf die Tagesordnung kommt. Ein nagelneues Callcenter am fertiggestellten neuen Düsseldorfer Hauptquartier wird bereits von einem externen Partner betrieben.

Wie schlank Vodafone bereits heute aufgestellt ist, zeigt ein Vergleich mit der Deutsche Telekom. Während beim Ex-Monopolisten der Pro-Kopf-Umsatz pro Mitarbeiter bei gut 220.000 Euro seit Jahren mehr oder weniger stagniert, erwirtschaftet jeder deutsche Vodafone-Mitarbeiter den Pro-Kopf-Spitzenwert von rund 800.000 Euro. Rentabler lässt sich ein Telekommunikationsunternehmen kaum führen.

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