Jens Schulte-Bockum: "Rennen eröffnet"

InterviewJens Schulte-Bockum: "Rennen eröffnet"

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Jens Schulte-Bockum

von Jürgen Berke und Peter Steinkirchner

Jens Schulte-Bockum Wie der Vodafone-Chef mit Kabel Deutschland die Deutsche Telekom vom Thron stoßen will.

WirtschaftsWoche: Herr Schulte-Bockum, vor knapp einem Jahr haben Sie Friedrich Joussen an der Spitze von Vodafone Deutschland abgelöst. Warum geht es seitdem so bergab mit Vodafone?

Schulte-Bockum: Es geht nicht bergab.

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Widerspruch: Unter Joussen hatte Vodafone die Marktführerschaft im Mobilfunk zurückgewonnen. Heute hinken Sie deutlich der Deutschen Telekom hinterher. Was haben Sie falsch gemacht?

50 Millionen Abstand bei einem Umsatz von neun Milliarden Euro sind eher eine Nuance. Wir liefern uns mit den Bonnern seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mal liegt der eine vorn, mal der andere. Ich sehe das sportlich und als Ansporn.

Aufbruch nach Amtsantritt sieht aber anders aus.

Wieso? Es war meine Pflicht, mit meinen Kollegen aus der Geschäftsführung zunächst die Situation des Unternehmens nüchtern zu analysieren, um dann die strategisch richtigen Weichenstellungen vorzunehmen. Genau das habe ich getan. Der geplante Kauf von Kabel Deutschland, die neue Festnetz-Strategie, steigende Investitionen für die größte Netzmodernisierung unserer Geschichte und die Service-Offensive sprechen eine klare Sprache. Das zahlt sich langfristig aus. Ich bin ja nicht in erster Linie angetreten, um kurzfristige Quartalsergebnisse zu managen.

Das ist schön gesagt. Seit dem 1. Oktober 2012, Ihrem ersten Arbeitstag als Deutschland-Chef, hat Vodafone hierzulande 2,8 Millionen Kunden verloren. Das ist ein regelrechter Einbruch im Vergleich zu Ihren drei Konkurrenten, die zulegten.

Da lohnt ein differenzierterer Blick. Auch hier geht es mir um Transparenz. Ich kann nicht kommentieren, wie unsere Wettbewerber ihre Kunden zählen. Aber wir haben in den vergangenen Monaten sehr viele inaktive Prepaid-Kunden aussortiert. Das heißt: Den Löwenanteil unserer Kunden haben wir nicht verloren, sondern die Statistik um Karteileichen bereinigt. Richtig ist aber auch: In den ersten beiden Quartalen nach meinem Amtsantritt war auch die Zahl der aktiven Kunden rückläufig. Im vergangenen Quartal konnten wir die Zahl aber wieder leicht steigern.

In welcher Größenordnung?

Überschaubar, aber der Trend stimmt.

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Warum gingen Kunden von der Stange?

Die kleinen Mobilfunkanbieter treten seit April 2012 mit Pauschaltarifen für alle Netze, die sogenannten Allnet-Flatrates, sehr aggressiv auf. Dadurch sind die Preise im Mobilfunkmarkt um 40 Prozent gesunken – mit dem Ergebnis, dass gerade die, die den Markt destabilisiert haben, zwar mehr Kunden verzeichnen, aber sich zugleich über sinkende Umsätze beklagen müssen. Gleichzeitig hat die Deutsche Telekom 400 Millionen Euro zusätzlich für die Neukundengewinnung in den Markt geworfen und ein Provisions- und Subventionsrennen eröffnet.

Das heißt, die Telekom hat die Provisionen für Vertriebspartner sowie die Subventionen für Geräte drastisch erhöht.

Ja, mit dem Effekt, dass Händler die Preise für Smartphones stark senken konnten. Wir haben überlegt, ob wir mitziehen. In einigen Bereichen haben wir das getan. Aber uns ist wichtiger, das Geld in nachhaltige Projekte zu investieren. So haben wir die Investitionen in den Netzausbau um 25 bis 30 Prozent gesteigert. Statt einer Milliarde Euro, wie in früheren Jahren, waren es im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro. In diesem Jahr planen wir mit einem ähnlich hohen Budget. Wir setzen darauf, dass die Deutsche Telekom die Provisionen zurückschrauben und der Markt sich beruhigen wird. Im Moment wachsen wir in allen Marktsegmenten, also sowohl bei Privat- als auch bei Geschäftskunden.

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