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Kabelfernsehen: ARD und ZDF kündigen Verträge mit Kabelnetzbetreibern

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten wollen zukünftig nicht mehr für die Einspeisung ihrer Programme bezahlen. Die Gebühr sei „historisch überholt“ und „nicht mehr marktgerecht“.

ARD und ZDF wollen an die Kabelnetzbetreiber in Zukunft keine Gebühr mehr für die Einspeisung ihrer Programme bezahlen. Quelle: Pressebild
ARD und ZDF wollen an die Kabelnetzbetreiber in Zukunft keine Gebühr mehr für die Einspeisung ihrer Programme bezahlen. Quelle: Pressebild

ARD und ZDF haben die Einspeiseverträge mit den Kabelnetzbetreibern KDG, Unitymedia und KabelBW gekündigt. Die ARD trete zum Ende des Jahres von den Verträgen zurück, teilte die Intendantin des MDR, Karola Wille, mit. Das ZDF schloss sich dem an.

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Die öffentlich-rechtlichen Sendergruppen wollen kein Geld mehr dafür zahlen, dass die hochprofitablen Kabelnetzbetreiber ihre TV-Programme weiterverbreiten - insgesamt kostet das 60 Millionen Euro pro Jahr. Zur Begründung erläuterte Wille, die Zahlung so genannter Einspeiseentgelte an die Kabelnetzbetreiber sei historisch begründet gewesen und stamme aus der Zeit, als die ehemalige Bundespost die Kabelinfrastruktur mit Unterstützung der Programmveranstalter aufgebaut habe.

Spätestens mit der Übernahme der Kabelnetze durch Finanzinvestoren und der Beendigung der analogen Rundfunkverbreitung in Deutschland hätten sich die Rahmenbedingungen entscheidend geändert. „Die Kabelnetzbetreiber erhalten von uns werthaltige Programme und können ihren Kabelanschluss erst dadurch sehr erfolgreich vermarkten“, so Wille. Die Netzbetreiber dafür aus den Gebührentöpfen der Rundfunkanstalten zu bezahlen sei „nicht mehr marktgerecht“.

Ähnlich begründete ZDF-Intendant Thomas Bellut die Kündigung: „Die Einspeisegebühr ist historisch überholt. Es ist nicht mehr zu rechtfertigen, dass Gebühren an Unternehmen gezahlt werden, die mit der Vermarktung unserer Programme gutes Geld verdienen."

Doppel-Zahlung für die Netzbetreiber

Kabelkunden müssen nun aber nicht fürchten, dass ARD und ZDF sowie Arte von der Mattscheibe verschwinden. „Wir hoffen, auf dem Verhandlungswege eine Lösung erreichen“, sagte eine Sprecherin von Kabel Deutschland. Manager des Branchenführers hatten Mitte des Monats gesagt, dass die Gespräche sich hinziehen könnten - notfalls auch bis zum Silvesterabend. Der Münchner Konzern kassiert von ARD und ZDF für die Einspeisung jährlich 27 Millionen Euro.

Der Rundfunkstaatsvertrag sichert über eine sogenannte „must carry“-Regel zu, das die wesentlichen Angebote von ARD und ZDF über Kabel verbreitet werden müssen. Das gilt zumindest für die Hauptprogramme, allerdings könnte es bei einigen Dritten Programmen der ARD oder für die digitalen Spartensender beider Anstalten Probleme geben. Betroffen sind mehrere Millionen Haushalte, die ihre Angebote von Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW erhalten. Eine genaue Zahl ist schwer zu ermitteln.

Überraschend kommt die Kündigung der beiden TV-Gruppen nicht. Die Sender erklärten bereits Anfang des Jahres, dass sie sich die Einspeiseentgelte sparen wollen. Ziel ist, die Fernsehgebühren ab 2013 für drei Jahre stabil bei 18 Euro zu halten. Mit der Gebühren-Absage von ARD und ZDF steht für die Kabel-Unternehmen ein besonderes Geschäftsmodell auf dem Spiel.

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Anders als im Ausland kassieren sie für die TV-Programme doppelt ab: Alle Fernsehstationen, also auch RTL, ProSieben und Sky zahlen dafür, dass ihre Filme und Shows bei den Zuschauern ankommen. Gleichzeitig müssen die Kabelfernseh-Abonnenten für den Empfang eine Monatsgebühr berappen. Ursprünglich wurde das Modell gewählt, um den Aufbau des Kabelnetzes vor Jahrzehnten durch die Bundespost zu beschleunigen.

Die Kabelnetzbetreiber verteidigen die Doppel-Zahlung mit dem Argument, dass sie hohe Summen in das Netz investieren müssten - und dennoch die Kabelgebühr für die Bundesbürger niedrig halten wollten. Kabel Deutschland versorgt in 13 Bundesländern 8,7 Millionen Kunden mit Fernsehen. Die zum Liberty-Global-Konzern gehörenden Rivalen Unitymedia und Kabel BW sind in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg aktiv.

Mit Material von dpa, dapd und Reuters

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.06.2012, 10:41 UhrLuetzowerJaeger

    Als Verkabelter hätte ich nichts dagegen, wenn ARD und ZDF aus dem Kabelangebot verschwänden. Die staatstragenden Propagandakanäle mit ihren verlogenen Politmagazinen sind so nötig wie der berühmte Kropf. Längst bin ich auf ausländische Nachrichtensender angewiesen, um mir ein Bild von unserer Welt von heute zu machen. Sollten die Kabel ARD und ZDF nicht mehr übertragen, will ich von der GEZ befreit werden.

  • 26.06.2012, 09:19 UhrHoffen-auf-Kartellamt

    Die Arroganz unkontrollierter Macht lässt sich nicht deutlicher demonstrieren als durch das offene Kartell von ARD & ZDF, welche auf Basis ihrer Einspeisegarantie skrupellos die Zeche prellen während jeder, der dieses System ablehnt als "Schwarzseher" kriminalisiert wird.

    Dabei haben schon RegTP und die Bundesnetzagentur mehrfach bestätigt, dass von den Sendern eine technische Dienst-Leistung gem. TKG in Anspruch genommen wird:
    "Bei den Einspeiseentgelten, welche die Betroffene von den Programmveranstaltern erhebt, handelt es sich um Entgelte für Telekommunikationsdienstleistungen als einem gewerblichen Angebot von Telekommunikation für Dritte im Sinne von § 3 Nr. 19 TKG. […] Insoweit handelt es sich nicht um Rundfunk, da die geschuldete Leistung bei der Einspeisung lediglich in der Signalverarbeitung und dem -transport besteht, also in bezug auf den Rundfunk als quasi neutrale technische Hilfsleistung anzusehen ist."
    "[Es ist nicht] zu beanstanden, daß die Betroffene für die Einspeisung überhaupt Entgelte erhebt. Nach Auffassung der Beschlußkammer unterliegt es keinem Zweifel, daß der Einspeisung eine Leistung der Betroffenen bzw. ihrer Tochter zugrunde liegt, für welche sie ein Entgelt beanspruchen kann."
    (Beschluss der RegTP vom 26. März 1999, ZUM-RD 1999, 291, 298, 302)

    Schon lange wird diese Kartell-Macht der ÖR Anstalten gegenüber kleinen Marktteilnehmern ausgenutzt in dem Entgelte verweigert, Produzenten an die Wand gedrückt und Ideen „weiterentwickelt“ (also geklaut!) werden. Man kann wirklich nur hoffen, dass sie sich diesmal mit Gegnern angelegt haben, die sich zu wehren wissen.

  • 26.06.2012, 05:33 Uhrxyz

    die öffentlich -rechtlichen Sender haben einen Versorgungsauftrag - auslaufene GEZ hin oder her. Dieser muss eingehalten werden, bisher haben nur wenige Haushalte DVBT-Antennen. Ich seh nicht ein nachher doppelt zahlen zu müssen - über den Vermieter zwangsvertrag mit Kabel DE im monatlichen Mietpreis drin. Und dann soll ich noch Geld in die Hand nehmen und ein DVBT Ding kaufen.

    ich hab kein Interesse am Privatfernsehen und deren Tittytainment.
    Ich will anständige Programme wie ARTE und 3Sat und Monitor sehen.

    wenn die letzten Dokumentarfilme, der Weltspiegel und (die restlichen kritischen) Politmagazine vom Bildschirm verschwinden werden, werdet ihr merken, dass ihr nur noch verblödet werdet.

    Dann aber ist es schon zu spät.

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