Kapital schlägt Kreativität: Wie sich das Silicon Valley verwandelt

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Kapital schlägt Kreativität: Wie sich das Silicon Valley verwandelt

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Das Silicon Valley zwischen Innovation und Gentrifizierung, Start-ups und Unternehmen mit "oo".

von Miriam Meckel

Amerikas Digitalkonzerne wollten das Tor zur Zukunft öffnen. Langsam aber weicht die Kreativität des Aufbruchs der Konformität betriebswirtschaftlichen Erfolgs. Eine Reise durch eine Branche, die gerade gentrifiziert wird.

Steve Grove, Direktor des Google News Lab, erklärt dem Publikum auf dem Google Campus in einem Halbkreis aus Sesseln in Google-Farben die neue Welt. Die, da ist sich Grove sicher, wird dank AMP noch einfacher und schneller. AMP steht für: Accelerated Mobile Pages, eine neue offene Software, mit der Internetseiten auf dem Smartphone schneller geladen werden. Man hat ja keine Zeit, auch keine Sekunden, um zu warten. Alles muss schnell gehen.

Ein quietschendes Geräusch durchbricht die Konzentration der Präsentation. Irgendwo hinter der Bühne saugt jemand Staub. Grove pausiert, setzt dann wieder an. Gegen das Sauggeräusch ist kein Anreden. Er geht zu der Seitentür, aus deren Ritzen der Lärm hervorquillt und ruft: „Hey, wir haben hier ein Meeting.“ Der Sauger bleibt hörbar unbeeindruckt. Wertvolle Minuten vergehen. Irgendwann muss der ja mal fertig werden.

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Das Silicon Valley ist eine saubere Welt voller sauberer Produkte. Nichts rußt, nichts schmutzt. Alles glänzt. So sauber, dass die Wirklichkeit, in die viele der fleißigen Internetarbeiter abends zurückkehren, wie ein Drecksloch scheint. In den Straßen von San Francisco fliegen längst nicht mehr Michael Douglas und Karl Malden mit ihrem goldenen Ford Galaxie 500 über die Hügelkuppen. Dort kippen die aus der Kurve, die plötzlich nicht mehr zum Traum der Netzzukunft gehören. Morgens auf dem Weg zum Zug, der einen ins Valley bringt, liegen die Obdachlosen auf der Straße. Nicht irgendwie versteckt in einem Hauseingang, sondern mitten auf dem Gehweg.

Ein bizarres Bild: Geschäftsleute, in der Hand den Starbucks-Becher, stehen auf dem Bürgersteig und sprechen über den nächsten Deal, während neben ihnen ein Mensch am Boden liegt, das Gesicht in den Asphalt gedrückt. Die kurze Zuckung der Irritation, „ist der tot?“, verfliegt schnell: Wenn das sonst niemanden kümmert, schläft er wahrscheinlich nur.

An der Westküste der USA verändert sich nicht nur eine Stadt, die mal für Liberalität, Hippies und das gute Leben für alle stand. Es verändert sich eine Branche und alles, was mit ihr zu tun hat. Die Gentrifizierung hat das Silicon Valley im Griff.

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Der erste deutsche Nachkriegs-Hochseedampfer, die Wappen von Hamburg, erwacht zu neuem Leben – als Gründerschiff vor San Francisco.

Die Wellen der Nordsee brechen sich vor dem Strand von Helgoland (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa

Einfach gesagt, beschreibt der Begriff, wie sich ein Stadtteil, eine ganze Region durch den Zuzug von vermögenderen Menschen verwandelt. Je mehr Wohlhabende kommen, desto mehr ärmere Kreative ziehen weg. Die Sozialstruktur des Stadtteils verändert sich, der Immobilienmarkt zieht an. Irgendwann entsteht ein teures Pflaster für die Etablierten. Meistens ist das der Anfang vom Ende der Coolness. Wo die leben, die es geschafft haben, ist nicht mehr Aufbruch, da ist Bestandssicherung, Stillstand. So schafft Gentrifizierung nicht nur ein soziales Problem, sondern auch ein wirtschaftliches.

Die Regeln des Erfolgs

Das Silicon Valley war lange Jahre das glänzend polierte Messingschild am Eingang zur Zukunft der Menschheit. Wer es durch dieses Tor geschafft hatte, war Teil einer digitalen Elite, die der Welt aus dem Landstrich an der Westküste der USA heraus vormachte, wie Erfolg buchstabiert wird. „Google, Facebook, der Erfolg hat eigentlich immer zwei ,oo‘ im Namen“, sagt Torsten Kolind, Gründer einer Wettbewerbsplattform für Start-ups mit Namen Younoodle. Das Unternehmen überprüft jedes Jahr Tausende von Start-ups auf ihr Potenzial. Es gehe beim Vernetzen – oder Vernudeln – immer um zwei Dinge, so Kolind: „Die richtige Auswahl und die richtige Finanzierung.“ Das klingt leicht, aber genau um diese beiden tobt im Silicon Valley ein harter Kampf.

Es läuft nicht mehr so gut zwischen der Tech-Elite im Valley und San Francisco. Was einst eine große Liebe war, ist merklich abgekühlt. Ein Plus von 10.000 Menschen verzeichnet San Francisco Jahr für Jahr. Irgendwo müssen die wohnen. Das weiß der Markt und bietet das Einzimmerapartment für 3500 Dollar im Monat. Man kann nirgends in den USA teurer wohnen. Deshalb kann manch einer gar nicht mehr wohnen.

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