Katastrophale Bilanz: Ist Vodafone jetzt ganz unten angekommen?

KommentarKatastrophale Bilanz: Ist Vodafone jetzt ganz unten angekommen?

von Jürgen Berke

Vodafone legt die schlechteste Bilanz in seiner 25-jährigen Geschichte vor. Die wenigen Lichtblicke verkauft Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum als „positiven Trend“.

Jens Schulte-Bockum ist ein Meister des Schönredens. Vodafones neuer Deutschland-Chef hat offensichtlich mit der Lupe gesucht und in den heute vorgelegten Geschäftszahlen tatsächlich etwas Positives gefunden. „Die zweite Jahreshälfte und vor allem das vierte Quartal zeigen einen positiven Trend“, kommentiert er die heute veröffentlichte Bilanz für das am 31. März 2014 abgelaufene Geschäftsjahr 2013/2014. Die Talsohle sei  durchschritten.

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Die Wahrheit sieht allerdings anders aus – und sie ist für den angeschlagenen Nachfolger von Friedrich Joussen äußerst bitter. Von einer Trendwende kann eigentlich keine Rede sein. Der Abstand zum Marktführer Deutsche Telekom ist noch größer geworden. Schlimmer noch: Insbesondere das Mobilfunkgeschäft, das Flaggschiff des britischen Mobilfunkriesen, steckt in einer tiefen Krise. Es braucht offensichtlich länger, um mit Milliardeninvestitionen in die Netz- und Servicequalität das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Aktuelle Geschäftsentwicklung von Vodafone Deutschland

  • Gesamtumsatz

    Kalenderjahr 2012: 9,7 Mrd. Euro

    Kalenderjahr 2013: 9,1 Mrd. Euro

    Defizit: -6,4%

    Quelle: Unternehmensangaben

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

  • Umsatz im Mobilfunk

    Kalenderjahr 2012: 6,9Mrd. Euro

    Kalenderjahr 2013: 6,5 Mrd. Euro

    Defizit: -6,0%

    Quelle: Unternehmensangaben

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

  • Mobilfunkkunden

    Kalenderjahr 2012: 33,9 Mio.

    Kalenderjahr 2013: 32,3 Mio.

    Defizit: -4,8%

    Quelle: Unternehmensangaben

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

  • Festnetzkunden

    Kalenderjahr 2012: 3,2 Mio.

    Kalenderjahr 2013: 3,0 Mio

    Defizit: -7,2%

    Quelle: Unternehmensangaben

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

  • Operativer Gewinn

    1. Halbjahr 2012: 1,7 Mrd. Euro

    1. Halbjahr 2013: 1,5 Mrd. Euro

    Defizit: -12,6%

    Quelle: Unternehmensangaben

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

  • Anteil der Kunden, die Vodafone weiterempfehlen

    Oktober 2012: 19%

    Februar 2014: 12%

    Defizit: -36,2%

    Quelle: Unternehmensangaben

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

  • Beliebteste Marke

    Kalenderjahr 2012: 29%

    Kalenderjahr 2013: 12%

    Defizit: -58,6%

    Quelle: Yougov

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

  • Netzqualität

    Kalenderjahr 2012: 397 Punkte

    Kalenderjahr 2013: 383 Punkte

    Defizit: -3,5%

    Netztest der Fachzeitschrift "Connect" (in Punkten von 500 möglichen)

    Quelle: Unternehmensangaben

    Zahlen gerundet, Abweichungen möglich

Ein Blick auf die wichtigsten Kennzahlen verrät, wie tief Vodafone gesunken ist. Denn der heftige Preiskampf auf dem deutschen Mobilfunkmarkt hat Vodafone härter getroffen als die drei Konkurrenten. Branchenweit sind die Serviceumsätze im Mobilfunkgeschäft im gerade abgelaufenen Quartal im Vergleich zum Vorjahr um rund 100 Millionen Euro auf nur noch 4,6 Milliarden Euro gesunken. Dieser negative Branchentrend zeichnet sich bereits seit einigen Quartalen ab.

Riesige Einnahmelücke

Das Bemerkenswerte ist aber: Dieser Rückgang geht allein auf das Konto von Vodafone. Die Deutsche Telekom kann ihre Serviceumsätze im  Mobilfunk stabilisieren. Und auch bei der kurz vor der Fusion stehenden Telefónica-/E-Plus-Gruppe kompensieren sich Umsatzverluste und –gewinne genau so, dass beide Unternehmen gemeinsam den Vorjahreswert erreichen.

Der Grund: Während die Telekom den Preisverfall durch ein Nettoplus von 520.000 Mobilfunkkunden auffangen kann, kommt Vodafone auf einen vergleichsweise mageren Zugewinn von rund 50.000 Kunden – zu wenig, um die Einnahmelücke zu schließen.

Zu wenig Kunden nutzen Internet per Smartphone

Erstaunlich ist auch eine zweite Zahl, die heute nur in einem Nebensatz erwähnt wurde. Derzeit nutzen lediglich 43,7 Prozent aller Vodafone-Kunden ein internetfähiges Smartphones. Bei der Telekom liegt diese Quote schon bei 68 Prozent. Ein Grund: Erst drei Millionen Kunden nutzen das von Vodafone für das Smartphone-Zeitalter konzipierte Flatrate-Modell mit den Tarifen von „Vodafone Red“. Das sind weniger als zehn Prozent aller 32,3 Millionen Kunden.

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Ausgerechnet das erste Tarifmodell, das in enger Abstimmung mit der britischen Konzernzentrale entstand, könnte als Flop in die Vodafone-Geschichte eingehen. Hohe Tarife lassen sich nur rechtfertigen, wenn Vodafone seinem Anspruch als Premium-Anbieter gerecht wird.

Die miserable Netz- und Servicequalität im vergangenen Jahr hat Vodafones Ruf so nachhaltig geschädigt, dass Schulte-Bockum erst ab 2015 wieder mit Umsatzsteigerungen rechnet. Dann will er wieder auf Augenhöhe mit der Telekom konkurrieren. Für das laufende Geschäftsjahr hat er sich nur vorgenommen, nicht ganz so stark abzustürzen wie im vergangenen Jahr. Ein Minus-Jahr bleibt es trotzdem.

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