Kevin Roberts: "Facebook gibt es nur noch drei Jahre"

ThemaSocial Media

exklusivKevin Roberts: "Facebook gibt es nur noch drei Jahre"

Bild vergrößern

Nach Meinung von Saatchi & Saatchi-Chef Kevin Roberts, droht Facebook in den nächsten Jahren zu versinken und von anderen Netzwerken abgelöst zu werden.

von Peter Steinkirchner

Kevin Roberts voraus, Chef des Werbeagenturriesen Saatchi & Saatchi, sagt das baldige Ende des weltgrößten sozialen Netzwerks Facebook voraus. Gerade mal drei Jahre gibt Roberts der Plattform noch.

"Ich glaube, dass es Facebook in drei Jahren nicht mehr geben wird", sagte Kevin Roberts im Interview mit der WirtschaftsWoche. "Meine Kinder sind zwar noch auf Facebook, aber sie nutzen längst schon zwei, drei weitere Netzwerke, weil ihnen Facebook zu konservativ ist. Wer geht schon gern in dieselbe Bar wie sein eigener Vater?"

Auch bei Google sieht Roberts längst Gewitterwolken aufziehen. Google versuche, auch die Funktion von Werbeagenturen zu übernehmen und werbe auch kreative Köpfe von Saatchi & Saatchi ab. "Aber sie haben zu wenig Emotionalität, also EQ. Ich habe mich mit Google-Leuten in New York unterhalten, dort rennen jede Menge Computerfreaks herum. Die haben hohe technische Intelligenz, TQ, aber wenig Gefühl, EQ."

Anzeige

Man brauche eine Balance aus TQ, EQ, Intelligenz und Schnelligkeit. "Man muss diese Balance aus allen vier Eigenschaften hinbekommen, sonst hat man keinen nachhaltigen Erfolg. Vielleicht gibt es Google deshalb ja in drei Jahren gar nicht mehr."

Facebook in Zahlen

  • Transparenz dank Börsengang

    Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

  • Schon früh profitabel

    In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

  • Werbung als wichtigste Geldquelle

    Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

  • Beispielloses Wachstum

    Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

  • Zuckerberg hat die Kontrolle

    Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

  • Dominant in aller Welt

    Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

  • Keine Chance für StudiVZ

    Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Werbeagenturen gelinge es als einzigen, die Kultur für Ideen zu schaffen, die "Menschen berühren und sie mit Produkten eins werden lassen". Das gelinge Google nicht. "Ideen sind fragile Gebilde. Sie werden schnell getötet. Um eine Kultur zu schaffen, in der sie gedeihen können, müssen Sie Ihren Mitarbeitern vier Dinge bieten: Responsibility, Learning, Recognition, Joy – also Verantwortung, Weiterbildung, Anerkennung und Freude. Das schafft Google nicht."

Roberts sieht seinen deutschen Ableger auf gutem Weg, wieder unter die Top 5 der Kreativagenturen zu kommen. "In Deutschland, wo Christian Rätsch seit einem Jahr das Geschäft verantwortet, haben wir das beste Jahr unserer Geschichte, wir gewinnen hier sehr viele gute Kunden und verlieren keine", lobt Roberts im Interview mit der WirtschaftsWoche. "Kreativ klappt es so gut, dass ich damit rechne, dass Saatchi & Saatchi im kommenden Jahr wieder unter den Top Fünf der kreativsten deutschen Agenturen landet."

Auch in anderen Ländern Europa entwickle sich die Agentur gut. "In England läuft es sehr gut", so Roberts. "Unser Italien-Ableger ist vermutlich der erfolgreichste im gesamten Netzwerk. Aber in Frankreich und Spanien, da hakt es, zu einem wichtigen Teil wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds."

Anzeige

3 Kommentare zu Kevin Roberts: "Facebook gibt es nur noch drei Jahre"

  • Einerseits hat der Mann Recht: ohne Kultur, ohne Spirit, ohne Story werden Firmen - gerade, wenn sie so massiv von der öffentlichen Wahrnehmung abhängen - über kurz oder lang Probleme bekommen. Was die Kultur betrifft, hatte wiwo.de Anfang des Jahres mal einen sehr guten Artikel ("Gute Vorsätze sind schlechte Strategien").

    Andererseits: hier wird ein Stück weit der Eindruck erweckt, die Werbung müsse diese Emotionalität herstellen. Gut, wer selber in der Branche ist, muss das vielleicht behaupten. In meinem Verständnis kann Werbung aber keine Idee aufpfropfen- das Ergebnis nennt man Affektiertheit. Werbung kann die Idee höchstens zuspitzen/auf den Punkt bringen/übersetzen. Ich finde, die Basis eines guten Image kommt von Innen heraus (etwas ausführlicher unter wirkt.de "Image von Unternehmen). Wobei man sich freilich helfen lassen kann, das zu entwickeln...

  • Was hat Facebook und Google mit einer Werbeagentur zu tun? Kapier ich nicht.

  • Dass Facebook aber auch anders kann bzw. anders genutzt werden kann, zeigen Projekte wie Zwirbler & Co. In dem Fall ein Roman, der seit nun über 4 Jahren gemeinsam mit den Facebookfans geschrieben wird. Facebook selber bietet also sehr wohl den Raum für Stories, Storytelling und gute Ideen.

    Allerdings verlässt der Roman für sein Finale auch das social media und soll ordentlich publiziert werden, wie man hier lesen kann https://www.startnext.de/zwirbler
    Ob der Roman damit das sinkende Schiff verlässt oder aber einfach nur das Medium "Facebook" verlassen will, bleibt offen.
    In jedem Fall zeigen Ideen wie Zwirbler, dass es die Möglichkeiten sehr wohl gibt.

Alle Kommentare lesen
Unternehmer stellen sich vor
WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: Rödl & Partner
  • Branchenführer: Hogan Lovells
  • Branchenführer: Luther Rechtsanwaltgesellschaft
WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%