Kleine Geschenke: Zalando nimmt Millionen und gibt Gutscheine

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Kleine Geschenke: Zalando nimmt Millionen und gibt Gutscheine

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Das Zalando-Logistik-Zentrum in Erfurt erhält Subventionen.

von Henryk Hielscher

Der Web-Shop Zalando ist einer der größten Subventionsempfänger im Handel. Millionen haben Bund und Länder in den Händler gesteckt. Der beschenkt seinerseits zum Beispiel Blogger - für Reichweite und Aufmerksamkeit.

Es war ein Termin nach dem Geschmack von Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig. Als im Dezember 2011 der Grundstein des neuen Zalando-Logistikzentrums in der Landeshauptstadt Erfurt gelegt wurde, jubelte der SPD-Politiker: „Die Ansiedlung zeigt erneut: Thüringen ist hochattraktiv für Investoren.“

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Logistikzentrum von Zalando Quelle: dpa

Die Attraktivität Thüringens kam nicht von ungefähr. Der Freistaat stellte für die Ansiedlung Zalandos 22,4 Millionen Euro Fördermittel bereit. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche und des ZDF-Magazins „Frontal21“ sind die Thüringer Subventionen zwar die höchsten, aber nicht die einzigen Steuergelder für den Berliner Online-Modehändler. So genehmigte das Land Brandenburg laut Wirtschaftsministerium 2,5 Millionen Euro für ein Logistikzentrum in Brieselang im Havelland. Die Hauptstadt Berlin stellte 2010 bis 2013 Investitionszuschüsse und Projektförderungen von 10,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das geht aus einer Abfrage der Berliner Zuwendungsdatenbank hervor.

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Auf stolze 35 Millionen Euro beläuft sich die Gesamtsumme aller bisherigen Fördermittel für Zalando. Auch wenn nach Unternehmensangaben erst 16,4 Millionen Euro ausgezahlt wurden, bleibt Zalando damit einer der größten Subventionsempfänger im deutschen Handel.

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Quelle: Weslaw Smetek

Geschäfte mit Links

Führend ist Zalando auch auf ganz anderem Gebiet: bei der Optimierung des Online-Auftritts für Internet-Suchmaschinen, Branchenkürzel: SEO. Kein anderer Modeanbieter ist bei Suchanfragen im Web ähnlich präsent wie der Berliner Fashion-Aufsteiger. Der sogenannte Sistrix-Index, der angesehenste Maßstab für die Sichtbarkeit einer Web-Seite im Internet, erreicht bei Zalando 179 Punkte. Der Online-Shop von Hennes & Mauritz (H&M) kommt dagegen nur auf zehn Punkte. Der Abstand ist gewaltig und bedeutet, dass ein Kunde, der über Suchmaschinen wie Google nach Klamotten fahndet, an Zalando kaum vorbeikommt. Ein zentraler Faktor für die Sichtbarkeit einer Web-Site bei Google ist die Verlinkung der Seite. Rund 7700 Online-Seiten verweisen laut Sistrix-Daten auf Zalando.

Doch wie kommen so viele Links zustande? Ein Zalando-Insider behauptet, dass ein Teil der Links von anderen Web-Sites gekauft oder gemietet wurde. Ein Unternehmenssprecher will das weder bestätigen noch dementieren.

Auch Blogger soll Zalando zur Suchmaschinenoptimierung eingespannt haben. Das Motto dabei: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. So spendierte der Modehändler in den vergangenen Jahren Bloggern und Web-Seiten-Betreibern Tausende Gutscheine für den Gratis-Einkauf bei Zalando. Das geht aus einer unternehmensinternen Liste über die Gutscheingewährung hervor.

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Die meisten Einträge enthalten das Kürzel SEO, dienten also primär der Suchmaschinenoptimierung. Oft reichten Web-Site-Betreiber die Zalando-Gutscheine über Gewinnspiele an die Nutzer weiter. Dass es sich um Marketing-Aktionen handelte, war klar erkennbar. Zugleich lassen sich schon bei Stichproben aber Dutzende deutsche Blogger identifizieren, die es mit der Trennung von Werbung und Inhalten nicht genau nahmen. Für einige Autoren waren offenbar schon Gutscheine über 50 Euro Anlass genug, wahre Zalando-Hymnen zu verfassen und Links auf den Shop zu setzen.

„Habt ihr mal bei zalando.de geschaut??“, fragt zum Beispiel eine Netzautorin aus Niedersachsen auf ihrer Internet-Seite, um gleich selbst zu antworten: „Ich könnte in dem Online-Shop stundenlang surfen und meine Wunschliste wird lääänger und lääääänger...“ Dass sie kurz zuvor einen 50-Euro-Bon erhielt, steht nicht auf der Seite.

Ein Zalando-Sprecher betont, das Unternehmen sei bestrebt, „höchstmögliche Transparenz zu gewährleisten“. Blogger würden unabhängig über den Inhalt ihrer Beiträge entscheiden.

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