Kommentar: Angriff auf die Musikvielfalt

Kommentar: Angriff auf die Musikvielfalt

, aktualisiert 11. November 2011, 19:57 Uhr
Bild vergrößern

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Der kriselnde Musikkonzern EMI wird an Universal verkauft. Ob sich der Musikmarkt darüber freuen darf, ist zweifelhaft. Es droht ein Duopol in der globalen Musik, bei der die Kreativität auf der Strecke bleibt.

Nach einer monatelangen Hängepartie ist der kriselnde britische Musikkonzern EMI (Beatles, Coldplay, Beastie Boys) doch noch verkauft worden. Universal, die weltweite Nummer eins im Musikgeschäft, bekam für 1,4 Milliarden Euro den Zuschlag. Und Sony steht kurz vor der Vertragsunterzeichnung für das Musikverlagsgeschäft für 2,2 Milliarden Dollar. Damit geht dann BMG Publishing, der Musikverlagskonzern von Bertelsmann und KKR, leer aus. 

Die Citigroup als Verkäufer darf sich freuen. Denn sie hat ihr Ziel, rund vier Milliarden Dollar aus der Veräußerung des traditionsreichen Musikkonzerns EMI zu erzielen, nun erreicht. Ob sich der Musikmarkt freuen darf, ist allerdings zweifelhaft. Denn mit der Verkauf an Universal, der Tochter des französischen Medien- und Telefonkonzerns Vivendi, und Sony, droht ein Duopol in der globalen Musik. 

Anzeige

Die beiden Musikriesen teilen den Markt zukünftig sozusagen unter sich auf. Denn Warner Music, der Branchendritte, ist geschwächt und spielt in einer anderen Liga. Der börsennotierte Konzern hat zahlreiche hausgemachte Probleme. Deshalb war es keine Überraschung, dass sich Len Blavatnik, russischer Milliardär und Eigner von Warner Music, sich kürzlich vom Verhandlungstisch zurückgezogen hat. 

Für die Kreativen hat das Duopol von Universal und Sony durchaus Folgen. In einem konsolidierten Markt ist die Neigung zu Experimenten noch geringer als ohnehin. Kreativität droht mit dieser Elefantenhochzeit geschwächt zu werden. Angesichts weiter sinkender CD-Verkäufe und der grassierenden Piraterie achten die Musikmajors ohnehin auf jeden Cent. Doch ohne Risiko lassen sich nun mal keine neuen Künstler aufbauen. 

Der große Verlierer beim EMI-Geschäft scheint auf dem ersten Blick, die Bertelsmann-Tochter BMG zu sein. BMG-Chef Hartwig Masuch und der designierte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hätte liebend gerne beim verlockenden Musikrechtekatalog der EMI zugegriffen. Daraus hat das Tandem nie einen Hehl gemacht. Dass sie am Ende nicht gezockt haben, ist ein kluger Schritt. Denn die 2,2 Milliarden Dollar, die offenbar Sony bereit ist zu zahlen, sind fast schon ein Liebhaberpreis. Und BMG? Die Berliner Firma hat ihr Pulver trocken gehalten, um weiter spannende Mittelständler der Musikbranche zu kaufen. An Geld für teure Übernahmen fehlt es auch künftig nicht. Zum Ende des ersten Halbjahrs betrug die Liquidität bei Bertelsmann stolze 1,6 Milliarden Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%