Kooperation mit Twitter: Die Deutsche Telekom zwitschert sich einen

Kooperation mit Twitter: Die Deutsche Telekom zwitschert sich einen

, aktualisiert 05. Dezember 2013, 07:05 Uhr
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Twitter will künftig noch mehr deutsche Smartphone-Nutzer begeistern.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Tausche Aufmerksamkeit gegen Ideen: Die Deutsche Telekom arbeitet künftig eng mit Twitter zusammen. Der Internet-Dienst bekommt auf Smartphones des Konzerns eine prominente Position – und bringt dafür Innovationen mit.

Vielleicht liegt es an den vielen langen Wörtern. Bislang begeistern sich nur wenige Deutsche für Twitter, den Internet-Dienst mit den 140 Zeichen kurzen Meldungen. Eine strategische Partnerschaft könnte der US-Firma zu mehr Anhängern im Land der Dichter und Denker verhelfen: Die Deutsche Telekom wird auf dem Frühjahr auf vielen Smartphones eine Art Nachrichtenticker installieren, in den Twitter-Meldungen – Tweets – einfließen. Der Bonner Konzern profitiert im Gegenzug von attraktiven Inhalten und etwas Silicon-Valley-Glanz.

Die Telekom will auf mobilen Geräten mit dem Betriebssystem Android „ein optimiertes Nutzererlebnis“ bieten, wie die Unternehmen am Donnerstag mitteilten. So erhielten Nutzer auf dem Startbildschirm „einen direkten Blick auf das aktuelle Geschehen – sei es in Politik, Wirtschaft, Sport oder in der Welt der Prominenten“. Wichtig: Auch Kunden, die nicht bei dem Dienst registriert sind, können auf die Nachrichten zugreifen. Sie sehen ausgewählte Tweets, etwa von twitternden Medien oder der Telekom selbst. Es gebe aber noch „keine fertige Liste“, teilte die Telekom mit.

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Auch andere Details sind noch offen. So ist unklar, auf welchen Smartphone-Modellen die Anwendung installiert wird und wann es losgeht. Ziel sei es, den Massenmarkt zu erreichen, sagte Heikki Markijarvi, der bei der Telekom für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zuständig ist. Auch die Software ist noch in der Entwicklung. „Wir entscheiden jetzt nicht für die nächsten fünf Jahre“, betonte Makijarvi gegenüber dem Handelsblatt. „Das ist eine Kooperation im Silicon-Valley-Stil, nicht im Telekom-Stil.“

Im Zuge der Kooperation erhält die Telekom einen exklusiven Zugang zu dem Internet-Star, dem im November ein erfolgreiches Debüt an der New Yorker Börse gelang. „Wir bekommen frühzeitig einen Blick auf neue Produkte und Dienste“, sagte Telekom-Manager Makijarvi. So arbeite man daran, den Kundenservice über Twitter zu verbessern – derzeit beantwortet das Unternehmen über den Kanal @telekom_hilft täglich 200 bis 300 Anfragen. Die Zusammenarbeit erstreckt sich zudem auf Marketing und Werbung. Im ersten Schritt gilt sie für Deutschland, die Niederlande, Griechenland, Rumänien und Kroatien. Ob auch Geld fließt, machten die Unternehmen nicht öffentlich.

Twitter passt ins Beuteschema der Telekom. Der deutsche Konzern arbeitet seit einiger Zeit verstärkt mit Partnern aus der Internet-Szene zusammen, etwa dem Musikdienst Spotify und dem Sicherheits-Spezialisten Lookout. Dies habe höchste Priorität, heißt es – der Konzern wolle sich selbst nur auf bestimmte Kernbereiche konzentrieren, etwa das vernetzte Auto und das vernetzte Heim. Viele Innovationen kommen von außen.

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Für Twitter bedeutet die Kooperation vor allem eines: Reichweite. „Wir treiben damit unser Ziel voran, jeden auf diesem Planeten zu erreichen“, sagte Twitter-Manager Michael Fischer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gerade in Deutschland besteht Nachholbedarf. 3,9 Millionen Menschen nutzen den Zwitscherdienst zumindest gelegentlich, wie die ARD/ZDF-Onlinestudie ergeben hat; aber nur 1,17 Millionen Nutzer twittern aktiv. Wenn auch mit deutlich steigender Tendenz.

Ein willkommener Nebeneffekt: Twitter demonstriert, was die 140 Zeichen kurzen Nachrichten bringen. Denn viele Neulinge erkennen den Sinn des Netzwerkes nicht und fühlen sich überfordert. Das Unternehmen schreibt deswegen im Börsenprospekt: „Um unsere Nutzerbasis zu vergrößern und geschäftlich Erfolg zu haben, müssen wir potenzielle neue Nutzer vom Wert unserer Dienste überzeugen.“

Gleichzeitig stärkt das Start-up aus San Francisco seine Präsenz auf dem Smartphone. Das ist wichtig im Wettbewerb mit Facebook, aber auch aufstrebenden Kommunikationsdiensten wie Whatsapp, Snapchat und Instagram, die gerade bei jungen Nutzern populär sind und bald mit Twitter um Werbebudgets konkurrieren könnten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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