Korruption in Südkorea: Samsungs Erbe droht Haft

Korruption in Südkorea: Samsungs Erbe droht Haft

, aktualisiert 16. Januar 2017, 11:08 Uhr
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Dem Samsung-Erbe droht eine Haftstrafe.

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Wie der Vater, so der Sohn: Nun droht auch dem Samsung-Erben Lee Jae Yong eine Haftstrafe im Bestechungsskandal um Südkoreas Präsidentin. Doch gerade er sollte dem Klüngel in Südkoreas Wirtschaft ein Ende setzen.

TokioFreiheit ist ein hehres Gut, das der Erbe des Samsung-Konzerns Lee Jae Yong vielleicht nur noch zwei Tage lang genießen darf. Sonderermittler im Bestechungsskandal um Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye kündigten am Montag an, Haftbefehl gegen den faktischen Chef von Samsung Electronics beantragen zu wollen.

Die Ermittler gelangen zu der Einschätzung, dass die Strafverfolgung in diesem Fall wichtiger sei als der negative Einfluss einer möglichen Verhaftung auf die Wirtschaft des Landes, erklärte ein Sprecher. Immerhin ist Samsung mit Abstand die größte Firmengruppe des Landes – und das Flaggschiff Samsung Electronics der größte Konzern.

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Schlimmer noch: Samsung wird wie die meisten Konglomerate von der Gründerfamilie beherrscht. Riskante Entscheidungen benötigen daher den Segen des Patriarchen. Und das ist bei Samsung der 48 Jahre alte Lee Jae Yong, der offiziell nur Vize-Chairman von Samsung Electronics ist. Denn sein Vater und der immer noch amtierende Chairman von Samsung Electronics, Lee Kun Hee, ist seit einem Herzinfarkt im Mai 2014 krank. Bei Samsung herrscht daher die Sorge, dass der Junior wichtige Reformen aufschiebt.

Die Angst davor, dass der Konzern bald ohne Chef dasteht, ist berechtigt. Noch steht zwar nicht fest, dass Lee tatsächlich ins Gefängnis muss. Erst am Mittwoch wird ein Gericht über den Antrag entscheiden. Aber eine Überraschung wäre die Inhaftierung des Chefs der größten Firmengruppe Südkoreas nicht. Denn die Vorwürfe wiegen schwer.

Auslöser ist ein Beraterskandal um Staatschefin Park. Ihre Mitarbeiter sollen die Großkonzerne des Landes aufgefordert haben, Geld an Stiftungen und Unternehmen ihrer persönlichen Beraterin Choi Soon Sil zu spenden. Insgesamt flossen mehr als 60 Millionen Euro an Choi. Samsung war am spendabelsten.

Die Firmengruppe hat Ermittlern zufolge nicht nur mehr als zehn Millionen Euro an Chois Stiftungen, sondern auch 17,4 Millionen Euro an eine deutsche Firma von Choi und ihrer Tochter Chung Yoo Ra überwiesen. Letztgenannte ist als Dressurreitern bei den Olympischen Spielen angetreten.

Die Ermittler gehen nun dem Verdacht nach, ob Choi als Regierungsmitarbeiterin in Gegenleistung Druck auf Südkoreas nationalen Pensionsinvestmentfonds ausgeübt habe, um eine umstrittene Fusion von zwei Samsung-Firmen zu unterstützen. Mit diesem Zusammenschluss hat sich Lee Junior die Kontrolle über das Familienkonglomerat gesichert. Aber Aktionäre der größeren Firma hatten sich beschwert, dass ihre Konzerne zum Wohl der Gründerfamilie unterbewertet worden seien.

Bislang hat Lee dementiert, das Geld als Gegenleistung für Chois Einfluss geflossen sei. Darüber hinaus erklärte er, dass sich sein Konzern nicht gegen die Spendenanfrage der Regierung hätte wehren können. Doch die Sonderermittler kaufen ihm diese Aussage offenbar nicht ab. Der ehemalige Gesundheitsminister und jetzige Chef des Pensionsfonds Moon Hyung Po wurde am Montag wegen Amtsmissbrauchs und Falschaussage angeklagt.


„Aber Samsung kann damit möglicherweise leben“

Noch gerieten die Anleger nicht in Panik. Die Aktien von Samsung Electronics fiel nur um 1,8 Prozent. Denn eine mögliche Inhaftierung des Erben sei zwar eine sehr schlechte Nachricht, erklärt Tony Michell, Chef des Unternehmensberaters Korea Associates. „Aber Samsung kann damit möglicherweise leben.“

Doch in der Öffentlichkeit steht Samsung damit unter enormen Druck. Denn nun geht es einem der Erben an den Kragen, von dem man sich eigentlich eine Abkehr von der alten Klüngelkultur der Korea AG erwartet hatte. Doch ein Grund zur Gelassenheit des Korea-Experten ist, dass auch Lees Vater 2007 verhaftet wurde, ohne dass es Samsung dauerhaft geschadet hätte. Zweitens seien die wesentlichen Entscheidungen für 2017 bereits getroffen, erklärt Michell.

Der Produktplan steht. Und auch die Aufarbeitung des Akku-Debakels steht offenbar kurz vor dem Ende. Kommende Woche wird Samsung voraussichtlich seinen Untersuchungsbericht veröffentlichen. Nach Medienberichten sorgten Designfehler der Batterien dafür, dass die Akkus bei Samsungs vermeintlich besten Smartphone, dem Galaxy Note 7, zigfach in Brand gerieten. Samsung nahm seinen Rivalen für Apples iPhone7 Plus daraufhin vom Markt.

Zudem befindet sich der Konzern finanziell in guter Verfassung – dank der Geschäftsfelder für Speicherchips und Handydisplays. Ohne das Debakel der Smartphone-Sparte hätte Samsung im vergangenen Quartal sogar einen neuen Gewinnrekord schreiben können. Probleme könnte es für Samsungs Übergangsteam allerdings geben, wenn neben Lee auch zwei weitere Topführer verhaftet würden, mahnt Michell.

Fast alle Chefs der mächtigen Firmenkonglomerate haben einen Teil ihrer Karriere wegen enger Verbindungen von Politik und Wirtschaft im Gefängnis verbracht. Aber kein Konglomerat hat allein deswegen dauerhaften Schaden erlitten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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