Kultmarke: Warum Apple es ohne Jobs so schwer hat

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Kultmarke: Warum Apple es ohne Jobs so schwer hat

von Matthias Hohensee

Was ist aus der Kultmarke nach dem Tod des Unternehmensgründers geworden? Sechs Fragen und Antworten zur aktuellen Situation des iPhone-Herstellers.

Ein Versprechen hatte Steve Jobs seinem Nachfolger Tim Cook bei der Amtsübergabe im August 2011 abgenommen: nie zu fragen, was Steve wohl getan hätte. Der Apple-Gründer wollte eine Situation wie beim Medienkonzern Walt Disney vermeiden. Der war in den Jahren nach dem Tod des Firmengründers nahezu gelähmt, weil bei jeder wichtigen Entscheidung ellenlang diskutiert wurde, ob "Walt das wohl auch so gemacht hätte".

Am 5. Oktober jährt sich zum zweiten Mal der Todestag von Jobs. Seine Stimme fehlt im Silicon Valley - aber vor allem bei Apple. Wie hat sich die Kultmarke seither entwickelt? Zeit für eine Bestandsaufnahme auf sechs Feldern.

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1. Hat Apple den Tod seines Gründers überwunden?

Nein. Es scheint, dass mit Jobs nicht nur die Magie, sondern auch die Innovationskraft verschwunden ist. Es sind drei Jahre vergangen ohne Präsentation des berühmten "one more thing", das Jobs so meisterhaft inszenieren konnte: ein Produkt wie iPhone oder iPad, das die Herzen der Apple-Fans höher schlagen lässt und die Branche völlig umkrempelt. "Jobs war ein Verrückter, ein Getriebener", sagt US-Bestsellerautor Michael Gerber, der sich seit Jahrzehnten mit der Psyche von Unternehmern beschäftigt. "Cook ist das eindeutig nicht."

Laut Gerber war Jobs im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmern nie auf den Profit fixiert. Natürlich wollte er den Erfolg. Doch zugleich ging es ihm um das perfekte Produkt. "Hätte er damit nicht so einen unglaublichen Erfolg gehabt, wäre er nicht lange an der Spitze von Apple geblieben", urteilt Gerber. Doch Jobs wurde in Krisenzeiten geholt, als Apple am Abgrund stand. Selbst wenn es jetzt einen annähernd ähnlich verrückten Nachfolgekandidaten gegeben hätte, wären die Hauptaktionäre dieses Risiko nicht eingegangen.

Für Hartmut Esslinger liegt das eigentliche Problem von Apple darin, dass der boomende Smartphone-Markt wegen der schnellen Produktzyklen und der Forderung nach immer neuen Funktionen "krank" sei. Der gebürtige Deutsche und Gründer von Frog Design prägte Apples Look in den Achtzigerjahren entscheidend mit und arbeitete eng mit Jobs zusammen.

Rückschläge für Apple

  • Rivale Android

    75 Prozent aller Smartphones laufen inzwischen auf dem Betriebssystem Android des Apple-Rivalen Google

  • Weihnachtsgeschäft

    18 Prozent mehr Umsatz machte Apple im Weihnachtsgeschäft 2012 - gegenüber einem Plus von 73 Prozent im Vorjahr

  • Konkurrent Samsung

    350 Millionen Smartphones plant Samsung in diesem Jahr zu verkaufen - 60 Millionen mehr als Apple an iPhones seit Juni 2007 insgesamt verkauft hat

  • Teure Tablets

    150 Dollar soll das neue Tablet von Acer kosten, weniger als die Hälfte des iPad mini

  • Probleme in China

    Im vierten Quartal 2012 rutschte Apple in China bei Smartphones auf Rang sechs

2. Ist Apple noch so kreativ wie unter Jobs?

Nein. Zwar sagt Designer Esslinger, Apple sei "immer noch innovativ und bei Design und Benutzerführung seinen Wettbewerbern weit voraus". An Samsung stört ihn etwa das billige Plastikgefühl. Und Motorola habe trotz der smarten Google-Jungs am Ruder kaum Akzente im Markt gesetzt. Doch Jobs' Nachfolger Cook präsentiert bisher nur verbesserte Versionen von bewährten Produkten wie iPhone, iPad und Macbook Air, quasi die Vergangenheit mit neuem Make-up. So kommen die neuen iPhones 5s und 5c in gewohntem Design daher. Ein paar Extras wie Fingerabdruck-Scanner, Farben jenseits des uniformen Schwarz und Weiß sowie ein optisch überholtes Betriebssystem hat Apple spendiert. Aber der große Wurf, um sich erneut von der Konkurrenz abzusetzen, ist es nicht.

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