Lenovo: Va banque gespielt – und gewonnen

AnalyseLenovo: Va banque gespielt – und gewonnen

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Lenovo-Store in Peking: Der chinesische IT-Riese will einen großen Teil des Server-Geschäfts von IBM übernehmen.

von Thomas Kuhn

Zum 1. Oktober darf der chinesische Computerriese Lenovo einen Großteil von IBMs Server-Geschäft übernehmen – trotz aller Spannungen wegen chinesischer Cyber-Attacken auf die USA. Doch das ist noch nicht die größte Überraschung bei dem Deal.

Gerade mal eine gute Woche ist es her, da berichteten US-Behörden von mehr als 50 digitalen Angriffsversuchen auf IT-Systeme des Militärs durch „Hacker mit Bezug zur chinesischen Regierung“. Nur gut zwei Monate ist es her, dass chinesische Cyber-Angreifer eine Datenbank mit Informationen zu US-Bundesbeschäftigten mit Sicherheitsfunktionen knackten.

Wahrlich nicht die besten Voraussetzungen, unter denen der chinesische IT-Riese Lenovo in den vergangenen Monaten die Übernahme eines großen Teils des Server-Geschäfts vom US-Computer-Giganten IBM verhandelte.

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Lenovo hat Vertrauensvorschuss

Da ist es mehr als bemerkenswert, dass der insgesamt rund 2,1 Milliarden Dollar schwere Deal am Ende trotz des cyber-kriminellen Störfeuers zwischen Peking und Washington – zwischenzeitlich wurde bekannt, dass auch der US-Geheimdienst NSA den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei im Visier hatte – grünes Licht aus Washington bekam. Und das nach nur gut einem Dreivierteljahr der Prüfung durch die US-Handels- und ­Sicherheitsbehörden.

Die drei wichtigsten künftigen Standbeine von Lenovo

  • Laptop-Computer

    Übernommene Marken wie Medion aus Deutschland trugen dazu bei, dass Lenovo Marktführer bei PCs wurde.
    Weltmarktanteil: 19,2

  • Mobiltelefone

    Im Handygeschäft sollen Zukäufe bekannter Marken wie Motorola und Modelle wie das RAZR D3 den Durchbruch bringen.
    Weltmarktanteil: 2,5 %

  • Tablet-Rechner

    Mit einem Preis von rund 160 Euro soll das Yoga Tablet den Durchbruch bringen und dem iPad Konkurrenz machen.
    Weltmarktanteil: k. A.

    Quelle: Gartner

Zwar hatte Lenovo bereits 2005 mit dem Kauf von IBMs PC-Geschäft die Blaupause für die aktuelle Übernahme geliefert. Und offenbar haben sich die Chinesen sowohl mit der Integration der PC-Sparte als auch mit ihrem Geschäftsgebaren in den USA eine Menge Vertrauensvorschuss bei den US-Aufsichtsbehörden erarbeitet.

Doch nach den diversen Cyber-Eskalationen der jüngeren Vergangenheit hatten nicht wenige Beobachter den zu Jahresbeginn verkündeten Plan von Lenovo-Chef Yang Yuanqing zum Kauf der X86-Server von IBM für ein Va-Banque-Spiel gehalten.

Denn auch wenn die Rechner-Systeme, die nun unter das Dach des chinesischen Konzerns wechseln, auf standardisierter PC-Technologie basieren – es steckt jede Menge High-Tech-Kompetenz in der Technik, die nun von amerikanischer in chinesische Hoheit übergeht.

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