Facebook-Posts: Was bei Facebook erlaubt ist

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Löschregeln: Was bei Facebook erlaubt ist

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Welche Kommentare werden auf Facebook gelöscht, welche nicht? Die britische Zeitung "The Guardian" bekam nun Einblick in die internen Richtlinien.

von Mona Fromm

"Hate speech" muss konkret und bedrohlich sein, damit sie gelöscht wird. So steht es in den Kommentarregeln von Facebook, die der englische "Guardian" veröffentlicht hat. Was noch gepostet werden darf - und was nicht.

Die globale Debatte um Hasskommentare im Netz wurde über Nacht befeuert: Die britische Zeitung „The Guardian“ hat nun die internen Löschungsrichtlinien von Facebook veröffentlicht. Kurz: Es wird nur dann gelöscht, wenn es eine konkrete Bedrohung gibt.

Kommentare wie „Jemand soll Trump erschießen“ müssen gelöscht werden. Wenn es sich nicht um den US-Präsidenten handelt, sind die Kommentare erlaubt. So darf zum Beispiel die nichtkonkrete Beschreibung, wie man einer Frau das Genick brechen soll, stehen bleiben. Laut interner Facebook-Richtlinie werden sie nicht als glaubwürdige Drohung verstanden. „Fick dich und stirb“ werde akzeptiert, weilkeine berühmte Persönlichkeit angesprochen wird. Manchmal ist auch die Personengruppe zu diffus, zum Beispiel wenn jemand Gewalt an „einer rothaarigen Person“ fordert.

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Mehr als 100 Handbücher, Tabellen und Grafiken gaben der Zeitung einen bisher unbekannten Einblick in die Regeln, die Facebook benutzt, um Probleme im Netz zu zensieren. Es geht um Gewalt, Hasskommentare, Terrorismus, Pornographie, Rassismus und Selbstverletzung. Es gibt sogar Richtlinien für Spielabsprachen und Betrugsskandale.

Die rechtliche Grundlage für Hasskommentare im Netz und deren Löschung ist nicht klar; so versuchte jüngst der Bundesjustizminister Heiko Maas einheitliche Maßstäbe in einem neuen Gesetzdurchzubringen. Dass nun Facebooks Regeln bekannt sind, hilft der besseren Kommunikation. Auf der anderen Seite alarmieren diese neuen Erkenntnisse die Befürworter der Meinungsfreiheit, die Facebook als großes Netzwerk der Zensursehen.

Es geht in den Dokumenten nicht nur um Posts und Kommentare, sondern auch um Bilder. Manche Fotos von physischem, nicht sexuellem, Missbrauch müssten nicht gelöscht oderverfolgt werden, solange es keinen sadistischen oder feiernden Charakter hat. Die Frage bleibt: Wo ist die Grenze?

Nutzerzahlen der bekanntesten sozialen Medien

  • Xing

    10 Millionen aktive Nutzer hat das Karriereportal Xing monatlich.

    Quelle: We are social, Unternehmensangaben

  • LinkedIn

    LinkedIn hat deutlich mehr aktive User: 100 Millionen Menschen nutzen das Karriereportal im Monat.

  • Pinterest

    Auch das soziale Bildernetzwerk Pinterest kommt auf 100 Millionen registrierte, aktive Nutzer.

  • Snapchat

    Noch weit vor Pinterest, LinkedIn und Xing liegt Snapchat, der kostenlose Instant-Messaging-Dienst zur Verbreitung von Bildern und Videos. 200 Millionen Menschen nutzen Snapchat im Monat.

  • Twitter

    Den Nachrichtendienst Twitter nutzen jeden Monat 320 Millionen Menschen.

  • Instagram

    Der Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos - Instagram - registriert 400 Millionen aktive Nutzer im Monat.

  • WhatsApp

    Der erfolgreichste Instant-Messaging Dienst ist WhatsApp mit 1000 Millionen Nutzern pro Monat.

  • Facebook

    Das soziale Netzwerk Facebook kann jedoch keiner der anderen sozialen Netzwerke toppen: 1600 Millionen User nutzen das Portal jeden Monat aktiv.

Das können die Facebook-Insiderselbst nicht genau sagen. Monika Bickert, Chefin des globalen Richtlinienmanagements von Facebook, sagte dem Guardian, dass rund zwei Milliarden Nutzer auf Facebook wären, es also schwierig wäre, einen Konsens für jeden zu finden. Die Leute hätten verschiedene Vorstellungen davon, was in Ordnung wäre zu teilen und was nicht, zumal in einer globalen vielfältigen Gesellschaft. Ein Beispiel von Bickert: „Die Linie zwischen Satire und Humor und unangemessenem Inhalt ist sehr dünn.“

Außerdem wurde bekannt, dass sich die für die Regulierung und Löschung Zuständigen über den immensen Druck und über das hohe Arbeitspensum beklagen: Oft müssten sie sich innerhalb von nur zehn Sekundenentscheiden, ob sie einen Kommentar löschen oder nicht, heißt es in dem Guardian-Bericht.

Hass auf Facebook Ein Gesetz, keine Lösung

Auf Facebook wuchert der Hass. Mit einem neuen Gesetz will Justizminister Heiko Maas dagegen vorgehen. Doch lösen kann das Problem nur Facebook-Chef Mark Zuckerberg selbst.

Ein Gesetz soll den Hass auf dem Portal eindämmen.

Laut dem Dokument durchsucht Facebook mehr als 6,5 Millionengemeldete Kommentare pro Woche, die wahrscheinlich mit einemfalschen Account zusammenhängen. Facebook nennt diese Accounts FNRP(„fake, not real person“), was für einen Account steht, hinter dem sich keine reale Person verbirgt.

Facebook löscht keine Livestream-Videos, in denen Leute versuchen, sich selbst zu verletzen. Die Begründung dürfte manche verwundern: Der Konzern möchte nicht, dass Leute in Not zensiert oder gar bestraft werden, weil sie ihr Elend nicht zeigen können. Videos von gewaltsamen Todesfällen seien verstörend, könnten aber helfen, ein Bewusstsein zu schaffen. So viele Kommentare es auch gibt, so sehr muss Facebook dahinterstehen, Hass und Terror im Netz zu löschen. Eine Richtlinie bringt etwas mehr Klarheit, doch es ist ungewiss, wie sehr Facebook alle Kommentare im Blick hat. Auf der anderen Seite alarmieren diese neuen Erkenntnisse die Befürworter der Meinungsfreiheit, die Facebook als großes Netzwerk der Zensur sehen.

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