Mark Zuckerberg: "Das Gesicht des Neokolonialismus"

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Mark Zuckerberg: Die dunkle Seite des Milliardärs

"Das Gesicht des Neokolonialismus"

Im gleichen Maße, in dem die Skepsis gegenüber Facebook wächst, steigt auch der Druck auf Zuckerberg, als Person das Vertrauen zurückzugewinnen, das anderswo verloren geht. Dass Zuckerbergs Wohltaten ausgerechnet jetzt so offensiv dargestellt werden, mag da gerade noch als Zufall durchgehen. Wer sich aber mit den privaten Geschäften des Jungmilliardärs beschäftigt, hört schnell auf, an Zufälle zu glauben. Sie zeigen den strahlenden Helden des Digitalzeitalters als rabiaten Neureichen, der fast alle Vorurteile bestätigt.

Der Facebook-Chef ist ein Phantom

Der Kuhio-Insel-Highway führt vom Sitz der Lokalzeitung in Lihue an spektakulären Buchten, Sandstränden, Golfplätzen und sattgrünen Farmen vorbei. Kurz hinter der Meilenmarkierung 20 geht es scharf rechts in die Koolau Road. Auf der rechten Seite der schmalen Asphaltstraße liegen adrette Einfamilienhäuser mit Vorgärten, Wiesen, Grillplätzen und Verandas. Und dann ist sie plötzlich da, die „Zuckerberg-Mauer“. Zwei Meter hoch, aus dunklen Felssteinen errichtet. Sieht aus, als ob sie schon seit Jahrzehnten dort steht. „Rein ästhetisch ist sie ganz okay“, sagt Sally Nolan, eine freundliche ältere Dame, die genau gegenüber wohnt.

Im Juli vergangenen Jahres ist die pensionierte Lehrerin aus Idaho zu ihrem Sohn nach Kauai gezogen. Da war die Mauer gerade fertig geworden und ärgerte die Nachbarschaft. Deshalb machte auch Nolan selbstverständlich bei einer Protestdemonstration im Januar mit. Die Lokalzeitung berichtete von nur zehn Teilnehmern. „Wir waren weit mehr als 50“, empört sich die Lehrerin. Schließlich ging es nicht mehr nur um die Mauer, sondern auch um die Arroganz des Bauherrn. Wie selbstverständlich hatte sich Nolan bei ihren neuen Nachbarn vorgestellt, als sie einzog. Zuckerberg hat nie geklingelt.

Privater Pfad: Den öffentlichen Weg zum Strand an seinem Grundstück in Hawaii hat sich Zuckerberg angeeignet. (Zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Matthias Hohensee

Privater Pfad: Den öffentlichen Weg zum Strand an seinem Grundstück in Hawaii hat sich Zuckerberg angeeignet. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Matthias Hohensee

Bis heute ist er ist ein Phantom geblieben auf der Insel. Einen der wenigen Fotobeweise seiner Anwesenheit besitzt der Fast-Food-Imbiss Bubba Burger in Hanalei, wo der Milliardär vor ein paar Jahren mit Ehefrau und Entourage speiste. Von Nolans Nachbarn will zunächst keiner über das Wenige reden, was sie hier von ihm wissen. Wer sich schließlich überzeugen lässt, spricht nur unter der Bedingung, dass der Name nicht genannt wird. Warum? „Ich habe Angst“, sagt eine Nachbarin. Nein, eine direkte Bedrohung gäbe es nicht. „Die wollen das aus der Öffentlichkeit raushaben, und jeder, der redet, stört dabei.“ Gegen die Mauer haben die Nachbarn zunächst versucht, auf juristischem Wege vorzugehen. Doch im Bauamt zeigt sich schnell, wie hoffnungslos das wäre. Die Mauer blockiert nach ihrer Ansicht zwar die frische Brise vom Meer, Standort, Höhe und Material sind jedoch streng nach Bauvorschriften gewählt.

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„Doch dann stach Mark in das größte Wespennest, das man auf Hawaii finden kann“, sagt die Nachbarin. Auf seinen knapp 300 Hektar Land, die direkt an den Pazifik grenzen, befinden sich acht Parzellen von hawaiianischen Familien. Diese Landstücke, Kuleanas genannt, wurden vor mehr als 150 Jahren vom hawaiianischen König an seine Untergebenen zur Nutzung übertragen und sind seitdem über Generationen weitervererbt worden. Das Problem ist, dass sie sich kreuz und quer über das Anwesen des Milliardärs verteilen. Über Tarnfirmen versuchten Zuckerbergs Anwälte zunächst, die Parzellen günstig zu erwerben. Eine Besitzerin glaubte, an einen örtlichen Bauern zu verkaufen. „Ein Anwalt rief mich an und bot mir 500 Dollar, ansonsten würde ich vor Gericht zitiert“, sagt Erbin Shannon Buckner. Angeblich soll ihre Parzelle nur einen Quadratmeter groß sein, was sie bestreitet. Als Zuckerbergs Anwälte die Daumenschrauben anzogen und gegen insgesamt 100 Personen klagten, schlug die Empörung Wellen. „Das ist das Gesicht des Neokolonialismus“, wetterte die Juraprofessorin Kapua Sproat.

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