Merkel-Phone: Telekom entwickelt neue abhörsichere Handys

exklusivMerkel-Phone: Telekom entwickelt neue abhörsichere Handys

von Jürgen Berke, Silke Fredrich und Oliver Voß

Die Telekom tüftelt an einem Schutzschild für Smartphones. Die neuen Mobiltelefone sollen Regierung und Unternehmen vor Hackern und Spionen bewahren.

Etwas Außergewöhnliches passiert immer dann, wenn René Obermann Codenamen vergibt. Wie am 15. Mai, als die Deutsche Telekom unter dem Tarnnamen Rubin eine völlig harmlos erscheinende Tochtergesellschaft ins Bonner Handelsregister eintrug. Wochenlang rätselte die Konkurrenz, was sich hinter dem Edelstein verbirgt. Jetzt geht die Heimlichtuerei zu Ende. Aus Rubin wird das Unternehmen Trust2Core. Die Neugründung ist Teil eines Strategiewechsels, mit dem der Telekom-Chef in neue Wachstumsmärkte vordringen will.

Aussichtsreiche Startups will Obermann künftig als Mehrheitseigner operativ kontrollieren. Eine neue Dachgesellschaft, der Telekom Innovation Pool, soll all diese Neugründungen steuern.

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Telekom investiert Millionen in Startups

Dass die Telekom sich nicht länger nur auf ihre Kerngeschäftsfelder konzentriert, hat Vorstandschef René Obermann mit einer Millioneninvestition untermauert. In diesem Jahr fließt ein Millionenbetrag in T-Venture, einer Wagniskapitaltochter, die in Startups investiert. 82 Firmen gehören gerade zum Portfolio: vom Handy-App-Hersteller Mytaxi über den Chipproduzenten Lantiq bis zum Brennstoffzellen-Anbieter Future-E. Obermann:  "Wir müssen viel mehr Innovationen von außen in den Konzern bringen." 

T-Venture verwaltet derzeit ein Vermögen von 750 Millionen Euro - damit gehört die 1997 gegründete Konzerntochter zu den größten Corporate-Venture-Capital-Gebern weltweit. Rund 20 neue Beteiligungen kommen jedes Jahr hinzu. Gerade für Telekom-Unternehmen ist es wichtig, sich bei Startups einzukaufen. Denn mit Telefon- und Handygesprächen verdienen sie immer weniger. Sie müssen stattdessen Milliardenbeträge in Glasfaserkabel investieren, damit Kunden ruckelfrei im Netz surfen können. Doch das große Geschäft machen online andere, Webkonzerne wie Google oder Facebook etwa, die mit wenig Kapital satte Gewinne einstreichen.

Die Abhörsicherheit deutscher Mobilfunkanbieter

  • T-Mobile

    Abhörsicherheit: 58 Prozent (von maximal möglichen 100 Prozent)

    Quelle: Security Research Labs

  • Vodafone

    Abhörsicherheit: 44 Prozent (von maximal möglichen 100 Prozent)

  • E-Plus

    Abhörsicherheit: 33 Prozent (von maximal möglichen 100 Prozent)

  • O2

    Abhörsicherheit: 19 Prozent (von maximal möglichen 100 Prozent)

Damit Mehrheitsbeteiligungen auch operativ gesteuert werden können, gründete die Telekom in diesem Jahr eine zweite Dachgesellschaft: Die "Telekom Innovation Pool". Mit diesem Weg hofft die Telekom, sich ein Stück des Kuchens zurückzuholen. Denn der Konzern profitiert von den innovativen Beteiligungen nicht nur, wenn er sie am Ende übernimmt oder bei einem Verkauf Rendite erzielt. Der Telekommunikationskonzern schließt mit über T-Venture auch Vertriebsvereinbarungen ab und kann so den Kunden neue Dienste anbieten. Den Gründern wiederum hilft der Zugang zu den 180 Millionen Kunden und dem riesigen Branchenwissen des Konzerns.

Schutzschild für Smartphones

Die Tochtergesellschaft Trust2Core konzentriert sich nun auf den Markt für IT-Sicherheit. Der frühere Siemens-Manager Robert Butz soll als Geschäftsführer der neuen Tochter eine Sicherheitsarchitektur weiterentwickeln, die von den konzerneigenen T-Labs kreiert wurde. Das Ziel: einen perfekten Schutzschild für Smartphones zu bauen, damit die immer professionelleren Cyberattacken von Hackern und Spionen ins Leere laufen.

Die erste Bewährungsprobe steht Trust2Core unmittelbar bevor. Denn die Frist für einen der prestigeträchtigsten Aufträge läuft schon an diesem Dienstag ab. Die Bundesregierung sucht ein Nachfolgemodell für das von T-Systems gebaute Simko – das als „Merkel-Handy“ bekannt gewordene abhörsichere Mobiltelefon.

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2 Kommentare zu Merkel-Phone: Telekom entwickelt neue abhörsichere Handys

  • Die Kodierung kann immer nur für eine gewisse Zeit Schutz gewähren, und dann auch nur gegenüber gewissen Kreisen. Gerade in der Anfangszeit kommen zunächst die altbewährten Methoden wie Verrat, Bestechung, Diebstahl etc. zum Einsatz, um so die Kodierung zu überwinden. Bei Fortschreiten der Technik kommen später dann neue technische Möglichkeiten als Hebel noch hinzu.

    Die Vorstellung, daß man nicht abhören könne, ist infantil und zeugt von Unkenntnis technischer Möglichkeiten sowie menschlicher Schwächen. Ein Beispiel für menschliche Schwächen ist hier die unsinnige Forderung, Applikationen (Apps) mit einzubinden, Dinge also, die absolut unnötig sind. Diese unsinnige Forderung, die von Laien mit menschlichen Schwächen aufgestellt ist, wird mit dem Preis erhöhter Unsicherheit bezahlt. Der Aufwand zur vermeintlichen Absicherung solcher Spielereien könnte nämlich genutzt werden, um ein System ohne Spielereien dann noch sicherer zu machen. Daß GPS dabei ausgeschlossen werden muß, ist falsch, da GPS undirektional angelegt ist und vom Rückkanal hardwaremäßig strikt getrennt werden kann.

    Nur passen diese Überlegungen nicht in ein Bildungssystem, das Technik schon in der Schule verächtlich macht und ohne technisches Hintergrundwissen täglich doktrinär schulmeistert, was technisch richtig oder falsch ist. Vier Beispiele verdeutlichen den dann resultierenden Abstieg: 1) Zufallsstromproduktion durch unsinnige Photovoltaikanlagen und Windmühlen im ganzen Land mit nun explodierenden Stromrechnungen, 2) Geldverbrennen bei E-Auto, die wegen der Unmöglichkeit einer praktikablen Energiespeicherung ohne praktisches Interesse sind 3) prähistorische Internetverbindungen auf Klingeldrähten statt auf Glasfasern, 4) obiges Sicherheitstelefon mit unsinniger App-Option. Alles waren Laienentscheidungen nach dem Motto: Ich weiß zwar nichts, aber ich treffe hier eine polit. Entscheidung, und wenn die Folgen kommen, bin ich in der Toskana in Rente und habe von nichts gewußt.

  • "Statusgewinn durch iPhone"?!? Aber bitte! Das ist doch nun längst vorbei... Ein iPhone-Nutzer outet sich eher als Jemand, der zu wenig Individualität und zu viel Geld besitzt.
    Überteuerte Durchschnittsware die ungefähr so viel Aufmerksamkeit hervorruft wie ein schwarzer Golf.

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