Mobile World Congress: Das Labor der supervernetzten Welt

Mobile World Congress: Das Labor der supervernetzten Welt

, aktualisiert 26. Februar 2017, 10:20 Uhr
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Auf dem Mobile World Congress werden zahlreiche neue Smartphones zu sehen sein - und die Technik dahinter.

von Ina Karabasz und Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Wie sehen die neuen Nokia-Smartphones aus? Warum wird das Auto zum Portemonnaie? Und was wird als nächstes vernetzt? Auf dem Mobile World Congress zeigt die Technikbranche ihre Neuigkeiten. Welche Trends wichtig werden.

BarcelonaDer Mobile World Congress (MWC) ist die wichtigste Messe der Mobilfunkbranche. Und weil heutzutage so ziemlich alles vernetzt wird, ist die Veranstaltung vielfältiger und größer denn je. Schon vor dem offiziellen Start am Montag zeichnet sich ab: Mehr als 100.000 Besucher dürften in diesem Jahr zur Fachveranstaltung in Barcelona kommen. Für Schlagzeilen dürfte einerseits Nokia sorgen, das eine Art Comeback feiert. Andererseits ist da Netflix-Chef Reed Hastings, der vermutlich um Telekom, Vodafone & Co. werben wird. Und an vielen Ständen zeigt sich ein Ausblick auf die supervernetzte Welt. Die wichtigsten Trends im Überblick.

Künstliche Intelligenz: Im Angesicht von Alexa

Das Smartphone per Gesichtserkennung entsperren, die Kopfhörer per Sprachsteuerung nutzen: Künstliche Intelligenz, kurz KI, soll Technologie schlauer und besser machen. Dabei helfen Plattformen wie Alexa, der digitalen Assistentin von Amazon. Auch andere Unternehmen können diese in ihre Produkte einbauen, egal ob Lautsprecher, Autos, Computeruhren oder natürlich Smartphones. Huawei wird etwa ein Gerät mit der Amazon-Software zeigen. Auch der Google Assistant dürfte in einigen neuen Produkten zu Diensten sein.

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Derartige Anwendungen werden auf dem MWC vermutlich die sichtbarste Spielart der KI sein. Für die Netzbetreiber gibt es aber zahlreiche weitere Einsatzszenarien. So können Chatbots helfen, den Kundenservice zu verbessern – etwa wenn sie in einem Dialog mit Kunden automatisch die richtigen Informationen auftreiben und übermitteln. Und die Analyse großer Datenmengen aus den Netzwerken kann helfen, diese effizienter zu betreiben. Das ist nicht so spektakulär wie ein digitaler Assistent, aber ebenso nützlich.

Mobiles Bezahlen: Klick & weg

Tanken und wegfahren: Das soll demnächst bei Shell möglich sein. Der Ölkonzern zeigt auf dem Mobile World Congress gemeinsam mit Jaguar ein Projekt, bei dem Fahrer direkt aus dem Auto heraus bezahlen können, die elektronische Quittung ist auf dem Display zu sehen. Es ist ein Beispiel dafür, wie die Technologiebranche das Finanzwesen umkrempeln kann.

Geht es nach den Unternehmen, sollen Nutzer mit allen möglichen Geräten und Gegenständen bezahlen können - Smartphone, Smartwatch und Auto sind nur der Anfang. Die Abwicklung soll möglichst automatisch und im Hintergrund ablaufen. Und natürlich hundertprozentig sicher. Dabei könnte Blockchain helfen, eine Technologie, die die Finanzbranche elektrisiert. Das Beratungsunternehmen Accenture zeigt einige solcher Anwendungsbeispiele.

Internet der Dinge: Sparsam und weit

Seit Jahren reden Unternehmen und Industrieexperten das Internet der Dinge herbei. Es geistern diverse Schätzungen durch die Welt, wie viele Geräte in Zukunft mit dem Internet verbunden sein werden. Die Marktforscher von Gartner gehen beispielsweise von mehr als 20 Milliarden im Jahr 2020 aus. Doch um auf diese Zahlen zu kommen, muss der Markt noch stark wachsen – und nun sieht es so aus, als gäbe es eine Technologie, die das ermöglicht.

Die Telekommunikationsbranche hat einen Funkstandard entwickelt, der es ermöglicht, dass Sensoren jahrelang ihre Daten verschicken, ohne dass Batterien getauscht werden müssen. Gleichzeitig können die Informationen durch dicke Wände dringen und lange Strecken überbrücken. Die Technik mit dem Namen Narrowband IoT (Internet of Things) macht es deswegen attraktiver, Gegenstände zu vernetzten, weil der Aufwand deutlich geringer ist als vorher.

Also werden nun tatsächlich zunehmend Dinge des Alltags vernetzt. Auf der Messe in Barcelona werden neben smarten Fitnesstrackern, Kühlschränken und Waschmaschinen auch Produkte für vernetze Städte zu sehen sein. So stellt der Chiphersteller Infineon eine Straßenlaterne vor, die unter anderem freie Parkplätze meldet und zugleich eine Ladesäule für E-Fahrzeuge ist.


Wenn der Mülleimer seinen Füllstand funkt

Inhalte: Volle Netze

Nachdem in den vergangenen Jahren bei der meistbeachteten Keynote der Konferenz am Montagabend Facebook-Chef Mark Zuckerberg seinen großen Auftritt hatte, wird in diesem Jahr Netflix-Chef Reed Hastings auf der Bühne stehen. Das zeigt, welchen Stellenwert Videoinhalte in der Telekombranche und damit auch auf den Mobile World Congress haben.

Es wird immer weniger klassisches Fernsehen geschaut. Einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zufolge streamen 88 Prozent der 14- bis 29-Jährigen und sogar 90 Prozent der 30- bis 49-jährigen Videos über das Internet. In einer weiteren Studie zeigt der Verband, dass es sich jeder vierte Videostreamer vorstellen zu können, in Zukunft ganz auf klassisches Fernsehen zu verzichten. Laut einer Untersuchung der Medienanstalten nutzen fast 27 Millionen Deutsche mindestens einmal im Monat Videoangebote aus dem Internet, das sind 12,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese Vorliebe für Bewegtbild treibt die Datennutzung der Telekomkunden. Die Unternehmensberatung Alix Partners kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass 2015 40 Prozent der jährlichen Datenaufkommens Internetvideos sind. 2020 sind es demnach bereits 57 Prozent. Die deutschen Telekomanbieter haben bereits darauf reagiert und bieten fast alle Videostreaming-Portale an. Auf dem MWC wird also ein großes Diskussionsthema, wie Mobilfunker und Inhalteanbieter miteinander umgehen.

5G: Funken in Millisekunden

Es ist das ambitionierteste Projekt der ganzen Branche und wird deswegen auch in diesem Jahr auf der Messe eine wichtige Rolle spielen: 5G, die nächste Generation des Mobilfunks. Die Unternehmen feiern es als Chance, neue Geschäftsmodelle möglich zu machen. Haupttreiber ist dabei die Idee, die Übertragungsgeschwindigkeit von Daten so stark zu erhöhen, dass Daten nur noch eine Millisekunde vom Versender zum Empfänger brauchen. Das ist zum Beispiel beim vernetzten Fahren oder bei medizinischen Behandlungen aus der Ferne wichtig. Bis 2020 sollen die ersten Produkte mit dem Standard marktreif sein.

Die Marktforscher von CSS Insight sehen die Aktivitäten der Telekommunikationsbetreiber jedoch kritisch. Trotz allem Aufsehens, was sie um das Thema machen würden, hätten die meisten Schwierigkeiten, solide Geschäftsmodelle vor 2020 zu finden, erklären sie. In Barcelona werden deswegen in diesem Jahr deswegen wohl vor allem die Netzwerkausrüster versuchen, mit ihren technischen Entwicklungen für 5G beim Fachpublikum punkten zu können.

Smartphones: Meer der Monotonie

Es wird auf der Messe auch zahlreiche neue Smartphones zu sehen geben – allerdings werden die Unterschiede meist erst auf den zweiten Blick auffallen. Denn Format und Technik ähneln sich, der Marktforscher CCS Insight beklagt ein „Meer der Monotonie“. Natürlich versuchen die Hersteller, sich abzuheben. Zu erwarten sind beispielsweise etliche Modelle mit schmalem Rahmen, die mehr Platz fürs Display lassen. Auch eine biometrische Absicherung mit Fingerabdrucksensor und Irisscanner dürfte häufiger zu sehen sein, zudem Doppelkameras, die Bilder mit Schärfentiefe ermöglichen. Revolutionäre Neuerungen sind aber nicht zu erwarten.

Herausstechen werden aber zwei bekannte Namen: Es wird neue Geräte unter den Markennamen Nokia und Blackberry geben. Allerdings nicht von den Unternehmen, die einst den Handymarkt dominierten, sondern von Lizenznehmern, die lediglich die Marken nutzen. Da ist einerseits die finnische Firma HMD, die Nokia revitalisieren will. Und andererseits der chinesische Elektronikkonzern TCL, der bereits mit einigem Erfolg Alcatel-Smartphones baut und jetzt auch Partner von Blackberry ist. Ihr Vorteil: Samsung verzichtet dieses Jahr darauf, auf dem MWC ein neues Spitzenmodell vorzustellen – und überlässt der Konkurrenz das Rampenlicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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