Mobile World Congress: Höttges contra Zuckerberg

Mobile World Congress: Höttges contra Zuckerberg

von Jürgen Berke

Zuckerberg, der Visionär, und Höttges, der Nörgler - unterschiedlicher konnten die Auftritte der Hauptdarsteller auf dem Mobile World Congress in Barcelona kaum sein.

Ginge es allein nach der Länge der Warteschlange, die sich vor dem Auditorium auf dem Mobile World Congress in Barcelona auftut, dann ist Mark Zuckerberg der ungekrönte König der Mobilfunkwelt. Bereits zwei Stunden vor seinem Auftritt um 18 Uhr stellten sich die ersten Messebesucher an, um möglichst nahe an den Facebook-Gründer heranzukommen.

Dann ist es soweit - und ganz schnell wird klar, dass der 30-Jährige eigentlich ein Fremdkörper unter all den Anzugträgern ist. Graues T-Shirt, Blue Jeans und mit einem etwas schelmischen Lächeln nimmt Zuckerberg auf der Bühne Platz. Gerne redet er über seine Initiative, das Internet in die bislang nicht versorgten Entwicklungsländer zu bringen.

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Die Themen des MWC

  • Neue Handys

    Samsung wird in Barcelona voraussichtlich sein neues Top-Smartphone präsentieren, das es mit Apples iPhone 6 aufnehmen soll. Aber auch andere Anbieter wie LG oder die chinesischen Rivalen Lenovo, Huawei und ZTE dürften mit frischen Modellen antreten.

  • Internet der Dinge

    Schon im vergangenen Jahr gab es in Barcelona unter anderem die Zahnbürste mit Internet-Anbindung, jetzt werden noch viel mehr vernetzte Geräte bis hin zu Autos zu sehen sein. Diese Vernetzung gilt als Grundlage für viele neue Geschäftsmodelle.

  • Wearables

    Die Geräteklasse der Mini-Computer, die man am Körper trägt, wächst schnell. Neben Fitness-Armbändern gibt es vor allem immer mehr Computer-Uhren. Ein Diskussionsthema ist der Umgang mit zum Teil sehr persönlichen Daten, die dabei entstehen.

  • Neues zu 5G

    Mit der wachsenden Smartphone-Nutzung und dem Internet der Dinge werden auch schnellere und leistungsstärkere Netze benötigt. Abhilfe soll der neue Datenfunk-Standard 5G schaffen. An seiner Ausgestaltung wird noch gearbeitet.

  • Internet für Entwicklungsländer

    Nach Barcelona kommt zum zweiten Mal Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der für sein Projekt Internet.org wirbt. Es soll günstige Online-Anschlüsse in Entwicklungsländern fördern, die Mobilfunk-Anbieter waren bisher skeptisch.

Sobald er darauf angesprochen wird, dass der Siegeszug seines Geschäftsmodells des kostenlosen Social Networkings gerade die Haupterlösquelle der Netzbetreiber - das Telefonieren und SMS-Verschicken - den Todesstoß versetzt, wirkt er nervös. "Ich bin nicht die Regulierungsbehörde." Dieser Satz fällt allein an diesem Abend vier Mal.

Neun Stunden zuvor hatten die Dinosaurier der Telekom-Welt mit ihren Grundsatzreden den Mobile World Congress eröffnet. Vor 25 Jahren entwickelte Europa den GSM-Standard und schaffte die Grundlage für den Siegeszug des digitalen Mobilfunks rund um den Globus. Dass Telefonica-Chef Cesar Alierta, Telekom-Chef Timotheus Höttges und Vodafone-Chef Vittorio Colao als erste die Bühne betreten dürfen, haben sie dieser historischen Leistung ihrer Vorgänger zu verdanken.

In Feierlaune sind sie aber gar nicht. Alle drei nörgeln, was das Zeug hält - insbesondere über die ungleichen Chancen im mobilen Internet. Der Siegeszug der Smartphones und mehr noch das Internet der Dinge mit künftig bis zu zehn Milliarden vernetzten Geräten und Maschinen weltweit - die Furcht ist groß, dass davon vor allem die Internetgiganten in den USA wie Google, Apple und Facebook profitieren. Ein Grund: Für sie gibt es keine Datenschutz- und Regulierungsauflagen.

Zahlen und Fakten zum Smartphone-Markt

  • Verkaufszahlen

    Im vergangenen Jahr wurden rund 1,3 Milliarden Smartphones verkauft. Laut dem Marktforscher IDC war das ein Plus von 27,6 Prozent. Die Marke von einer Milliarde war erst 2013 geknackt worden.

  • Apple vs. Samsung

    Samsung und Apple lieferten sich im Weihnachtsquartal ein Kopf-An-Kopf-Rennen um den Spitzenplatz beim Absatz mit rund 75 Millionen verkauften Smartphones.

  • Der Preis macht Apple am profitabelsten

    Die teureren iPhones (Durchschnittpreis zuletzt 687 Dollar) machen Apple mit Abstand zum profitabelsten Anbieter.

  • Samsungs Marktanteil

    Im gesamten Jahr 2014 verkaufte Samsung klar die meisten Smartphones mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent. Das war allerdings ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 31 Prozent 2013. Apple liegt bei rund 15 Prozent der weltweiten Verkäufe.

  • Die Nummer drei auf dem Smartphonemarkt

    Zur weltweiten Nummer drei im Smartphone-Markt wurde mit dem Kauf des Handy-Pioniers Motorola der weltgrößte PC-Hersteller Lenovo. Die Chinesen erreichten zuletzt einen Marktanteil von 6,6 Prozent.

  • Der Handy-Markt

    Smartphones machen inzwischen mehr als zwei Drittel des gesamten Handy-Marktes aus.

  • Android und iOS

    Das Google-Betriebssystem Android und die iOS-Plattform füllen zusammen mehr als 90 Prozent des weltweiten Smartphones-Marktes aus. Entsprechend wenig Platz bleibt für die Anbieter anderer Systeme.

"The same service - the same rules", fordert Alierta und bekommt volle Rückendeckung von Höttges und Colao. Die Europäer geben in Barcelona ein schreckliches Bild ab. Laut aktueller Marktprognosen stehen dem Mobilfunk die besten Boom-Jahre noch bevor. Doch die rasant ansteigende Datennutzung schlägt sich nicht in den Bilanzen der europäischen Telekom-Konzerne nieder.

Höttges spricht inzwischen offen von "einem Zusammenstoß der Geschäftsmodelle. "Bietet Facebook Kommunikationsdienste an? Natürlich. Und die gibt es auch noch zum Nulltarif. Wie können wir konkurrenzfähig sein, wenn es nichts kostet?" forderte Höttges die Politiker in Berlin und Brüssel zum Handeln auf.

Mobile World Congress 2015

Höttges wäre nicht Telekom-Chef, wenn er nicht einen Ausweg aus der Misere aufzeigen könnte. Die Netzbetreiber könnten konkurrenzfähig gegenüber den Internet-Giganten in den USA sein, wenn sie ihren Kunden die schnelleren, zuverlässigeren und sicheren Verbindungen und Produkte bieten könnten. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg.

All die Visionen einer total vernetzten Welt, in der auch Autos und Maschinen ständig untereinander Daten austauschen und sich automatisch steuern, scheiterten bislang am Veto der Controller. Die Mobilfunknetze so lückenlos auszurollen, dass es wirklich keine Funklöcher und Verbindungsabbrüche gibt - diese Milliardeninvestition scheut bislang jeder Netzbetreiber.

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