Mobilfunk: Wie Telefónica Spusu aussperren will

Mobilfunk: Wie Telefónica Spusu aussperren will

von Jürgen Berke

Ein Discounter aus Österreich will den deutschen Mobilfunkmarkt aufmischen. Doch der spanische Telekom-Konzern lässt ihn nicht rein. Spusu beruft sich auf die EU-Kommission – und will zur Not durch alle Instanzen.

Franz Pichler ist ein ganz kleiner Fisch im Haifischbecken der großen Mobilfunkkonzerne. Seine Firma heißt Mass Response, beschäftigt gerade mal 50 Mitarbeiter und meldete im vergangenen Jahr einen Umsatz von mickrigen sieben Millionen Euro.
Doch das dürfte sich bald ändern: Der 50-Jährige Firmengründer nimmt den österreichischen Platzhirschen mit seinem neusten Produkt seit geraumer Zeit eine stattliche Zahl an Stammkunden weg.

Unter dem schräg klingenden Kunstnamen „spusu“ – die Buchstaben stehen für „sprich und surf“ – zettelt Pichler seit Juni 2015 mit supergünstigen Tarifen für Smartphones einen Preiskampf in der Alpenrepublik an. Verträge mit einem Datenvolumen von 1,3 Gigabyte verkauft „spusu“ schon für sechs Euro pro Monat, zehn Gigabyte kosten gerade mal 19,79 Euro pro Monat. Bei den etablierten Anbietern müssen Kunden häufig das Doppelte zahlen. 50.000 Mobilfunkkunden konnte spusu mit solchen Discount-Tarifen bereits gewinnen.

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Für Pichler ist Österreich der Testlauf für eine europaweite Expansion. Als nächstes will der Discounter seine Schnäppchen deutschen Kunden schmackhaft machen. Doch der eigentlich für diesen Sommer geplante Stapellauf verzögert sich. Der Grund: Der Mobilfunkbetreiber Telefónica boykottiert den Konkurrenten aus dem Nachbarland.

Die zehn umsatzstärksten Telekomkonzerne der Welt

  • AT&T (USA)

    AT&T (USA)
    Der US-amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T Inc. war aufgrund seiner Monopolstellung in den USA und Kanada lange Zeit die größte Telefongesellschaft und Kabelfernsehbetreiber der Welt.
    Umsatz: 100 Mrd. Dollar

    Umsatz 2014, Werte gerundet; Quelle: Bloomberg

  • Verizon (USA)

    Verizon (USA)
    Das US-amerikanisches Telekommunikationsunternehmen Verizon Communications mit Hauptsitz in New York landet mit 96 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2014 auf Platz 2.
    Umsatz: 96 Mrd. Dollar

  • NTT (Japan)

    NTT (Japan)
    Die Nippon Telegraph and Telefone Corporation (NTT) ist in Japan der Marktführer unter den Telekommunikationsunternehmen. Mit 81 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2014 ist das Unternehmen der drittumsatzstärkste Telekommunikationskonzern der Welt.
    Umsatz: 81 Mrd. Dollar

  • China Mobile (China)

    China Mobile (China)
    Nach Kundenzahl ist China Mobile Ltd. ist mit mehr als 815 Millionen Kunden (Stand: erstes Quartal 2015, eigene Angaben) der weltweit größte Mobilfunkanbieter der Welt. Im Geschäftsjahr 2014 erwirtschaftete das chinesische Unternehmen rund 79 Milliarden Dollar und landet damit auf Platz 4.
    Umsatz: 79 Mrd. Dollar

  • Deutsche Telekom (Deutschland)

    Deutsche Telekom (Deutschland)
    Die Deutsche Telekom AG ist eines der größten europäischen Telekommunikationsunternehmen. Mit über 150,5 Millionen Kunden (Stand: 2014, eigene Angaben) ist der Mobilfunk der größte Unternehmensbereich. Außerhalb Deutschlands bietet der Konzern Mobilfunkdienste in den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Griechenland, Rumänien und Polen an.
    Umsatz: 63 Mrd. Dollar

  • Telefónica (Spanien)

    Telefónica (Spanien)
    Das global agierende Telekommunikationsunternehmen Telefónica S.A. ist vorwiegend in Europa und Lateinamerika tätig, wo der Konzern vorwiegend unter der Marke Movistar auftritt. In Europa (außerhalb Spaniens) agiert Telefónica vor allem als O2. Auf dem spanischen Heimatmarkt und in Lateinamerika ist der Konzern Marktführer.
    Umsatz: 50 Mrd. Dollar

  • Softbank

    Softbank
    Die Softbank K.K. ist ein führender japanischer Telekommunikations- und Medienkonzern. Das Unternehmen ist vor allem im Bereich Telekommunikation tätig und verkauft damit einhergehend auch Mobilfunkgeräte und –Zubehör. Zum breiten Portfolio zählen aber auch die Entwicklung und Vermarktung von Online-Spielen, verschiedenen Internetdienstleistungen sowie Breitband-Technologien oder E-Commerce.
    Umsatz: 50 Mrd. Euro

  • Vodafone (Großbritannien)

    Vodafone (Großbritannien)
    Die Vodafone Group (ein Akronym aus voice, data und fone) ist ein international agierendes, britisches Mobilfunkunternehmen mit Hauptsitz in Newbury (Berkshire). Der Konzern ist auf fast allen europäischen Märkten präsent und erzielte einen Umsatz von 45 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2014.
    Umsatz: 45 Mrd. Dollar

  • América Móvil (Mexiko)

    América Móvil (Mexiko)
    Das mexikanische Unternehmen mit Firmensitz in Mexiko-City ist mit 289 Millionen Kunden (Stand: viertes Quartal 2014, eigene Angaben) der größte Mobilfunkanbieter in Lateinamerika. Mit insgesamt 48 Milliarden Dollar Umsatz landet es weltweit auf Platz 8.
    Umsatz: 48 Mrd. Dollar

  • China Telecom

    China Telecom
    China Telecom Corp. Ltd. war einst ein staatseigener Monopolbetrieb und ist heute der größte Telekommunikationsanbieter in China. Mit 40 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2014 landet die China Telecom auf Platz 10.
    Umsatz: 40 Mrd. Euro

Seit der Fusion von Telefónica (bekannt unter der Marke O2) und E-Plus ist der spanische Konzern mit 43 Millionen aktiven Sim-Karten der nach Kundenzahl größte deutsche Mobilfunker. Weil der Telekom-Gigant so mächtig ist, sollen Wettbewerber wie spusu bei ihm vorstellig werden, wollen sie auf den deutschen Markt. Seit zwei Jahren verhandelt Pichler bereits mit Telefónica. Doch bislang gibt es – so Pichler – „keine nennenswerten Fortschritte“.

Ist Telefónica verpflichtet, spusu in den Markt zu lassen?

Dabei wäre Telefónica nach Ansicht von Pichler verpflichtet, spusu rein zu lassen. Die Brüsseler EU-Kommission hatte den Zusammenschluss von E-Plus und Telefónica im Jahr 2014 nur unter der Auflage gebilligt, dass der neue Telekom-Riese das zusammengelegte Mobilfunknetz für Neulinge öffnet und einen Teil der Netzkapazitäten zu günstigen Einkaufskonditionen für Untermieter bereitstellt. Im Fachjargon heißen solche Discounter virtuelle Mobilfunkbetreiber.

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Der Begriff taucht auch in der Entscheidung der EU-Kommission auf. Doch zwischen Telefónica und spusu gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie er zu interpretieren ist. Nach Ansicht von Telefonica – so steht es zumindest auf einer für Interessenten eingerichteten Web-Seite - fallen darunter nicht Mobilfunkanbieter, die weitgehend autonom mit eigener Festnetzinfrastruktur die Mobilfunk-Stationen verbinden. Das aber plant spusu mit eigner Technik und entfacht damit den Streit. „Wir bieten an, wozu wir laut den Auflagen verpflichtet sind“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme von Telefónica. „Zu Verhandlungen mit einzelnen Interessenten äußern wir uns nicht.“

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