Mobilfunkkonzern: Vodafone zahlt für Megadeal in Europa null Cent Steuern

Mobilfunkkonzern: Vodafone zahlt für Megadeal in Europa null Cent Steuern

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Als Steuerhinterzieher beschimpft: Protest vor einem Vodafone-Shop in Großbritannien

von Yvonne Esterházy und Jürgen Berke

Vodafone kassiert 100 Milliarden Euro fast steuerfrei. Beim Verkauf der Verizon-Wireless-Beteiligung zahlen die Briten fünf Milliarden Dollar in den USA - und Europa nichts. Wie Vodafone Schlupflöcher ausnutzt.

Vodafone-Chef Vittorio Colao erwies sich in der Stunde des Triumphs als Meister des britischen Understatements: „Wir erhielten ein Angebot, von dem wir glaubten, es im Interesse unserer Aktionäre akzeptieren zu müssen – letztlich war es so einfach“, antwortete der Italiener am vergangenen Montag bescheiden auf die Frage, was ihn bewogen habe, dem Verkauf der 45-Prozent-Beteiligung am US-Rivalen Verizon Wireless an den Mutterkonzern Verizon zuzustimmen. Dabei hatten beide Seiten monatelang hart verhandelt. Colaos Safari-Sommerurlaub in Tansania wurde wegen der „Geheimsache Adler“ jedenfalls von vielen Anrufen und E-Mails gestört.

Der Ausstieg aus dem Joint Venture wird dem Mobilfunkriesen einen Geldregen von 130 Milliarden Dollar (knapp 100 Milliarden Euro) bescheren. Noch mehr entzückt die Vodafone-Spitze, dass auch ein zweites Ziel erreicht wird: den Verkaufserlös trotz der jetzt materialisierten Wertsteigerung von gut 100 Milliarden Dollar weitgehend steuerfrei zu kassieren. Nach Auskunft von Finanzvorstand Andy Halford werden für die Transaktion lediglich Steuern von rund fünf Milliarden Dollar fällig – in den USA, nicht in Europa.

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Dabei ist der Deal die drittgrößte Übernahme aller Zeiten. Nur die Käufe von Time Warner durch AOL sowie von Mannesmann durch Vodafone wurden bei ihrer Ankündigung höher bewertet.

Der Fiskus in Europa geht weitgehend leer aus, weil das international verschachtelte Beteiligungsgeflecht von Vodafone ganz auf Steuervermeidung ausgerichtet ist. Sehr geschickt und kreativ, aber ganz legal gelingt es dem Mobilfunkriesen so, auf den Gewinn aus dem Verkauf keinen Penny Steuern an die britischen Finanzbehörden abzuführen. Die Verizon-Beteiligung wird von einer Vodafone-Gesellschaft in den Niederlanden gehalten. Die gehört zu einem Unternehmen, das in den USA sitzt, aber nur die dort übliche Minimalabgabe entrichten muss. In den Niederlanden fallen auf die Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen keine Steuern an. Die verschachtelte Firmenkonstruktion ist ein Erbe aus 1999, als die Briten den US-Mobilfunkanbieter Air Touch kauften, der schließlich in Verizon Wireless aufging.

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Umweg über die Niederlande

Der Umweg über die Niederlande wäre rückblickend gar nicht notwendig gewesen. Drei Jahre nach dem Einstieg in den USA lockerte die Labour-Regierung die Steuergesetze: Seit 2002 müssen Unternehmen Gewinne aus dem Verkauf von Firmenanteilen von mehr als zehn Prozent nicht versteuern, wenn sie diese mindestens ein Jahr besaßen. Seit 2009 müssen britische Konzerne auch auf Dividenden von Auslandstöchtern keine Steuern zahlen. Labour wollte den Standort attraktiver machen.

Auch der konservative Premier David Cameron, der Steuervermeidung durch internationale Konzerne und das Austrocknen von Steueroasen in den Mittelpunkt der britischen G8-Präsidentschaft gestellt hatte, gewährt Unternehmen in seiner Heimat neue Steuerrabatte – schließlich lockt Nachbar Irland mit einem Körperschaftsteuersatz von nur 12,5 Prozent (Großbritannien: 23 Prozent) US-Konzerne an. Lucy de Beauvoir vom Kampagne-Netzwerk UK Uncut missbilligt solche Steuergeschenke und hält den Fall Vodafone für „skandalös“.

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