Musikrechte: Bertelsmann goes Country

Musikrechte: Bertelsmann goes Country

, aktualisiert 31. Januar 2017, 15:32 Uhr
von Catrin BialekQuelle:Handelsblatt Online

Die Bertelsmann-Tochter BMG will das größte unabhängige Country-Label, die BBR Music Group, übernehmen. Für den Medienriesen aus Gütersloh birgt das zwei Vorteile: mehr Country und mehr USA.

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Der US-Countrystar singt bald für die deutsche Bertelsmann-Gruppe.

DüsseldorfZu den bekanntesten Künstlern, die das amerikanische Country-Label Broken Bow Records (BBR) zu bieten hat, gehört zweifelsohne Jason Aldean. Der 39-jährge Countrysänger bedient mühelos fast jedes Klischee, das über die bodenständige Musikrichtung kursiert: Auffälliger Silberschmuck, weit aufgeknöpftes Holzfällerhemd und ein tief in die Stirn gezogener Cowboyhut – in dieser Aufmachung stimmt er Erfolgssongs wie „Why“ oder „She's Country“ an.

Bald wird Aldean nicht mehr ein US-Musiklabel als Verwerter seiner Urheber- und Aufnahmerechte haben, sondern ein deutsches Unternehmen. BMG, die Musiktochter des Gütersloher Familienunternehmens Bertelsmann, hat die 100-prozentige Übernahme der in Nashville ansässigen unabhängigen Musikgruppe BBR Music Group, einschließlich der Labels Broken Bow Records, Stoney Creek Records, Wheelhouse Records, Red Bow Records sowie des Musikverlags Magic Mustang Music angekündigt.

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Es ist die größte Übernahme von BMG seit Neugründung des Unternehmens im Jahr 2008. Über die Höhe des Kaufpreises herrschte Stillschweigen. In Medienberichten ist die Rede von einem Volumen von mehr als 100 Millionen Dollar.

BMG vergrößert mit diesem Zukauf seinen Besitz an amerikanischen Musikrechten. Vor einem Jahr sicherte sich das Berliner Unternehmen die Rechte von Blues und Rock'n'Roll-Klassikern und übernahm außerdem das Management des Pink-Floyd-Katalogs von Songwriter Roger Waters. Und nun also Country-Musik: Die Stilrichtung gehört zu den umsatzstärksten Genres in den USA, und Bertelsmann verspricht sich davon nicht nur eine höhere Kompetenz in diesem Musikbereich, sondern auch mehr Einfluss im amerikanischen Musikgeschäft.

Bei dem US-Musiklabel soll zunächst alles beim Alten bleiben. Gründer Benny Brown werde dem Unternehmen nach der Transaktion weiterhin beratend zur Seite stehen, heißt es in einer Mitteilung, während die 48 Mitarbeiter ihre Funktionen behalten sollen. Geführt wird das Unternehmen künftig von Zach Katz, dem US-Chef von BMG. Das Label BBR gilt als das zweitwichtigste Country-Unternehmen in den USA – nach Big Machine Records, dem Label der Popsängerin Taylor Swift, die einst als Country-Sängerin begann.


Bertelsmann will Künstlern den Weltmarkt öffnen

„BBR Music Group ist ein phänomenal erfolgreiches Unternehmen, dessen Philosophie und Verpflichtung gegenüber seinen Künstlern perfekt zur neuen BMG passen“, sagte BMG-Chef Hartwig Masuch. Die Kombination aus BBR und BMG eröffne den Künstlern und Songwritern in Nashville einen neuen Weg in den weltweiten Markt. „Wir werden die Alternative bieten, nach der so viele Künstler suchen.“

Label-Gründer Brown zeigte sich nach der Verkündigung der Übernahme emotional. „Seit 2001 sind viele größere Labels an mich herangetreten und wollten uns kaufen. Für mich waren immer meine Künstler, meine Mitarbeiter und meine Songwriter am wichtigsten. Sie sind meine Familie“, meinte er. „Nachdem ich mich mit Hartwig und Zach getroffen hatte, wusste ich, dass ich die richtigen Partner gefunden hatte, um sicherzugehen, dass meine Familie zusammen bleiben und das Erbe der BBR Music Group erhalten bleiben kann.“ Nach Browns Worten war BBR eines der allerersten Indie-Labels überhaupt, die den Durchbruch in der Country-Musik geschafft haben.

Bertelsmann hatte BMG nach dem Rückzug aus dem traditionellen Musikgeschäft 2008 mit einem auf das digitale Zeitalter ausgerichteten Geschäftsansatz neu gegründet. Da die viele Menschen ihre Musik heutzutage streamen, also ausleihen, und nicht mehr physisch besitzen wollen, hat sich BMG vom klassischen Tonträgergeschäft verabschiedet. BMG ist heute ein Musikrechteunternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 360 Millionen Euro. Die Firma ist die Nummer vier im Musikrechtemarkt.

Im Hause Bertelsmann ist die Freude groß, dass sich BBR für ein deutsches Unternehmen entschieden hat. Und mit Sänger Jason Aldean hat BMG einen starken Umsatzbringer mit eingekauft: mehr als 14 Millionen Alben, einschließlich 18 Nummer-Eins-Country-Singles und sieben einfach oder mehrfach mit Platin ausgezeichneten Alben. An diese Bilanz will man anknüpfen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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