Nach Rekordhoch: Facebook stimmt auf härtere Zeiten ein

Nach Rekordhoch: Facebook stimmt auf härtere Zeiten ein

, aktualisiert 02. Februar 2017, 04:49 Uhr
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Facebook übertrifft mit seinem Quartalsbericht einmal mehr die Erwartungen. Hat das Werbewachstum bei dem sozialen Netzwerk nun sein Limit erreicht?

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Beim Umsatz und Gewinn erreicht Facebook abermals Höchststände. Weniger Wachstum, mehr Kosten: Facebook ist so stark wie nie zuvor, aber muss sich trotzdem neu erfinden. Wird es Mark Zuckerberg ein zweites Mal gelingen?

San FranciscoMit einem Rekordquartal verabschiedet sich Facebook von seinen wilden Sturm- und Drangjahren. Umsatz, Gewinn und Aktienkurs stehen auf Spitzenniveau. Trotzdem sind viel Anleger verunsichert. Ist das alles nicht doch zu schön, um wahr zu sein? Nachbörslich stieg die Facebook-Aktie, die seit Jahresbeginn bereits 16 Prozent zulegen konnte, zunächst um mehr als zwei Prozent. Später musste sie die meisten Gewinne aber wieder abgeben.

Facebooks Nettogewinn war mit 3,57 Milliarden Dollar mehr als doppelt so groß wie im Vorjahr mit 1,56 Milliarden Dollar. Doch das Ende der Fahnenstange ist bereits in Sicht. Dahinter steckt ein Luxusproblem, das im Werbemarkt wurzelt.

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Dort ist Facebook dermaßen erfolgreich, dass der Gesamtumsatz im vierten Quartal mit 8,81 Milliarden Dollar um 51 Prozent höher lag als im Vorjahr. Diese Einnahmen stammen fast komplett aus der Werbung.

Doch in der „Timeline“ jedes Nutzers lässt sich nur eine begrenzte Anzahl an bezahlter Werbung zwischen die Postings von Freunden und Familie schalten, ohne diesen so verärgern, dass er irgendwann wegbleibt. Die genaue Prozentzahl an Werbung wird im Quartalsbericht nicht genannt, aber schon im November kam die Warnung, man werde 2017 nicht mehr so wie früher auf ein massives Werbewachstum als Umsatztreiber vertrauen können.

Zwar steigt auch die Nutzerschaft des sozialen Netzwerks weiter, aber ein Zuwachs von 17 Prozent auf 1,86 Milliarden ist nicht mehr kräftig genug, um die früheren Wachstumsraten aufrechtzuerhalten.

Neue Wachstumsquellen müssen her. Das Kunststück eines Totalumbaus hat Mark Zuckerberg schon einmal vollbracht. Kurz nach dem Börsengang kollabierte der Aktienkurs Richtung zehn Dollar, weil das Unternehmen einräumen musste, im wichtigen Markt für mobile Internetwerbung schlicht nicht vertreten zu sein. Es dauerte kein Jahr, bis das Unternehmen das Problem gerichtet hatte, und seitdem geht es nur noch aufwärts. Der Aktienkurs steht heute bei 137 Dollar.

Im abgelaufenen Quartal betrug der Anteil der Mobilwerbung auf Smartphones und Tablets 84 Prozent der gesamten Werbeeinnahmen. Facebook wird bald aufhören, mobile Werbung getrennt auszuweisen, weil es praktisch mit Werbung identisch ist.


Wie Zukäufe Facebook unter die Arme greifen könnten

Nun aber wird es langsam Zeit, dass die milliardenschweren Akquisitionen der vergangenen Jahre dem Mutterkonzern unter die Arme greifen. Da ist etwa das Unternehmen Oculus mit seiner virtuellen Datenbrille „Rift“, für das Facebook mehr als zwei Milliarden Dollar hingelegt hatte. fertigte Doch im Analystengespräch fertigte COO Sheryl Sandberg den früheren Hoffnungsträger praktisch nebenbei ab: „Oculus ist kein materieller Bestandteil unseres Geschäfts.“ Das Unternehmen wurde von der virtuellen Realität zum realen Desaster. Facebook hatte Bedarf und Timing offenbar falsch eingeschätzt.

Am Mittwoch kam ein Gerichtsurteil hinzu, demzufolge Oculus wegen Vertragsbruchs 500 Millionen Dollar an einen Wettbewerber zahlen muss. Der Chef von Oculus ist bereits ausgetauscht, und gegen das Urteil ist Berufung möglich. Dennoch sei von dort in absehbarer Zeit kein Gewinnbeitrag zu erhoffen, räumt Zuckerberg ein. Das könnte noch zehn Jahre dauern.

Weitere Zukäufe sind WhatsApp für 22 Milliarden und der Facebook Messenger. Beide haben über eine Milliarde Nutzer, aber noch kein Geschäftsmodell. Dazu kommt Instagram, das Facebook sich im Jahr 2012 eine Milliarde Dollar kosten ließ. Instagram ist am weitesten entwickelt, hat bereits Werbeeinnahmen, steht aber dieses Jahr vor seiner größten Herausforderung. Rivale Snapchat steht vor dem Börsengang.

Sollte der klappen, wird sich die Konkurrenzsituation zwischen den Foto-Netzwerken weiter verschärfen. Aber Instagram ist Zuckerbergs größter Hoffnungsträger. Analyst Ron Josey von JMP Securities schätzt den Instagram-Umsatz im abgelaufenen Quartal auf rund 850 Millionen Dollar.

Eine „bedeutende“ Abschwächung des Werbewachstums gekoppelt mit einer kräftigen Steigerung der Kosten verspricht eine interessante Kombination für 2017. Im vierten Quartal 2016 waren mit 17.000 Menschen bereits 34 Prozent mehr Mitarbeiter im Unternehmen. Und während der Präsentation der Zahlen ließ Finanzvorstand David Wehner keinen Zweifel am Bestand der bereits angekündigten Strategie, aggressiv in Mitarbeiter in Bereichen wie der Entwicklungsabteilung zu investieren. Die Ausgaben für R&D waren bereits von 1,2 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf 1,5 Milliarden im vergangenen Quartal gestiegen.

Und zum Schluss ist da noch ein Punkt, der völlig im Dunkeln liegt. So genannte „Fake News“ werfen nicht nur gesellschaftliche Fragen auf, sie sind für Facebook auch ein finanzielles Problem. Wie groß der Anteil der Werbung in Konten und Seiten mit Fake News ist, weiß niemand, und Facebook schweigt zu diesem Thema. Sollte der Kampf gegen die Verbreitung gezielter Falschmeldungen Erfolg haben, dann könnte das auch einen Schlag für die Werbeeinnahmen bedeuten. Würde darunter letztlich auch das Ergebnis leiden, sollte man das Facebook jedoch verzeihen können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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