Snapchat-Mutter Snap weitet Verlust aus

Nach schlechten Quartalszahlen: Chinesen kaufen Anteil an kriselndem Facebook-Rivalen Snap

, aktualisiert 08. November 2017, 14:00 Uhr
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Die Snap-Aktie ist auf Talfahrt.

Die Firma hinter der Foto-App Snapchat hat die Anleger mit ihren frischen Quartalszahlen verschreckt. Die Aktie der Snap Inc. stürzte im nachbörslichen Handel um rund 16 Prozent ab.

Der chinesische Internet-Gigant Tencent steigt größer beim defizitären Snapchat-Betreiber Snap ein. Tencent habe ein Aktienpaket gekauft und halte damit einen Anteil von zwölf Prozent, teilte das US-Unternehmen am Mittwoch mit. Den Anlegern machte die Nachricht offenbar neue Hoffnung. Die Snap-Aktie grenzte im außerbörslichen Handel ihre Verluste etwas ein, nachdem sie nach enttäuschenden Quartalszahlen am Dienstagabend um rund 20 Prozent eingebrochen war.

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Quelle: REUTERS

Die Foto-App Snapchat wird nach erneut miesen Quartalszahlen grundlegend umgebaut. Man wolle sie einfacher nutzbar machen, kündigte Mitgründer und Chef der Betreiberfirma Snap, Evan Spiegel, am Dienstag an. Das solle Snapchat auch mehr ältere Nutzer bringen. Die Zahlen für das dritte Quartal fielen so desolat aus, dass die Aktie im nachbörslichen Handel um rund 16 Prozent abstürzte. Der Verlust hatte sich im Jahresvergleich mehr als verdreifacht, Umsatz und Nutzerzuwachs lagen deutlich unter den Erwartungen der Wall Street. Snap musste zudem rund 40 Millionen Dollar auf liegengebliebene Geräte seiner Kamera-Sonnenbrille abschreiben, die eigentlich ein Verkaufsschlager werden sollte.

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Die Zahl täglich aktiver Nutzer legte nur um drei Prozent auf 178 Millionen zu. Der Quartalsverlust erreichte 443,2 Millionen Dollar nach 124,2 Millionen vor einem Jahr. Der Umsatz stieg zwar um 62 Prozent auf knapp 208 Millionen Dollar - Analysten hatten aber mit fast 30 Millionen Dollar mehr gerechnet. Das bedeutet, das Geschäft mit Werbung kommt nicht so schnell in Schwung wie erhofft. Zuvor hatte sich Spiegel noch überzeugt gezeigt, dass die Anzeigenplattform von Snap der Konkurrenz überlegen sei und man das den Werbekunden nur beibringen müsse.

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Snap kündigte auch einen drastischen Einschnitt an: So soll die Funktionsweise der Snapchat-App geändert werden. Nutzer hätten sich oft beschwert, dass sie nur schwer zu verstehen sei, sagte Spiegel. „Deshalb designen wir die App gerade um, um sie einfacher nutzbar zu machen.“ Er räumte ein, dass die Veränderungen - zumindest kurzfristig - nicht allen aktuellen Nutzern gefallen könnten und unklar sei, wie sie darauf reagierten. „Wir sind bereit, dieses Risiko einzugehen, weil wir glauben, dass das langfristige Vorteile für unser Geschäft bringen wird.“ Teenager haben in der Regel auch bisher kein Problem mit der Bedienung, Erwachsene finden Snapchat oft verwirrend. Einen Zeitplan für das Redesign nannte Snap nicht.

Als weitere Neuerung soll die Reihenfolge der Fotos in der App geändert werden. Aktuell werden sie strikt chronologisch angezeigt, künftig soll Software sie nach vermuteter Relevanz für den Nutzer sortieren können. Diesen Weg gehen bereits auch Facebook und Twitter.

Nordamerika blieb die wichtigste Stütze des Snap-Geschäfts: Mit 77 Millionen täglichen Nutzern wurden dort 80 Prozent der Erlöse erzielt. In Europa stagnierte die Nutzerzahl bei 57 Millionen - und der Umsatz betrug nur 27 Millionen Dollar. Pro Nutzer machte Snap im vergangenen Quartal 2,17 Dollar in Nordamerika und 48 US-Cent in Europa.

Die Höhe der Abschreibung auf die 130 Dollar bzw. 150 Dollar teure Foto-Brille „Spectacles“ bestätigte Medienberichte, wonach Snap auf mehreren hunderttausend nicht verkauften Geräten sitzengeblieben ist. Man habe das anfängliche Interesse überbewertet und zu viele Kamerabrillen bestellt, räumte Snap ein. Man werde sie aber weiterhin verkaufen, hieß es.

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