Napster-Manager Patric Niederländer: Der Überlebenskampf der Musik-Streamer

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InterviewNapster-Manager Patric Niederländer: Der Überlebenskampf der Musik-Streamer

von Stephan Happel

Als Tauschbörse lehrte Napster die Musikindustrie das Fürchten. Als Streaming-Dienst hilft er nun dabei, die Branche umzukrempeln - und vor allem das Auto als Markt für sich zu erobern.

Sie gelten als die großen Wandler, sind aber bislang keine Gewinner. Streaming-Dienste wie Spotify, Napster und Deezer krempeln das Geschäft der Musikindustrie um. Sie nehmen den CD-Verkäufern genauso Kunden weg, wie dem Download-Portal iTunes. Wirtschaftlich bleibt der Erfolg aber noch aus.

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Beispiel Rhapsody: Eine der Größen im Geschäft, und Mutterkonzern von Napster, setzte im zweiten Quartal 42.5 Millionen US-Dollar um – 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dennoch machte der Musikdienst 4.7 Millionen Dollar Verlust.

Im Interview spricht Patric Niederländer, Napster-Manager und mitverantwortlich für das Europa-Geschäft, über den Konkurrenzkampf in der Branche und die Chancen neue Kunden für sich zu gewinnen.

Patric Niederländer ist Vice President Business Development von Napster in Europa.

Patric Niederländer ist Vice President Business Development von Napster in Europa.

Herr Niederländer, in Deutschland hat sich die Zahl der Musikstreaming-Nutzer innerhalb eines Jahres verdreifacht und der Umsatz verdoppelt. Wie schauen denn die Napster-Zahlen aus?
Patric Niederländer: Ich kann für Napster und unsere Dachmarke Rhapsody nur die globalen Zahlen nennen. Da liegen wir voll im Trend: 2013 hatten wir über 1,3 Millionen zahlende Kunden. Im Juni haben wir dann die Zwei-Millionen-Grenze geknackt.

Es gibt Dutzende andere Anbieter. Wie hart ist der Konkurrenzkampf?
Der Markt ist extrem fragmentiert. Allein in Deutschland gibt es derzeit etwa 18 Streaming-Dienste – wenige namhafte. Es zeichnet sich eine Marktkonsolidierung ab. Global werden in einigen Jahren zwischen zwei und vier Anbieter den Markt dominieren. Lokal haben dann vielleicht noch einige kleinere Dienste eine gewisse Relevanz.

Musikstreaming in Deutschland

  • Nutzer

    Laut einer Studie von Bitkom und Deloitte nutzen insgesamt 18 Millionen Deutsche Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer, Napster oder Soundcloud. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Nutzer verdreifacht. 2013 nutzten erst sechs Millionen Verbraucher Musikstreaming.
    Zudem ist Musik-Streaming deutlich bekannter als noch vor einem Jahr. Zwei von drei Internetnutzern (65 Prozent) kennen laut Studie Streaming-Dienste, 2013 war es nicht einmal jeder Dritte (30 Prozent).

    Quelle: Bitkom/ Deloitte: Studie Die Zukunft der Consumer Electronics – 2014

  • Wer hört Musik per Streaming?

    Bei den 14- bis 29-jährigen hört laut Bitkom nutzt fast jeder Zweite Streaming-Dienste (48 Prozent), von den 30- bis 49-Jährigen gut jeder Dritte (36 Prozent). Bei den 50- bis 64-Jährigen ist es immerhin mehr als jeder Fünfte (22 Prozent).

    Quelle: Bitkom/ Deloitte: Studie Die Zukunft der Consumer Electronics – 2014

  • Umsatz

    Der Umsatz aus abonnementbasierten und werbefinanzierten Streaming-Diensten hat sich laut dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI)  in Deutschland binnen eines Jahres nahezu verdoppelt: von 30,1 Mio. Euro in der ersten Hälfte 2013 auf 57,4 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2014 (+91 Prozent).
    Bis 2020 prognostizieren die Experten aber ein Wachstum bis auf 770 Millionen Euro.

    Quelle: Bundesverband Musikindustrie (BVMI)

  • Anbieter

    Aktuell stehen den Nutzern in Deutschland laut BVMI 15 Audiostreaming-Dienste zur Auswahl, die von den Musikfirmen lizenziert wurden und Musikflatrates anbieten. Hinzukommen mehrere Anbieter, die lizenzfreie Musik bieten.

Gehört Napster zu den Überlebenden?
Schauen wir uns doch die Landschaft an. Spotify legt gut zu, das muss man neidlos anerkennen. Dann folgen je nach Markt Napster und Deezer. Wir sind in vielen Territorien unter den Top 3 im Markt. In Deutschland stehen wir solide auf der zwei, in Frankreich und Spanien auf der Zwei. Auch in Großbritannien und den USA zählen wir zu den Top-Playern. Natürlich bleibt die Frage, wie sich Apple mit Beats entwickeln wird und was Google macht.

Und, sind Ihre Sorgen groß?
Angst haben wir vor Google und Apple keine. Man darf sie natürlich nicht aus den Augen verlieren. Aber wir existieren seit mehr als zehn Jahren im Markt, bringen eine gewisse Erfahrung mit und haben gezeigt, dass wir uns auch international etablieren können.

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2011 wurde Napster aber von Rhapsody geschluckt. Was hat sich verändert?
Wir haben unter anderem unsere Internationalisierung vorangetrieben, die unter den alten Besitzern nicht sonderlich gefördert wurde.

Es gibt Gerüchte, dass Apple den Preis für seine Musikflatrate halbieren will. Spotify führt ein günstigeres Familienmodell ein. Klingt, als würden die Preise in der Branche fallen.
Das würde ich so nicht unterschreiben. Hinter dem Familientarif steckt kein Preisverfall, es handelt sich eher um einen Mengenrabatt. Was Apple mit Beats vorhat, müssen wir erstmal abwarten. Im Moment sind die Preise stabil. Ob das mittelfristig so bleibt, kann ich nicht beurteilen.

Dabei heißt es doch schon jetzt, dass das Geschäft der Streaming-Dienste nicht besonders einträglich ist.
Es ist ein margenschwaches Geschäft, das stimmt. Aber es ist ein funktionsfähiges Modell und wir leben bislang ganz gut davon. Sicher gibt es die eine oder andere Stelle in der Wertschöpfungskette, die man sich nochmal anschauen müsste.

Genauer bitte.

Von den Netto-Einnahmen fließen etwa 70 bis 75 Prozent an die Musikindustrie, also die Labels und Verlage. Aus dem verbleibenden Anteil müssen Forschung und Entwicklung, Marketing und administrative Kosten gedeckt werden. Daher ist die Skalierung ein wichtiger Faktor, um das Geschäft langfristig betreiben zu können. Mittelfristig kann auch die Erschließung weiterer Einnahmequellen in den Bereichen Vermarktung oder eCommerce zu einer Erhöhung der Einnahmen und Margen führen. Hier ist aber darauf zu achten, dass die Nutzer nicht in der Art und Weise wie sie Musik konsumieren möchten gestört werden.

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