Netzausrüster: Huawei - verlängerter Arm chinesischer Geheimdienste

Netzausrüster: Huawei - verlängerter Arm chinesischer Geheimdienste

von Matthias Kamp und Jürgen Berke

Nach dem NSA-Abhörskandal lehnt sich China entspannt zurück und kostet die Empörung der Europäer über die Datenjäger in den USA aus. Doch das Riesenreich spioniert intensiver denn je – wohl mit tatkräftiger Unterstützung eines der weltgrößten Netzausrüster.

In der Dunkelheit sind die Scharfschützen kaum zu erkennen. Doch sie sind überall auf den Dächern des Bayerischen Hofs. In den unteren Etagen des Münchner Nobelhotels debattieren an diesem Abend Anfang Februar Diplomaten und Minister über die Krisen und Konflikte in der Welt. US-Außenminister John Kerry ist gekommen, sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier, auch die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist da. Es ist Sicherheitskonferenz, die ganze Welt schaut zu.

Acht Stockwerke über den Konferenzsälen hat John Suffolk zum Dinner geladen. Der Brite ist als Chief Cyber Security Officer des chinesischen Netzausrüsters Huawei zuständig für die Datensicherheit des Unternehmens, das Telekomkonzerne in aller Welt mit Netzwerklösungen ausstattet. David Stulb, weltweiter Chef für Betrugsermittlungen beim Wirtschaftsprüfer EY, ist gekommen, ebenso Eberhard Sandschneider, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und einer der besten Chinakenner. Neben Suffolk sitzen zwei Ex-Verteidigungsminister: Rudolf Scharping (SPD) und Franz Josef Jung (CDU).

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Es gibt Champagner, Fisch als Vorspeise, dann Steak an buntem Gemüse. Im Kamin knistert das Holz, die Stimmung ist gelöst. „Um die Sicherheit müssen wir uns hier ja keine Sorgen machen“, witzelt Suffolk und deutet auf die Sniper auf der Dachterrasse. Ernst wird der Brite dann, als es um IT-Sicherheit geht. Denn er kennt die Spionagevorbehalte im Westen: „Wir sind ein Unternehmen mit Sitz in China“, sagt Suffolk, „auch deshalb stehen wir im Scheinwerferlicht.“ Er versucht, bei seinen Gesprächspartnern alle Bedenken zu zerstreuen: Niemals sei Huawei von irgendeiner Regierung aufgefordert worden, seine Produkte mit Einfallstoren auszustatten, die das geheime Anzapfen der Netze ermöglichen.

High-Tech-Strategie Magere Bilanz

Ein Grund für Chinas Industriespionage sind die schwachen Resultate der eigenen Innovationsoffensive.

Huawei CEO Richard Yu Quelle: REUTERS

Bedenken, mit denen sich wohl auch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auseinandersetzen muss. Am Freitag kommt Xi nach Deutschland, zunächst nach Berlin, dann nach Düsseldorf. Dort will er ein chinesisches Konsulat eröffnen, geplant ist auch ein Besuch der Deutschland-Zentrale von Huawei. Die Visite will Xi auch nutzen, um das Unternehmen als vertrauenswürdigen Netzausrüster darzustellen, der den über seine Netzkomponenten geleiteten Internet-Verkehr natürlich nicht anzapft und ausspioniert.

Zuletzt hatte sich der Wirbel um Cyberattacken aus dem roten Riesenreich zwar etwas gelegt. Die Welt empört sich zurzeit vor allem über von den Amerikanern angezapfte Kanzlerinnen-Handys und das exzessive Datensammeln des US-Geheimdienstes NSA, der zusammen mit in den USA beheimateten Web-Riesen wie Google, Microsoft, Apple, Skype, Yahoo und Facebook den gesamten globalen Internet-Verkehr nach verwertbaren Bits scannt. China kostet die weltweite Empörung über die amerikanischen Spionagepraktiken genüsslich aus, lenkt sie doch von den eigenen, immer intensiveren Spähattacken ab. Mit einer Charmeoffensive will Huawei deshalb Vorbehalte bei den europäischen Regierungen abbauen und die letzte Bastion der Europäer im Internet knacken: das von Ericsson, Nokia Solutions and Networks und Alcatel-Lucent dominierte Geschäft beim Bau von Datenautobahnen.

Der Konzern aus Shenzhen im Süden Chinas sieht sich seit Jahren mit dem Generalverdacht konfrontiert, sein breit gefächertes Sortiment aus Vermittlungsstellen, Mobilfunkstationen, Routern und Modems, die insbesondere bei europäischen Telekomanbietern reißenden Absatz finden, verschaffe den Chinesen Einfallstore für ihre Spionageaktionen. Huawei baut nicht nur die Netze, sondern wartet und betreibt sie mitunter auch – und ist so mit den Innereien der für den Transport von Bits und Bytes zuständigen Internet-Infrastrukturen bestens vertraut.

Behörden in wichtigen Auslandsmärkten verhängten bereits ein Embargo gegen Huawei und den ebenfalls in China ansässigen Konkurrenten ZTE. In den USA stufte ein Regierungsausschuss deren Produkte als Gefahr für die nationale Sicherheit ein. In Australien wurde Huawei untersagt, sich am Bau eines nationalen Breitbandnetzwerkes zu beteiligen. Und Südkorea sorgte auf Drängen der USA dafür, dass die Regierungskommunikation nicht über Netze mit Huawei-Komponenten geroutet wird.

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