Neuanfang beim IT-Konzern: So hat Marissa Mayer Yahoos Image poliert

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Neuanfang beim IT-Konzern: So hat Marissa Mayer Yahoos Image poliert

von Matthias Hohensee

Die Yahoo-Chefin hat den Konzern wieder populär macht – zumindest an der Börse. Doch kann die Internet-Veteranin und Promi-Workaholic auch dessen Umsatz beleben?

Mit ihr hatte niemand gerechnet. Am 17. Juli ist es ein Jahr her, dass Marissa Mayer – bis dahin das Gesicht von Google und Silicon Valleys prominentester Workaholic – den Chefposten bei Yahoo antrat. Nicht, dass es Mayer an Ehrgeiz gemangelt hätte. Im Gegenteil: Davon hat die 38-jährige Informatikerin, die Google-Chef Larry Page bei der Neuorganisation übergangen hatte,  mehr als genug. Schlicht und einfach, weil der Yahoo-Posten als Schleudersitz und ziemlich unglamourös galt. Drei CEOs hatte der Internet-Medienkonzern seit Januar 2009 verschlissen. Selbst Gründer Jerry Yang traf es.

Bei Mayers Antritt galt der Konzern als demoralisiert, mit zerstrittenen Fürstentümern, traumatisierten Ingenieuren und fatalistischen Anzeigen-Verkäufern. Im Wettbewerb hinkte Yahoo nicht nur hoffnungslos Google hinterher, sondern war auch noch von Newcomer Facebook im Werbebanner-Geschäft abgehängt worden, lange Jahre die Domäne von Yahoo. Der Ruf war so mies, dass Startups wie Yelp sich weigerten, von der gefallenen Ikone übernommen zu werden - aus Angst vor Infektion mit dessen Lethargie. Das einzige Plus war, dass Yahoo in den vergangenen zehn Jahren trotz aller Probleme stets Gewinne geschrieben hatte.

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Mayer war eine ungewöhnliche Wahl.  Als 20. Mitarbeiterin bei Google hatte sie Karriere in einem Unternehmen gemacht, das nie eine richtige Krise meistern musste und Wettbewerbsnachteile stets mit dem Scheckbuch wettmachen konnte. Mit Turnarounds hatte Mayer keine Erfahrung. CEO war die adrette Blondine auch nie gewesen.

Yahoo ist wieder da

Ein Jahr später ist Mayer das Unglaubliche gelungen. Yahoo ist wieder da. Sein angekratztes Image ist aufpoliert. Zumindest sehen das Aktionäre so. An der Börse ist der Wert des Konzerns seit ihrem Amtsantritt um 66 Prozent gestiegen. Das gelang in dem Zeitraum noch nicht einmal Google (42 Prozent). Vor allem aber wird Yahoo wieder ernst im Silicon Valley genommen. Sogar umschwärmt, weil Mayer heftig auf Shopping-Tour ist.

17 Unternehmen hat Mayer in ihrer Amtszeit akquiriert, allein 14 in diesem Jahr.  Ihr teuerster Einkauf ist bislang der Erwerb des New Yorker Mikro-Blogging Startups Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar, obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr nur 15 Millionen Dollar umgesetzt haben soll. Vor ein paar Tagen schlüpfte der Email-Spezialist Xobni aus San Francisco für 48 Millionen Dollar unter den Schirm von Yahoo.

Kritik an Yahoo-Chefin "Google ist Lichtjahre voraus"

Yahoo-Chefin Marissa Mayer muss sich von ihren Anlegern harsche Worte gefallen lassen. Ihre Bemühungen Yahoo wieder zu einem Vorreiter des Internets machen, fruchten bereits, doch den Aktionären reicht das nicht.

Mayer schluckte für 1,1 Milliarden Dollar die Blog-Plattform Tumblr. Die letzten Geschäftszahlen fielen allerdings eher mau aus, weil die wichtigen Werbeerlöse bröckelten. Quelle: AP

Viel Lob von Analysten

Wenn Mayer am 16. Juli die Quartalszahlen präsentiert, wird es viel Lob von Analysten geben. Aber auch viele Fragen. Vor allem wie die ganzen Übernahmen zusammenpassen und wie Mayer mit ihnen das Kerngeschäft  mit Online-Werbung stärken will. Dessen Umsatz fiel im ersten Quartal um 6,6  Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, obwohl das Unternehmen im Wachstumsmarkt Online-Werbung agiert. Laut dem Marktforschungsunternehmen eMarketer werden mit digitaler Werbung in diesem Jahr voraussichtlich weltweit 117 Milliarden Dollar umgesetzt. Ein Drittel davon geht allein an Google. Auf Platz 2 folgt Facebook mit 5 Prozent, gefolgt von  Yahoo mit 3,1 Prozent.

„Alles Wachstum beginnt mit unseren Nutzern“, fasste Mayer ihre Strategie auf der jüngsten Yahoo-Hauptversammlung zusammen. Derzeit zählt das Unternehmen zusammen mit Tumblr rund eine Milliarde Besucher im Monat.

Mit anderen Worten: Nur, wenn noch mehr Nutzer Yahoos Plattform ansteuern und nicht an die Konkurrenz verlorengehen, kann der Konzern relevant bleiben. Da der Nutzer jedoch immer anspruchsvoller wird und das Internet innovativ ist, muss Yahoo ständig nachlegen. Aus diesem Grund hat Mayer nicht nur die Homepage neu gestaltet und übersichtlicher gemacht, sondern auch die beiden wichtigsten Dienste – Yahoo Mail und den Fotoservice Flickr – überholt.

„Es werden noch mehr Veränderungen folgen“, verspricht die Yahoo-Chefin.

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