Neue Märkte: Apple startet Mission Indien

Neue Märkte: Apple startet Mission Indien

, aktualisiert 04. Februar 2017, 17:58 Uhr
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Tim Cook (Mitte) wartet vor einem Hindu-Tempel. Der Apple-CEO will kräftig in Indien investieren.

Quelle:Handelsblatt Online

Apple-Chef Tim Cook sieht im Subkontinent den wichtigsten Zukunftsmarkt. Eine eigene iPhone-Produktion soll helfen, den dortigen Smartphone-Boom voll auszunutzen. Denn noch hängt Apple deutlich hinter Samsung hinterher.

Bei seinem jüngsten Indien-Besuch überraschte Apple-Chef Tim Cook seine Gastgeber: Eingehüllt in einen Seidenschal und mit einem Segenszeichen auf der Stirn, betete der Manager in einem Tempel vor Ganesha. Hindus schätzen den Elefantengott für seine Fähigkeit, Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Der Stopp zwischen Terminen mit Wirtschaftsbossen und dem indischen Regierungschef Narendra Modi hat seine Wirkung nicht verfehlt. Apple hat auf dem indischen Markt nun eine wichtige Hürde genommen. Wie der IT-Minister des indischen Bundesstaates Karnataka diese Woche verkündete, werden die Amerikaner künftig im IT-Hub Bangalore produzieren. „Apple wird hier seine Telefone zusammensetzen“, sagte Priyank Kharge.

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Die Verhandlungen zwischen Apple und den indischen Behörden laufen bereits seit Monaten. Komplett steht der Deal wohl immer noch nicht: Apple verwies lediglich auf ein Statement von vergangener Woche. „Wir begrüßen den konstruktiven und offenen Dialog mit der Regierung über den weiteren Ausbau unseres Geschäfts”, heißt es darin. Indische Offizielle sagten jedoch, eine Unterzeichnung sei praktisch nur noch Formsache. Demnach soll die iPhone-Produktion des Apple-Zulieferers Wistron bereits in wenigen Monaten beginnen. Es wäre ein großer Schritt für Apple – und für Indien.

Der Subkontinent wird für Apple und seine Konkurrenten immer wichtiger. Erst 300 Millionen von rund 1,3 Milliarden Indern besitzen ein Smartphone. Die Verkaufszahlen auf dem Subkontinent stiegen im vergangenen laut dem Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research um 18 Prozent. Global gesehen erlebte die Branche nur noch einen Zuwachs von rund drei Prozent. Erst diese Woche sagte Apple-Chef Cook in einem Gespräch mit Analysten: „Wir werden signifikant in Indien investieren, es ist ein großartiger Ort.”


Analysten glauben an Apples Durchbruch

Noch profitiert Apple aber vergleichsweise wenig. Das Unternehmen hängt deutlich hinter dem größten Konkurrenten Samsung. Der Marktanteil der Amerikaner liegt laut der Analysefirma Counterpoint Research bei rund zwei Prozent, Samsung dominiert dagegen ein Fünftel des Marktes. Allerdings ist dieser Vergleich nicht ganz fair: Der durchschnittliche Smartphone-Preis in Indien liegt bei rund 150 US-Dollar. Im Premium-Segment, zu dem Counterpoint Geräte ab 450 US-Dollar zählt, ist Apple Spitzenreiter. Zudem konnte Apple die Verkäufe in Indien zuletzt deutlich steigern.

Dennoch sehen Analysten vor allem im hohen Preis ein Hindernis für einen echten Durchbruch der Amerikaner. Zumal iPhones in Indien noch einmal deutlich teurer sind als in den USA. Ein iPhone 7 kostet in Amerika rund 650 Dollar. Wegen Einfuhrzöllen liegt der Preis in Indien dagegen bei umgerechnet bei 900 US-Dollar. In sozialen Medien scherzen Inder immer wieder darüber, ihre Niere für ein iPhone verkaufen zu wollen. „Apple muss den Preis weiter herunterbringen, um eine breitere Masse zu erreichen”, sagte jüngst Mark Hung, Vize-Präsident beim Marktforschungsunternehmen Gartner in einem TV-Interview.

Zumal Apple seine Premium-Strategie in Indien bisher nur bedingt ausspielen kann. Weil Apple zu wenig Produkte lokal bezieht, gestatten die indischen Behörden dem Unternehmen nicht, eigene Läden zu eröffnen. Stattdessen ist Apple auf Online-Verkäufe oder auf im Vergleich zu Apple-Stores eher ramschige Straßenläden angewiesen – und ohne die Luxus-Atmosphäre lassen sich hohe Preise noch schwieriger rechtfertigen.

Nun mit einer Produktion im Land zu beginnen, dürfte bei der Eröffnung eigener Läden helfen. Gleichzeitig hat Apple laut indischen Medien auch saftige Bedingungen gestellt: darunter beispielsweise eine 15-jährige Steuerbefreiung sowie Zollfreiheit für Produktteile. Wie weit Indien den Amerikanern nun entgegen kommt, ist nicht bekannt.

Die Beamten dürften aber nicht abgeneigt gewesen sein: Für Indien hat eine iPhone-Produktion in der Heimat auch einen hohen symbolischen Wert: Sie würde einen Erfolg der aufwendigen „Make in India”-Kampagne des Regierungschefs Modi signalisieren. Der will Indien zur neuen Werkbank der Welt machen.

Zumindest im boomenden Smartphone-Markt ist es Modi bereits gelungen, eine kleine Industrie aufzubauen. Zu seinem Amtsantritt 2014 gab es nur zwei Smartphone-Fabriken im Land. Mittlerweile sind es bereits um die 50. Allerdings werden die Telefone in der Regel dort nur zusammengeschraubt, viele Einzelteile kommen weiterhin aus China – das dürfte auch beim iPhone zunächst nicht anders sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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