„Neue Zürcher Zeitung“: NZZ scheitert mit Bezahlportal in Österreich

„Neue Zürcher Zeitung“: NZZ scheitert mit Bezahlportal in Österreich

, aktualisiert 19. April 2017, 17:17 Uhr
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Die traditionsreiche Schweizer Zeitung stellt ihr Bezahlportal in Österreich ein.

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Die „Neue Zürcher Zeitung“ beendet ihr Österreich-Experiment. Die Schweizer Mediengruppe will künftig keine isolierten Bezahl-Plattformen mehr aufbauen – erteilt der Expansion im Ausland aber keine generelle Absage.

WienDie „Neue Zürcher Zeitung“ wird ihr Online-Bezahlangebot NZZ.at in Österreich Ende April einstellen. „Dass in Österreich die Bereitschaft, für digitale Angebote zu bezahlen, vergleichsweise gering ist, hat nicht geholfen“, sagte Veit Dengler, CEO der NZZ Mediengruppe dem Handelsblatt am Mittwoch. Nach der Niederlage in Österreich will das Schweizer Verlagshaus keine ähnliche Bezahl-Plattform in Deutschland einführen. „Wir wollen nicht mehr auf der grünen Wiese isolierte Plattformen mit eigenständigen Redaktionen aufbauen“, kündigte Dengler an.

NZZ.at war im Januar 2015 mit hohen Erwartungen gestartet. Doch die großen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Der konservative Chefredakteur Michael Fleischhacker wechselte im Herbst vergangenen Jahres in das Medienimperium (Servus TV) des Red-Bull-Gründers Dietrich Mateschitz. Das am Mittwoch mitgeteilte Ende des Online-Bezahlangebots gilt in Österreich als keine große Überraschung mehr. Seit Monaten kursierten in Wien Gerüchte um eine Einstellung des Portals.

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In Österreich ist die Marktsituation für Bezahlangebote ausgesprochen schwierig. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Alpenrepublik erfolgreiche Gratiszeitungen. Hinzu kommt die Dominanz der öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ORF, die seit Jahren die Marktführerschaft unter den Nachrichtenportalen im Internet besitzt. Vor diesem Hintergrund galt der Versuch, ein digitales Bezahlangebot im schwierigen Leser- und Anzeigenmarkt einzuführen, als mutiger Schritt.

Erst im vergangenen Jahr haben österreichische Qualitätsblätter wie die „Presse“ damit begonnen, Bezahlinhalte ins Netz zustellen. „Die Gratiskultur nimmt jetzt zusehends auch in Österreich ab. Ich denke, dazu haben wir einen Beitrag geleistet, indem wir als Erste in Österreich ein digitales Bezahlangebot lanciert haben“, sagte Dengler. „Ich glaube weiterhin, dass es in Österreich eine Nachfrage nach einer dezidiert liberalen Stimme gibt.“ Die Einstellung von NZZ.at sei auch keine Absage an die Internationalisierungsstrategie der „Neuen Zürcher Zeitung“, sondern an „dieses Angebot in dieser Form“.

Wie groß der wirtschaftliche Verlust in Österreich für den traditionsreichen Verlag ausfallen wird, ist unklar. Das Unternehmen machte dazu am Mittwoch keine Angaben. „Wir haben in Österreich investiert und dabei viel gelernt, das wir für die Gruppe nutzen können“, sagte Dengler. Nach seinen Angaben kam NZZ.at auf „mehrere tausend Abonnenten“. Mit den NZZ.at-Clubabenden seien zudem einige tausend Besucher erreicht worden. Sie hätten die Zeitung darin bestärkt, ihr Veranstaltungsangebot in Zürich massiv auszubauen.

Der fünfköpfigen Redaktion in Wien unter Chefredakteur Lukas Sustala wird Ende September gekündigt. Den Standort Wien behält die NZZ-Mediengruppe hingegen mit Mitarbeitern aus den Bereichen Video und Datenanalyse weiter bei. Auch das zweiköpfige Korrespondentenbüro der NZZ setzt seine Arbeit fort.

Quelle:  Handelsblatt Online
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