
ParisFrance Telecom will wegen des erbitterten Preiskampfs auf dem Heimatmarkt und der Schuldenkrise das Geld stärker zusammenhalten. Der Konzern kassierte am Mittwoch einen angekündigten Aktienrückkauf wieder ein und zahlt auch weniger Dividende.
Vor allem der erst Mitte Januar gestartete neue Mobilfunk-Rivale Iliad lässt den französischen Marktführer erzittern. Seit der Breitbandspezialist mit Billigangeboten werbe, habe France Telecom bereits mehr als 200.000 Kunden verloren, sagte Finanzchef Gervais Pellissier. Zudem habe die europäische Schuldenkrise die Kreditkosten erhöht und den Ausblick eingetrübt. „Frankreich hat seine Bonitätsbewertung AAA verloren und das belastet indirekt auch uns“, sagte Pellissier. „In diesem Zusammenhang hat eine solide Bilanz für uns nun Vorrang.“ Der Konzern legt daher binnen weniger Wochen eine Kehrtwende ein: Er wird in diesem Jahr entgegen der Ankündigung nach dem Verkauf der Schweizer Tochter für rund 1,1 Milliarden Euro Ende Dezember keine Aktien zurückkaufen. Auch beim Liquiditätsziel für dieses Jahr rudern die Franzosen zurück: Zielmarke seien nun nur noch acht Milliarden Euro statt der bislang anvisierten neun Milliarden.
Die Aktionäre bekommen die Zurückhaltung von Europas viertgrößtem Telekomkonzern auch bei der Dividende zu spüren. In diesem und dem nächsten Jahr soll die Ausschüttung auf 40 bis 45 Prozent der verfügbaren Mittel beschränkt werden. Dies werde die Dividende voraussichtlich auf einen Wert zwischen 1,21 und 1,35 Euro pro Aktie drücken. 2011 kassieren die Aktionäre noch 1,40 Euro.
Auch bei der Deutschen Telekom, die an diesem Donnerstag die Zahlen vorlegt, erwarten Analysten einen trüben Ausblick. Im Fokus steht dann auch Telecom Italia, bei der Experten ebenfalls mit einer niedrigeren Ausschüttung rechnen. Die spanische Gesellschaft Telefonica kürzte ihre Dividende bereits im Dezember; die niederländische E-Plus-Mutter KPN schraubte ihr Gewinnziel für 2012 im Januar zurück.
Geschäft auf dem Heimatmarkt noch recht gut
Die zunehmende Konkurrenz, die Unruhen in Afrika sowie neue Steuern und Auflagen zehrten bereits im abgelaufenen Jahr an Umsatz und Gewinn von France Telecom. Der Betriebsgewinn (Ebitda) fiel 2011 um 4,8 Prozent auf 15,08 Milliarden Euro. Die Erlöse sanken auf vergleichbarer Basis um 1,6 Prozent auf 45,28 Milliarden Euro, dies lag im Rahmen der Erwartungen. Dabei schlug sich das Geschäft auf dem Heimatmarkt, auf dem rund die Hälfte des Umsatzes und Gewinns erwirtschaftet werden, noch relativ gut. Anleger nahmen die Zahlen positiv auf - die Aktie legte in Paris rund zwei Prozent zu.
Die Franzosen spielten gleichzeitig Berichte herunter, die Deutsche Telekom wolle sich aus dem britischen Gemeinschaftsunternehmen der beiden Konzerne zurückziehen. Der Partner habe mit seinem Unternehmen keine derartigen Gespräche über die Zukunft von Everything Everywhere geführt, sagte Konzernchef Stephane Richard der Nachrichtenagentur Reuters.
Analysten und Banker hatten der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, die Deutsche Telekom prüfe einen Ausstieg aus Everything Everywhere. Auf die Frage, ob France Telecom in diesem Fall den Anteil der Deutschen Telekom übernehmen würde, antwortete Richard, diese Option sei wohl zu teuer. „Eine weitere Wette über sieben bis acht Milliarden Euro auf den englischen Markt ist für uns nicht sehr realistisch.













