Neues Buch: Die Geldmaschine Paulo Coelho

17. Februar 2013, aktualisiert 17. Februar 2013, 14:10 Uhr
Der Starautor Paulo Coelho ist eine Goldgrube für den Verlag. Quelle: dpa - picture-allianceBild vergrößern
Der Starautor Paulo Coelho ist eine Goldgrube für den Verlag. Quelle: dpa - picture-alliance
von Thorsten Giersch Quelle: Handelsblatt Online

Paulo Coelho kennt seine Leser. Dem Brasilianer folgen über fünf Millionen Menschen bei Twitter. Sein neues Buch „Die Schriften von Accra“ dürfte die meisten begeistern – sowie Verlag und Autor viel Geld einbringen.

DüsseldorfPaulo Coelho hat die Leichtigkeit wiedergefunden – und das mitten in einer Extremsituation. Sein neues Buch „Die Schriften von Accra“ entstand in einer lebensbedrohlichen Phase. Der brasilianische Autor stand kurz vor einer komplizierten Herzoperation. Er schrieb das Buch in zwei Wochen.

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Die 184 Seiten kommen mit erstaunlicher Freude daher. Die Geschichte spielt an einem Nachmittag und sie lässt sich auch in dieser Zeit lesen. Und man fühlt sich danach besser, spätestens beim zweiten Lesen sogar ein klein wenig weiser. Während das Vorgängerbuch „Aleph“ sehr schwergewichtig daherkam, schreibt der Starautor in den „Schriften von Accra“ seinen Lesern wieder aus dem Herzen.

Der 65-Jährige hat bereits ein halbes Dutzend Weltbestseller veröffentlicht, darunter „Der Zahir“ und „Der Alchimist“. Letzteres verkaufte sich 65 Millionen Mal. Insgesamt kommt Coelho auf eine Auflage rund 140 Millionen Büchern. Er gilt als der dritterfolgreichste Autor nach Dan Brown und Agatha Christie.

Gründe für den Erfolg gibt es mehrere – und sie haben nicht nur mit dem Schreibstil des Autors zu tun: Coelho war ein Vorreiter im Benutzen der digitalen Verbreitung: Bereits 1999 stellte er seine Texte als Download ins Internet. Kein anderer Autor kommt seinen Lesern derart entgegen.

Laut „Forbes“ ist der seit 2009 in Genf lebende Schriftsteller einer der einflussreichsten Menschen in den sozialen Netzwerken, mit heute 5,3 Millionen Anhängern bei Twitter und 9,1 Millionen bei Facebook. „Twitter ist meine Bar“, erklärte er jüngst. „Ich bin modern, weil ich das Komplizierte einfach erscheinen lasse, weil ich mit der ganzen Welt kommuniziere, weil ich ein Autor globalisierter Literatur bin.“

Mit den üppigen Einnahmen tut der Brasilianer übrigens auch Gutes: Abgesehen von regelmäßigen Spenden unterstützt er durch seine Stiftung „Instituto Paulo Coelho“ mit einem jährlichen Budget von 400.000 Dollar Bedürftige in den Favelas – also den Armenvierteln seiner Geburtsstadt Rio de Janeiro.


Coelho ist nicht unumstritten

Seine neue Geschichte hat im Prinzip keine Handlung. Sie spielt im Jahr 1099 in Jerusalem. Vor den Toren wartet ein Kreuzritterheer aus Frankreich. Am Vorabend der Schlacht beantwortet ein geheimnisvoller Fremder in der hoffnungslosen, angsterfüllten Stimmung die Fragen der Menschen um ihn herum. 

Sie nennen ihn den Kopten. Er begeistert eine Gruppe von Jerusalemer Frauen und Männern, Juden genauso wie Christen und Muslime. Der Kopte stammt ursprünglich aus Athen. Auf der Suche nach Abenteuern und Reichtum ist er in Jerusalem sesshaft geworden.

Wie der weise Kopte auf die Fragen der Menschen antwortet, da erinnert man sich für eine Sekunde an Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“. Und wenn Nietzsche über sein Werk sagte, man möge es mit „spitzen Fingern“ lesen, dann reichen bei Coelho auch solche mit abgebissenen Fingernägeln.

Denn Coelho ist nun einmal nicht unumstritten. Wie Küchenphilosophie wirken seine Gleichnisse und Parabeln, weil sie in der Sprache der modernen Unterhaltungsliteratur daherkommen. Anders formuliert: Die schlauen Worte wirken manchmal ein wenig platt.

Kritiker rufen ihm zu: Wenn doch alles so einfach wäre! Seine Leser denken: Vielleicht ist es tatsächlich so einfach. Trotz der Einfachheit der Sprache bleibe ein gewisses Maß an Rätselhaftigkeit stehen, das den Leser fasziniere.

Die Person des Kopten und seine Worte sind eine Mischung aus Realität und Fiktion. Tatsächlich wurden die Worte des Kopten niedergeschrieben. Die Schriften entstanden Anfang des 14. Jahrhunderts in der Stadt Akkon - damals Accra genannt und im Norden des heutigen Israels gelegen. Sie gelangten 1974 nach England und eine Kopie des Textes 2011 in die Hände von Coelho. 


Seit Jahren eine Goldgrube

Der schrieb die Monologe so auf, dass praktisch jeder Rat eins zu eins heute genauso gilt wie damals im Jahr 1099. Die bevorstehende Schlacht mit den Kreuzrittern gilt als Symbol für die Widrigkeiten des Alltags im 21. Jahrhundert. Dieses Bemühen für zeitlose Wahrheiten ist eine große Kunst, auch wenn sie in seltenen Ausnahmen ein wenig bemüht wirkt. An einer Stelle weiß der Kopte sogar Dinge über die Anziehungskraft von Planeten, die eigentlich erst Jahrhunderte später erforscht wurden.

So verwundert es durchaus ein wenig, dass ein Zuhörer den Kopten am möglicherweise letzten Abend seines Lebens frei heraus fragt, warum „einige Menschen mehr Erfolg haben als andere“. Glaubwürdigkeit hin oder her, die folgende Antwort ist äußerst lesenswert. Erfolg beruhe eben nicht auf der Anerkennung durch andere, sagt der Kopte: „Der Erfolg kommt zu jenen, die keine Zeit damit vergeuden, ihr Tun mit dem anderer zu vergleichen.“ In diesem Stil geht es weiter. Klingt trivial, aber viele Leser dürften sich ertappt fühlen und denken: „Da hat er Recht. Ich sollte mich dahingehend überprüfen.“

Ebenfalls sehr modern-alltagstauglich ist das Kapitel über fehlende Ruhe und Besessenheit. Die Suche nach den „falschen“ Dingen nimmt einem die Lebensfreude und verbreitet Angst vor dem Nichterreichen der vermeintlich wichtigen Ziele: „Daher lasse es nicht zu, dass die Bangigkeit des Herzens dein Leben kontrolliert.“ Man dürfe sich von der Besessenheit nicht einreden lassen, dass „dauerndes Arbeiten ein produktives Leben“ bedeute.

Dazu passt das Kapitel über wahre Eleganz als Gegenpol zu Arroganz. Schicke Kleider seien eben kein Ausdruck von Anmut: „Eleganz liegt nicht in den Kleidern, die wir tragen, sondern darin, wie wir sie tragen.“ Eleganz werde eben häufig mit Oberflächlichkeit verwechselt.

Nicht zuletzt wirbt Coelho durch seinen Kopten für das Prinzip der Wahlfreiheit. Mehrfach wird der weise Mann nach der Bedeutung des Schicksals gefragt – kein Wunder angesichts der tristen Situation der Menschen. Die Antwort: Das Glück wird nicht durch Lebensumstände bestimmt. Der Mensch hat immer eine Wahl – eben durch seine innere Haltung. Es folgt eine angenehme Passage über bewusstes Leben.

Satte 100.000 Exemplare beträgt die erste Auflage. Für den Verleger Diogenes ist Coelho seit Jahren eine Goldgrube. Für den vergleichsweise kleinen Verlag aus Zürich ist der Brasilianer der mit Abstand bedeutendste Wachstumstreiber. In Deutschland schoss das Buch direkt auf Rang drei der Spiegel-Bestsellerliste. Das gelang dem Vorgängerwerk „Aleph“ zwar auch, aber „Die Schriften von Accra“ hätten es verdient, in diesen Regionen deutlich länger zu stehen.

Bilbiografie:
Paulo Coelho
Die Schriften von Accra
Diogenes Verlag, Zürich 
184 Seiten

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