Neuordnung des Telekommunikationsmarktes: Endlich schnelles Internet

Neuordnung des Telekommunikationsmarktes: Endlich schnelles Internet

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Jens Schulte-Bockum

von Jürgen Berke

Die Fusionswelle in Deutschland ist der Vorbote einer europaweiten Neuordnung des Marktes: Weniger, aber stärkere Anbieter sollen dank höherer Preise Milliarden in superschnelles Internet investieren. Spielt das Kartellamt mit?

Jens Schulte-Bockum gehört zu den Chefs, die gerne auf Statussymbole verzichten. Der neue Deutschland-Chef des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone residiert im 17. Stock des kürzlich fertiggestellten Büroturms im schmucklosen Düsseldorfer Büroviertel Seestern. Der 46-Jährige besitzt kein eigenes Chefbüro. Seine Kommandobrücke besteht aus vier einfachen hellen Holztischen, die spartanisch, ohne persönliche Accessoires, in einem Großraumbüro direkt an der Fensterfront zusammengeschoben wurden.

Mit aufgeklapptem Laptop sitzen sich hier Schulte-Bockum, sein neuer Finanzvorstand Thomas Nowak und Interims-Kommunikationschef Ralph Driever gegenüber, wenn sie mal nicht in Meetings sind. Intern heißt das Führungstrio „Kommune 18“. Schulte-Bockum hat zwar gar nichts mit den Alt-68ern gemein, die vor fast einem halben Jahrhundert im damaligen West-Berlin die Wohngemeinschaft „Kommune 1“ gegründet hatten, um lockere Formen des Zusammenlebens mit viel Lust und Liebe ohne formale Zwänge und Privatsphäre zu üben. Doch zumindest das Unprätentiöse haben Schulte-Bockum und seine beiden Manager mit den Langhaarigen von einst gemein. Ihr einziges sichtbares Privileg ist der Panoramablick auf den Rhein und über die gesamte nordrhein-westfälische Landeshauptstadt.

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Die Zusammenarbeit in der „Kommune 18“ hat in den vergangenen Monaten gleichwohl zu späten, aber umwälzenden Einsichten geführt. Nach drei Jahren des Zauderns und einer fast abgeschlossenen, aber dann doch abgebrochenen Fusionsverhandlung konnte Schulte-Bockum, inzwischen fast elf Monate auf dem Posten, seine britische Konzernmutter zu einem wichtigen Schritt bewegen: nämlich mehr als zehn Milliarden Euro lockerzumachen und den größten hiesigen TV-Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland zu übernehmen.

Jens Schulte-Bockum "Rennen eröffnet"

Jens Schulte-Bockum Wie der Vodafone-Chef mit Kabel Deutschland die Deutsche Telekom vom Thron stoßen will.

Jens-Schulte-Bockum Quelle: PR/Theodor Barth

Ausschlaggebend seien die technischen Verbesserungen im Kabelnetz gegenüber früher gewesen, räumt Schulte-Bockum in seinem ersten Interview nach Abgabe des Übernahmeangebots am 24. Juni gegenüber der WirtschaftsWoche ein. „Mit dem neuen Standard Docsis 3.0 sind Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr möglich. Das funktioniert deutlich robuster und stabiler als vor drei Jahren gedacht.“

Die späte Einsicht hat Vodafone-Chef Vittorio Colao über fünf Milliarden Euro gekostet. Vor knapp drei Jahren, als Schulte-Bockums Vorgänger Friedrich Joussen vor dem Börsengang von Kabel Deutschland unterschriftsreife Übernahmeverträge ausgehandelt hatte, wären die Briten noch mit rund fünf Milliarden Euro für den Kabelanbieter davongekommen. Doch damals waren die mit den technischen Beschleunigungsmöglichkeiten der Kabel-TV-Netze nicht so vertrauten Aufsichtsräte und Aktionäre nicht bereit, solch einem Deal durchzuwinken.

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