Neuverfilmung: RTL droht mit „Winnetou“ eine Niederlage

Neuverfilmung: RTL droht mit „Winnetou“ eine Niederlage

, aktualisiert 29. Dezember 2016, 17:24 Uhr
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Die Charaktere und ihre Darsteller: Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring), Winnetou (Nik Xhelilaj) und Sam Hawkens (Milan Peschel) (von links)

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Mit viel Reklame hat RTL die Zuschauer vor den Fernseher locken wollen. Doch mit der Neuverfilmung des Karl-May-Klassikers riskiert der Privatsender eine Quotenschlappe. Ein Kommentar.

WienAbenteuer im Apachenland können langweilen. Deutschlands größter Privatsender RTL zog für seinen Dreiteiler „Winnetou – Der Mythos lebt“ alle Register der Reklame und Public Relations – vom roten Premierenteppich in Berlin bis zum Weihnachtskalender. Doch bislang nur mit mittelmäßigem Erfolg. Denn der dreiteilige Aufguss des Fernsehklassikers aus dem 20. Jahrhundert lockte überraschend wenig Zuschauer vor die Bildschirme.

Den zweiten Teil „Das Geheimnis vom Silbersee“ wollten nur noch 4,3 Millionen Zuschauer sehen. Bitter für RTL: eine Wiederholung des ARD-Krimis „Nord bei Nordwest - Der wilde Sven“ lockte im Ersten mit annähernd 5,2 Millionen deutlich mehr Zuschauern als „Winnetou“ an. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen brach der Marktanteil im Vergleich zum ersten Teil um fast ein Viertel auf 3,67 Millionen Zuschauer ein.

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Bereits der erste Teil der „Winnetou“-Trilogie, „Winnetou – eine neue Welt“ war mit 5,06 Millionen Zuschauern kein Triumpf. Denn schließlich lief der Auftakt ganz ohne Unterbrecherwerbung. So etwas gab es noch nie bei RTL. Der Grund: Der weltgrößte Internethändler Amazon kaufte die gesamte Werbezeit bei RTL und belohnte die Zuschauer mit dem Verzicht auf Unterbrecherwerbung. Das ließ sich Amazon viel Geld kosten. Denn schließlich kostet die Werbung zur besten Sendezeit an einem solchen Abend bei RTL brutto knapp 2,4 Millionen Euro pro Sendestunde, wie RTL am Donnerstag bestätigte.

Die Spannung bei der Bertelsmann-Fernsehtochter auf den Quotenerfolg des dritten Teils ist gewaltig. Denn am heutigen Donnerstag läuft die letzte Episode mit dem unfreiwillig komischen Titel „Der letzte Kampf“. Wenn kein Zuschauer-Wunder geschieht, landet RTL mit der aufwendigen Verfilmung am Ende eine Quotenschlappe. Das Glück von RTL: Am heutigen Fernsehabend ist die Konkurrenz von ARD, ZDF oder Pro Sieben und Sat 1 ziemlich schwach. Das für RTL günstige Wettbewerbsumfeld sorgt daher für Zuversicht in der Kölner Zentrale.

Winnetou – der Mythos ist nicht mehr quicklebendig. Zwar bot RTL veritable Stars von „Tatort“-Kommissar Wotan Wilke Möhring über Jürgen Vogel bis hin zu Mario Adorf auf. Mit Regisseur Philipp Stölzl („Der Medicus“, „Nordwand“, „Goethe!“) hatte RTL-Deutschlandchef Frank Hoffmann einen angesehenen Könner des deutschen Films verpflichtet. Doch der Produktion ist anzusehen, dass auf die Kosten streng geachtet wurde.

Der Hauptgrund für die Quotenenttäuschung liegt vor allem darin, dass die Neuverfilmung einer über Jahrzehnte bekannten Filmgeschichte schlichtweg keine Spannung mehr zulässt. Die Abenteuer im Apachenland aus der Feder von Karl May kennen die meisten Zuschauer so lange und so gut, dass sich aus dieser Geschichte nur sehr schwer ein dramaturgischer Spannungsbogen kreieren lässt.


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