Nokia: Microsoft wird zum Retter wider Willen

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Nokia: Microsoft wird zum Retter wider Willen

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Geselle und Meister. Der Ex-Microsoft-Manager und heutige Nokia-Chef Elop (links) mit Microsoft-Boss Balmer (rechts)

von Matthias Hohensee und Michael Kroker

Nokia kann seine Megaverluste nicht stoppen: Der Konzern schreibt weiter tiefrote Zahlen. Der Überlebenskampf von Nokia könnte den Softwarekonzern Microsoft zwingen, den finnischen Handyhersteller zu übernehmen.

Das Bild war dramatisch. Als „brennende Ölplattform“ beschrieb Ex-Microsoft-Manager Stephen Elop den Zustand von Nokia, wenige Monate nachdem er im September 2010 den Vorstandsvorsitz beim finnischen Handyproduzenten übernommen hatte. Jetzt brennt es bei Nokia tatsächlich lichterloh. Erst im April mussten die Finnen die Weltmarktführerschaft bei Handys an den aggressiven koreanischen Konkurrenten Samsung abgeben – eine Position, die sie 14 Jahre in Folge innehatten.

Zudem schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen. Allein im ersten Quartal verlor Nokia 1,6 Milliarden Euro, im Geschäftsjahr 2011 waren es 1,5 Milliarden Euro Verlust. Und die aktuellen Zahlen verschärfen den Sinkflug noch: Vor allem aufgrund des schwachen Handygeschäfts brach der Gesamtumsatz des finnischen Unternehmens im zweiten Quartal auf Jahressicht um 19 Prozent auf gut 7,5 Milliarden Euro ein, wie Nokia am Donnerstag mitteilte. Unter dem Strich machten die Finnen von April bis Juni weitere 1,4 Milliarden Euro Verlust.

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Die Ratingagentur Moody’s hat die Finnen wegen der anhaltend negativen Aussichten Mitte Juni auf Ramsch-Niveau herabgestuft.

Was bisher aber kaum einer auf dem Radar hatte: Das Nokia-Flammenmeer droht auf den Bündnispartner Microsoft überzugreifen. Der US-Riese hat sich, wie sich langsam zeigt, auf Gedeih und Verderb an den finnischen Absteiger gekettet, um mit dessen Hilfe sein mobiles Betriebssystem aus der Bedeutungslosigkeit zu holen. Damit verfolgt Microsoft-Chef Steve Ballmer jedoch eine hochriskante Strategie. Ginge Nokia unter, verlöre Microsoft die bisherige Basis, von der aus die Amerikaner endlich auch im Mobilfunk und nicht nur bei herkömmlichen PCs eine wichtige Rolle spielen wollen.

Schon wird in der Microsoft-Zentrale in Redmond durchgespielt, was die WirtschaftsWoche beim Antritt von Ex-Microsoft-Manager Elop als Nokia-Chef als möglichen Notfallplan bei einem Scheitern schrieb: Die teilweise oder sogar vollständige Übernahme des einstigen finnischen Vorzeigeunternehmens durch Microsoft.

Die Anzeichen mehrten sich in jüngster Zeit, dass es dazu kommen könnte. So ging der Plan von Microsoft bisher nicht auf, mit den neuen, eleganten Nokia-Smartphones der Reihe Lumia das Microsoft-Handybetriebssystem Windows Phone mit voller Kraft in den Markt zu drücken. Dadurch konnte die Konkurrenz nicht zurückgedrängt werden: Weder das Betriebssystem Android von Google auf den Samsung- und auf den Google-eigenen Motorola-Handys noch die Apple-iPhones.

Klotz oder Rettungsanker?

Der drohende Nahtod von Nokia trifft Microsoft in einem äußerst kritischen Moment: Im Oktober will der Softwarekonzern ein völlig neues Betriebssystem für PCs, Windows 8, in den Markt drücken und mit der Mobilvariante Windows Phone 8 auf Smartphones glänzen.

Diagramm: Holt Microsoft Apple ein?

Diagramm: Holt Microsoft Apple ein? (Zum Vergrößern bitte klicken)

Dabei will der Riese aus Redmond gegen die bisher übermächtige Konkurrenz von Apple und Google (siehe Grafik) durch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal punkten: Erstmals sollen die Miniprogramme für Handys, die Apps, sowohl auf PCs als auch auf mobilen Flachrechnern, den Tablets, und auf Smartphones gleichzeitig laufen. Dazu hat Microsoft Windows 8 und Windows Phone 8 technisch nah zusammengerückt.

Soll die Bindung an Nokia für Microsoft-Chef Ballmer nicht zum Himmelfahrtskommando werden, muss er schnell entscheiden. Nicht nur, dass Nokia im gegenwärtigen Tief ein Schnäppchen für Konkurrenten wäre. Der einstige Handyweltmarktführer wird an der Börse nur noch mit gut sieben Milliarden Euro bewertet, beim Amtsantritt von Elop im September 2010 waren es gut 30 Milliarden Euro, im April 2000 gar gut 300 Milliarden Dollar. Damit kämen Wettbewerber zum historischen Tiefstpreis an das gesamte Know-how des Handypioniers, der trotz seines tiefen Sturzes im vergangenen Jahr immerhin noch knapp 39 Milliarden Euro umsetzte und dessen Marke weltbekannt ist. Vor allem in Europa und Asien ist Nokia noch immer sehr präsent. Würden Wettbewerber wie etwa HTC oder Huawei die Finnen übernehmen, müsste Microsoft fürchten, dass die neuen Eigentümer auf das führende Konkurrenzbetriebssystem Android von Google springen.

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