NSA-Affäre: Wie ehrlich ist die Telekom?

KommentarNSA-Affäre: Wie ehrlich ist die Telekom?

von Jürgen Berke

Die Enthüllungen über Spähattacken ausländischer Geheimdienste auf Kabel der Deutschen Telekom bringen den Konzern in eine prekäre Lage. Gerade positioniert sich der Konzern als besonders vertrauenswürdig.

Zapfen ausländische Geheimdienste auch die Leitungen der Telekom an? Im Zuge der Enthüllungen des ehemaligen NSA-Agenten Edward Snowden fällt regelmäßig auch der Name des Magenta-Riesen. Mal wird suggeriert, dass sich die Telekom durch ihre Expansion in die USA verpflichten musste, mit den US-Geheimdiensten zu kooperieren. Jetzt schüren neueste Dokumente den Verdacht, dass auch der britische Geheimdienst Transatlantik-Kabel anzapfen kann, die auch die Telekom für Datentransfers nutzt und an denen sie als Gesellschafter von Betreiberkonsortien sogar beteiligt ist. Der Telekom-Vorstand betont jedes Mal, dass sie keinem ausländischen Geheimdienst Zugriff auf Daten gewähre. Doch reicht solche eine Unschuldserklärung wirklich aus?

Schon der leiseste Verdacht, dass an diesen Meldungen doch etwas dran sein könnte, bringt die Deutsche Telekom in eine äußerst prekäre Lage. Der Konzern positioniert sich gerade als besonders vertrauenswürdiger IT- und Internet-Anbieter,  der großen und mittelständischen Unternehmen bei Abwehr von Spionage- und Spähattacken helfen will. Erst kürzlich wurde der neue Geschäftsbereich Cybersecurity mit dem Ziel gegründet, in diesem Wachstumsmarkt Fuß zu fassen.

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FAQs: So werden die Deutschen überwacht

  • Werden meine Telefonate mitgehört?

    In Deutschland können nach dem Gesetz zur Beschränkung des Post- und Fernmeldegeheimnisses (G10) Telefonate abgehört werden, wenn ein entsprechender Beschluss eines Richters vorliegt. Dabei geht es in der Regel um schwere Straftaten oder um Friedens- und Hochverrat. Der Bundesnachrichtendienst ist bei der Auslandsspionage nicht auf einen Richterbeschluss angewiesen, muss aber darauf achten, bei seinen Aktionen keine deutschen Staatsbürger zu überwachen. Der NSA und anderen Auslandsgeheimdiensten geht es bei der Telefonüberwachung vor allem um sogenannte Metadaten, also um Informationen, wer mit wem wann telefoniert hat und von welchen Orten aus die Gespräche geführt wurden.

  • Werden meine Mails mitgelesen?

    E-Mails haben den Charakter einer Postkarte. Sie können auf ihrem Weg durch das Netz von vielen Menschen mitgelesen werden, auch von Geheimdiensten. Dazu kommen Roboter, die erkennen sollen, ob es sich bei einer Mail um eine unerwünschte Spam-Nachricht oder eine relevante E-Mail handelt. Auch Anti-Virus-Programme der Provider checken eine E-Mail. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei einem ungebetenen menschlichen Mitleser um den Administrator des Netzwerks oder einen unfairen Kollegen handelt, ist deutlich höher, als dass ein Mitarbeiter vom BND oder der NSA am Werk ist.

  • Darf der BND auch Deutsche abhören?

    Nach dem G-10-Gesetz über Eingriffe in das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis darf der BND bis zu 20 Prozent der Kommunikation zwischen der Bundesrepublik und dem Ausland auf verdächtige Inhalte prüfen. Die Zahl der nach diesem Gesetz ausgeführten Überwachungsvorgänge hat von 6,8 Millionen im Jahr 2009 auf 2,9 Millionen 2011 und rund 800.000 im vergangenen und voraussichtlich auch im laufenden Jahr abgenommen. Dabei geht es jeweils um Fälle, in die auch deutsche Staatsangehörige involviert sind.

  • Kann der Internet-Knoten in Frankfurt abgehört werden?

    Die DE-CIX muss nach den G10-Bestimmungen beispielsweise in Strafverfahren bestimmte Daten herausgeben, wenn ein Richterbeschluss vorliegt. Die Betreiber dementieren energisch, dass die NSA oder andere Auslandsgeheimdienste heimlich auf die Datenleitungen zugreifen können und verweisen auf verschiedene technische Schutzvorrichtungen. Die für eine Überwachung im großen Stil notwendigen Kabelstränge würden auch allen auffallen.

  • Späht der BND auch ausländische Regierungen aus?

    Möglich ist das - vor allem, wenn es um Konfliktregionen wie Afghanistan, Iran oder Syrien geht. Offiziell bestätigt werden solche Aktionen aber nicht. Auf die Frage, ob auch Regierungen von Partnerstaaten wie den USA oder EU-Ländern ausspioniert werden, sagt Regierungssprecher Seibert: „Es gehört nicht zur Politik der Bundesregierung, befreundete Staaten in ihren Botschaften auszuforschen. Ich glaube, das versteht sich von selbst.“

Dabei geht es nicht allein um den Verkauf von speziellen Sicherheitsprodukten und -diensten. Die Telekom hofft auch, dass Konzerne ihre IT-Sicherheit komplett auslagern und vertrauensvoll in die Hände der Deutschen Telekom legen. Die entsprechende Technik und Expertise baut die Telekom gerade auf. So entwickelt der Konzern gerade ein Früherkennungssystem, das permanent den gesamten Datenverkehr eines Unternehmens analysiert und Alarm schlägt, sobald es bei einzelnen Bits und Bytes kleinste Abweichungen und Anomalien gibt, die auf eine Hacker- oder Spionageattacke hindeuten. Die Cyberabwehr, da sind sich viele Experten einig, würde dadurch gestärkt.  Denn wie beim Regierungsnetz zwischen Berlin und Bonn würde die Telekom eine besonders starke Firewall um das Unternehmen bauen und alle Ein- und Ausgänge zum öffentlichen Web  kontrollieren.

Konzernsicherheit Telekom kontrolliert gesamten Telefonverkehr auf Betrugsversuche

Die Deutsche Telekom unterhält mit wachsendem Erfolg in der Abteilung Konzernsicherheit eine Ermittlungsgruppe, die Betrug und Missbrauch bei Telefon-Flatrates nachgeht.

Ein ISDN-Telefonstecker hinter dem Schriftzug der Deutschen Telekom Quelle: dpa

Einem deutschen Telekom-Konzern, an dem sogar der Staat beteiligt ist, vertrauen Dax-Unternehmen sicherlich lieber die Schlüssel zu den höchst sensiblen Datenströmen an als einem ausländischen Anbieter.  Aber allein aus Liebe zu Deutschland vergeben Unternehmen keine Aufträge an die Deutsche Telekom.  Gefragt ist hundertprozentige Sicherheit, ohne Wenn und Aber und ohne gut getarnte Anzapfstellen für Geheimdienste.  Dann könnte die Deutsche Telekom eine führende Rolle beim Schutz der deutschen Wirtschaft übernehmen. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg.

 

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