
Im US-Patentprozess von Apple und Samsung in Kalifornien ist eine interne Analyse der Südkoreaner aufgetaucht, die ihre Position bei den Geschworenen massiv untergraben könnte. In dem Papier von März 2010 wird auf rund 130 Seiten ausführlich die Bedienung des iPhone und des Samsung-Smartphones Galaxy S verglichen. Dabei kommen nicht nur zahlreiche Schwächen in der Galaxy-Software an Licht - es folgt auch die ausdrückliche Empfehlung, wie man eigene Produkte mit Lösungsansätzen aus dem iPhone verbessern kann.
Apple wirft Samsung in dem seit mehr als einem Jahr laufenden Patentstreit vor, bei seinen Smartphones und Tablet-Computern Design und Funktionen von iPhone und iPad kopiert zu haben. Das am Dienstag in die Prozessunterlagen aufgenommene Dokument könnte in den Augen der neun Geschworenen den „rauchenden Colt“ liefern - einen ausschlaggebenden Beweis für ihre Entscheidung.
Bei der Vergleichsanalyse geht es zum Teil um kleine Details wie die Anzeige der Zahl noch offener Seiten im Web-Browser oder die Möglichkeit, ein Wort per Antippen zu kopieren. Das seien Funktionen, die vom iPhone übernommen werden sollten, lautet das Fazit der Samsung-Mitarbeiter. Offen werden im direkten Vergleich der Samsung-Experten auch zahlreiche Mängel in der Bedienung des eigenen Galaxy S angeprangert. So bemängeln die Autoren, dass die virtuelle Tastatur den Inhalt einer E-Mail verdeckt. Kritisiert wird auch, dass man ein und das selbe Programm mehrfach auf die Bildschirm-Oberfläche rüberziehen kann, oder dass das Blättern in E-Mails zu umständlich sei.
Bild: dpaDer Patentstreit zwischen Apple und Samsung führte dazu, dass Apple Prototypen und Skizzen aus der Entstehungsgeschichte des iPad und iPhones bekannt gegeben hatte. In der Entstehungsgeschichte dieser Geräte hatte Apple deutlich innovativere und bessere Zeiten erlebt.

Der südkoreanische Konkurrent habe die bewusste Entscheidung getroffen, die Apple-Geräte im Detail zu kopieren, sagte Anwalt Harold McElhinny in der Eröffnungs-Erklärung. Als Beleg demonstrierte er den Geschworenen Fotos von Samsung-Geräten vor und nach der Vorstellung des iPhone.

Die Südkoreaner konterten, Apple habe iPhone und iPad auf fremden Ideen aufgebaut und das Design sei gar nicht so innovativ gewesen. Als Beispiele nennen die Südkoreaner unter anderem das zeitgleich vorgestellte „Prada“-Handy von LG und haben sich zuletzt besonders auf eine angebliche Sony-Spur eingeschossen. Im Februar 2006 soll Apple Manager Tony Fadell Steve Jobs und Apple-Chefdesigner Jonathan Ive auf Sonys Designsprache aufmerksam gemacht haben, in der Folge sei der japanische Designer Shin Nishibori mit der Gestaltung von Entwürfen beauftragt worden.

Im Prozess wurden auch viele Prototypen von Apple gezeigt - ein interessantes Detail ist der iPod-Schriftzug darauf.

Als erster Zeuge erzählte Apple-Designer Christopher Stringer, der Kern des Design-Teams sei nur etwa 15 Personen stark und entwickele neue Ideen gemeinsam an einem großen „Küchentisch“.

Das iPhone zu konstruieren und zu bauen sei eine erhebliche technische Herausforderung gewesen, sagte er. Dabei seien viele Ideen verworfen worden, bis schließlich eine „perfekte“ Form gefunden worden sei.

Ein besonders stark abweichender Entwurf ist dieser achteckige Prototyp.

Viele Entwürfe wurden im Laufe des Entwicklungsprozesses auch verworfen: So auch dieses Modell mit der markanten Aussparung.

Laut Apple-Zeuge Stringer sei auch Apple-Gründer Steve Jobs nervös gewesen, ob es angesichts des damals ungewöhnlichen Designs von den Nutzern angenommen werde.

Die Verhandlung förderte erstmals den Anteil von Samsung-Bauteilen an Apple-Geräten zutage: Laut Samsung-Anwalt Verhoeven machen Komponenten der Südkoreaner 26 Prozent vom Preis der Bauteile eines iPhone aus.
Der Patentstreit zwischen Apple und Samsung führte dazu, dass Apple Prototypen und Skizzen aus der Entstehungsgeschichte des iPad und iPhones bekannt gegeben hatte. In der Entstehungsgeschichte dieser Geräte hatte Apple deutlich innovativere und bessere Zeiten erlebt.
Unterschied wie "zwischen Himmel und Erde"
Das Auftauchen des Dokuments ist schon der zweite Dämpfer für Samsung in zwei Tagen. Am Montag wurde eine E-Mail mit scharfen Äußerungen von Samsungs Mobil-Chef JK Shin als Beweismittel angenommen. Der Manager erklärt dort unter anderem, das iPhone habe bei Samsung eine „Design-Krise“ offenbart. Er bekomme oft den Vorschlag zu hören, „etwas wie das iPhone“ zu bauen. Der Unterschied bei der Bedienung des iPhone und des Samsung-Modells Omnia sei wie "zwischen Himmel und Erde".
Samsungs Chefstratege Justin Denison versuchte am Dienstag im Gericht, die Wucht dieser Äußerungen herunterzuspielen. Es sei bewusst überspitzte Rhetorik gewesen, um die Mitarbeiter aufzurütteln, sagte er laut US-Medienberichten.
Die beiden Dokumente müssen den Prozess nicht zwingend beeinflussen. Denn in dem Verfahren geht es konkret um andere patentierte Funktionen und Design-Muster. Etwa um die Grundform des iPhone und ein von Apple geschütztes Tablet-Designmuster. Apple muss unter anderem eine Verwechslungsgefahr nachweisen. Samsung versucht die Geschworenen hingegen davon zu überzeugen, dass die Innovationen gar nicht von Apple stammten und der US-Konkurrent sich bei den Patenten der Südkoreaner für Mobilfunk-Technologien bediene. Trotz dieser konkreten Sachverhalte könnten die beiden Samsung-Papiere die Geschworenen jedoch in dem generellen Eindruck bestärken, dass der Konzern Apple kopiert habe.























