Pro Sieben Sat 1: Fußball-EM bremst den Dax-Durchstarter

Pro Sieben Sat 1: Fußball-EM bremst den Dax-Durchstarter

, aktualisiert 04. August 2016, 09:41 Uhr
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Der TV-Konzern macht sich immer unabhängiger vom klassischen Werbegeschäft.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Dax-Aufsteiger Pro Sieben Sat 1 ist im zweiten Quartal kräftig gewachsen. Allerdings hat die Fußball-EM bei ARD und ZDF die Dynamik der Münchener gebremst. Beeindruckend bleibt das Comeback des Medienkonzerns dennoch.

MünchenDen 21. März haben sie in der Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring bis heute nicht vergessen. Seit diesem Tag ist der TV-Konzern als erster Vertreter der deutschen Medienbranche im Dax notiert. Darauf sind auch die Angestellten stolz: Fast die Hälfte aller Mitarbeiter hat diesen Sommer Belegschaftsaktien gekauft, die Vorstandschef Thomas Ebeling zum ersten Mal angeboten hat.

Als wolle er die Entscheidung der Frankfurter Börse noch einmal rechtfertigen, hat Ebeling an diesem Donnerstag beeindruckende Quartalszahlen vorgelegt: Zwischen April und Ende Juni sind die Erlöse um 15 Prozent auf 886 Millionen Euro geklettert. Ein solch sattes Plus dürften nur wenige andere Dax-Konzerne dieses Frühjahr erreicht haben.

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Allerdings: Zu Jahresbeginn war das Unternehmen noch viel dynamischer unterwegs. Im ersten Quartal sind die Erlöse mehr als ein Fünftel geklettert. Dass es jetzt nicht mehr ganz so stark aufwärts ging, lag an den deutschen TV-Sendern, dem wichtigsten Umsatzbringer der Gruppe. Die Einnahmen der TV-Sparte stiegen im zweiten Quartal lediglich um ein Prozent auf 541 Millionen Euro.

Der Grund dafür: Im Juni lief die Fußball-EM bei der Konkurrenz von ARD und ZDF. Das drückte den Marktanteil von 29,4 Prozent im Mai auf 25 Prozent im Juni. Entsprechend geringer fielen die Werbeeinnahmen aus. Dass Pro Sieben Sat 1 bei seinen klassischen TV-Sendern überhaupt wächst, ist indes bemerkenswert. Da die Menschen immer mehr Zeit im Internet verbringen, befürchtet die Fernsehbranche schon seit Jahren schwindende Reklameeinnahmen. Doch bislang ist das Geschäft äußerst robust.

Das größte Plus verbuchte im Frühjahr freilich die Digitaldivision. In diesem Bereich hat Ebeling das gesamte Internet-Geschäft gebündelt, dazu gehört zum Beispiel das Online-Videoportal Maxdome. Hier ist der Umsatz um 43 Prozent auf 263 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Ein großer Teil des Zuwachses stammt aus Übernahmen in den vergangenen Monaten, zum Beispiel des Vergleichsportals Verivox. Auch die kleinste Sparte, die Filmproduktion, gedeiht prächtig: Um knapp 42 Prozent auf 77 Millionen Euro sind die Einnahmen geklettert.


Märchenhafter Aufstieg

Der Aufstieg in den deutschen Leitindex ist eine geradezu märchenhafte Story. Noch vor sieben Jahren war die Pro-Sieben-Sat-1-Aktie ein Pennystock: Sie notierte gerade mal bei 0,88 Euro. Im frühen Handel in Frankfurt stand der Kurs am Donnerstag bei 40,75 Euro – ein Zuwachs von mehr als 4000 Prozent. Allerdings: Seit dem Einzug in den Dax im März haben die Aktien etwa ein Fünftel an Wert verloren. Viele Analysten halten die Papiere jetzt jedoch wieder für ein attraktives Investment. Zumindest am Donnerstagmorgen sind ihnen viele Anleger in dieser Einschätzung gefolgt: Kurz nach Handelsstart lag die Aktie mit fast zwei Prozent im Plus.

Die schier unglaubliche Entwicklung ist auch das Verdienst von Ebeling. Der Manager, der zuvor für Pharma-, Lebensmittel- und Tabakfirmen wirkte, kam 2009 von Novartis. Er fand einen Konzern vor, den der Unternehmer Haim Saban aus der Insolvenzmasse der Kirch-Gruppe 2003 für vergleichsweise kleines Geld erworben und an die Beteiligungsgesellschaften Permira und KKR weitergereicht hatte. Die Finanzinvestoren hatten die Senderkette mit Schulden belastet und beinah kaputtgespart. In Ebelings Amtszeit verabschiedeten sich diese ungeliebten Gesellschafter.

Der neue Vorstandschef beschränkte die Aktivitäten des Konzerns im Wesentlichen auf den deutschsprachigen Raum und diversifizierte ihn. So gelang es ihm, Pro Sieben Sat 1 unabhängiger von klassischen TV-Erlösen zu machen. Im zweiten Quartal hatten bereits 44 Prozent der Umsätze der Sendergruppe nichts mit Fernsehwerbung zu tun. Vor Jahresfrist waren es lediglich 35 Prozent. Das Unternehmen investierte in digitale Reisebörsen, Preisvergleichsportale und Onlineparfümerien. Dazu verfügt das Unternehmen über ein Musiklabel und ist im Sportmanagement aktiv. Bis 2018 sollen die neuen Bereiche die Hälfte vom Umsatz beisteuern.

Das ungestüme Wachstum der vergangenen Monate hat allerdings ihren Preis. Pro Sieben Sat 1 schluckt ein Unternehmen nach dem anderen, vor allem Start-ups stehen auf der Einkaufsliste. Das kostet viel Geld und drückt den Gewinn. So ist der Überschuss im zweiten Quartal nur um acht Prozent auf 133 Millionen Euro geklettert.

Ebeling stört das nicht, der Unternehmenslenker will seinen Wachstumskurs fortsetzen. betonte er am Donnerstag. So soll der Umsatz dieses Jahr um mehr als zehn Prozent steigen. Auch das Betriebsergebnis und der Nettogewinn würden zulegen, allerdings legt sich Ebeling dabei auf keine Größe fest. Nur eins ist ihm als Botschaft an die Investoren wichtig: „Wir sind gut aufgestellt für künftiges Wachstum.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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