Pro Zwei-Klassen-Web: Die Idee der Netzneutralität ist überholt

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KommentarPro Zwei-Klassen-Web: Die Idee der Netzneutralität ist überholt

von Jürgen Berke

In den USA muss Netflix Geld bezahlen, damit die Kabelfirmen die gigantischen Datenmengen vorrangig übertragen. In der Politik wird Ähnliches auch für Europa diskutiert. Das wird auch Zeit, sagt WiWo-Autor Jürgen Berke.

Die Netzneutralität gilt ihren Verfechtern als Heiligtum: Im Internet, so ihr Glaubensgrundsatz, sind alle Daten gleich, egal, ob für Pornovideos, selbstfahrende Autos oder Ärzte in Operationssälen. Alles andere gilt als Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Doch diese Denke ist überholt. Sie ist ein Relikt aus den Anfängen des Internets in den Neunzigerjahren, als das World Wide Web für kommerzielle Dienste geöffnet wurde. Damals war es überhaupt kein Problem, die wenigen Daten schnell zu übertragen. Der Zufall entschied, welche Route eine E-Mail einschlug und ob die Bits ein paar Sekunden später ankamen. Den Nutzern war das egal.

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Über den Autor

  • Jürgen Berke

    WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Berke fordert Vorfahrtsregeln für zeitkritische Daten, etwa für das vernetzte Auto und die Fabrik 4.0.

Heute dagegen entwickelt sich das Internet in Riesenschritten zum Nervensystem einer völlig vernetzten Wirtschaft und revolutioniert dabei auch traditionell starke deutsche Industrien wie den Auto- und Maschinenbau. Dazu braucht es sichere, ultraschnelle Datenübertragung. Verzögerungen von Sekundenbruchteilen werfen das selbstfahrende Auto aus der Spur, lassen die Produktion in der computer- und internetgesteuerten Fabrik 4.0 zusammenbrechen und den Chirurgen vor dem erstarrten Bild auf dem Monitor kapitulieren. Solche Dienste, die essenziell für unser Leben und unsere Wirtschaft werden, dürfen nicht wegen eines Datenstaus durch Videos und Fernsehen im Internet stecken bleiben.

Contra Zwei-Klassen-Web Ein bisschen Netzneutralität geht nicht

In den USA muss Netflix Geld bezahlen, damit die Kabelfirmen die gigantischen Datenmengen vorrangig übertragen. In der Politik wird Ähnliches auch für Europa diskutiert. Eine schlechte Idee, glaubt Oliver Voß.

Internetseite von Youtube Quelle: dpa

Genau das aber ist durch die gigantischen Datenmengen von Videos und vor allem von Filmdiensten wie Netflix, die zu manchen Tageszeiten schon ein Drittel der Netzkapazität in den USA in Beschlag nehmen, nicht mehr 100-prozentig gewährleistet. Die Web-Giganten aus den USA beharren darauf, dass jeder zum gleichen Tempo und zum gleichen Preis Daten verschicken können soll, ganz gleich, ob er das Web damit überfordert.

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Wer hierauf beharrt, schaufelt nicht nur den Finanzprotzen des Internets unnötig Geld in die Kassen. Er verhindert auch, dass Netzbetreiber ein Interesse haben, in schnellere Datenübertragung zu investieren, wenn Kunden – Fabriken, Operateure, Fernsehsender, Besitzer selbstfahrender Autos – dies benötigen und dafür extra bezahlen könnten.

Die Gleichmacherei aller Daten setzt solche Anreize und die wohltuenden Kräfte des Marktes außer Kraft. Wer ein komfortableres Auto will, bezahlt dafür mehr als für eine einfache Mühle. Wer mit Vollgas über die Autobahn brettert, muss mehr (für Treibstoff) bezahlen als der Schleicher. Politiker sollten dies offen sagen und auch für das Internet zulassen, selbst wenn sie damit einen Shitstorm der Web-Romantiker riskieren.

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