ProSieben: Wie gewonnen so zerronnen

ProSieben: Wie gewonnen so zerronnen

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von Melanie Bergermann

Die Zahlen von ProSieben für das dritte Quartal sind ein Desaster. Der Aktienkurs fällt drastisch. 

Im August hatte der Medienkonzern Pro7 schon durchblicken lassen, dass  das Geschäft nicht optimal läuft. Der Umsatz mit Fernsehwerbung sei rückläufig, verkündete Konzernchef Thomas Ebeling. Man hätte also meinen können, die Investoren wären auf schlechte Quartalszahlen vorbereitet gewesen und der Kurs würde sich heute kaum bewegen. 

Doch es kam anders. Allein bis zum Mittag fiel der Aktienkurs heute um fast elf Prozent und das aus nachvollziehbaren Gründen. Aus dem Quartalsbericht geht hervor, dass die Fernseheinnahmen der Münchner zwar gesunken sind. Er zeigt jedoch auch, dass die Werbeeinnahmen nicht das Hauptproblem sind. Das war dann eben doch überraschend. 

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Der Umsatz mit Fernsehwerbung fiel im dritten Quartal um drei Prozent oder zwölf Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei einem operativen Konzernumsatz von 883 Millionen Euro wäre das aber wohl verkraftbar gewesen, zumal der Umsatz über alle Geschäftsbereiche hinweg gestiegen ist. 

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Eine Überraschung gab es vielmehr bei den Kosten. Die stiegen im dritten Quartal um satte 40 Prozent auf eine Milliarde Euro. So fielen zwischen Juli und September „Sonderaufwendungen“ in Höhe von 261 Millionen an. Dabei entfiel allein auf das Programmvermögen eine außerordentliche Abschreibung von 170 Millionen Euro.

Der Konzern kam zwar auf ein Ergebnis vor Steuern von 132 Millionen Euro. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass ProSieben kürzlich seinen Reiseanbieter Etraveli verkauft und damit im dritten Quartal einen Bruttoerlös von 302 Millionen Euro erzielt hat. Ohne diese Einnahme hätte ProSieben Verlust gemacht. 

Ebenfalls enttäuschend ist die Entwicklung der digitalen Geschäfte. ProSieben betreibt etwa die Partnerbörsen Parship und Elite sowie verschiedene Reiseportale. Die Erlöse über derlei Einnahmequellen sind zwar zum wiederholten Mal deutlich gestiegen, doch ist das vor allem auf Zukäufe zurückzuführen.

Ernüchternd sind auch die Angaben bezüglich der Video-on-demand-Plattform Maxdome. Anfang des Jahres hatte ProSieben noch angekündigt, dass der Streamingdienst in diesem Jahr die Gewinnzone erreichen werde. Doch die über Maxdome erzielten Erlöse gingen laut Quartalsbericht erst einmal zurück. War das Ergebnis der gesamten Sparte im dritten Quartal des vergangenen Jahres noch positiv, weist das Segment nun einen Verlust aus. 

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